Aktien des deutschen Einzelhandels stehen unter Druck
„Ihr Kunden kommet, oh kommet doch all!“

Der deutsche Einzelhandel musste in diesem Jahr schwere Umsatzeinbußen verzeichnen. Große Hoffnungen auf ein umsatzstarkes Weihnachtsgeschäft halten viele Analysten für zu optimistisch - so sehen auch ihre Empfehlungen für Einzelhandels-Titel nicht besonders festlich aus.

DÜSSELDORF. Süßer die Kassen nie klingeln als zur Weihnachtszeit - das galt zumindest in den vergangenen Jahren. Das Weihnachtsgeschäft 2002 wird dem deutschen Einzelhandel jedoch nicht die aus der Vergangenheit bekannten Umsatzzuwächse bescheren. "Die Einzelhandelsunternehmen sind nicht so richtig negativ eingestellt. Bei Douglas war man eigentlich schon das ganze Jahr zu optimistisch, auch bei Karstadt Quelle war die Konzernspitze ein wenig zu euphorisch", sagt Sven Madsen, Analyst bei der BHF ING-Bank. Madsen gibt daher für die Papiere von Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern eine klare Verkaufsempfehlung. Die Douglas-Werte stufte der Einzelhandelsexperte kürzlich auf "Halten" zurück. "Die Douglas-Aktie ist zurzeit fair bewertet. Zwar hält sich das Unternehmen ganz gut und die Dividendenrendite kann sich auch sehen lassen, aber die schwache Konjunktur in Deutschland dürfte mittelfristig die Ergebnisse weiter belasten", erklärt der BHF ING-Analyst.

Auch Thilo Kleibauer, Aktienanalyst bei M. M. Warburg, rechnet mit einem verhaltenen Weihnachtsgeschäft ohne große Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr. "Der Einzelhandel ist zwar nicht euphorisch, aber auch nicht zu Tode betrübt bei den Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft", sagt Kleibauer. Die höheren Umsätze zum Ende des Jahres sind Teil der Kostenkalkulationen für das Gesamtjahr, daher könnten schlimmer als erwartete Umsatzeinbußen zu weiteren Gewinnwarnungen führen.

Vor allem Europas führender Parfümerie-Konzern Douglas hat ein sehr geschenklastiges Sortiment. Douglas ist neben dem Parfümeriegeschäft in den Segmenten Schmuck (Christ) und Bücher (Thalia) tätig, die beide einen großen Teil ihrer Jahresumsätze im vierten Quartal erzielen. Insgesamt werden über 35 % der Douglas-Konzernumsätze im vierten Quartal erwirtschaftet.

Erste Hoffnungsschimmer gibt es bei Karstadt Quelle: Im dritten Quartal steigerte das Einzelhandelsunternehmen den Umsatz zum Vorjahr. "Von einer Trendwende kann aber noch nicht die Rede sein", sagt Aktienexperte Kleibauer. Das dritte Quartal sei überall etwas besser gelaufen, da es aber bereits Ende vergangenen Jahres Abschwächungen gegeben hatte, sei das Ausgangsniveau auch nicht sehr hoch gewesen.

Karstadt-Quelle rechnet für das vierte Quartal mit einem Umsatzrückgang von 4 bis 5 %. Dennoch erklärte der Vorstand bei der Präsentation der Neun-Monats-Zahlen am Montag, dass er "vorsichtig optimistisch" sei. "Ich nehme an, dass sich das Unternehmen mit diesem eher negativen Umsatzausblick davor schützen will, die Prognosen ein weiteres Mal nach unten korrigieren zu müssen", schätzt Christoph Schlienkamp, Analyst beim Bankhaus Lampe. Ähnlich sieht die Situation bei Douglas aus: Die Prognose für das Gesamtjahr wurde in der vergangenen Woche auf ein Umsatzplus von zwei bis vier Prozent gesenkt. "Bei so verhaltenen Prognosen wird es nicht mehr zu bösen Überraschungen kommen", erwartet Schlienkamp. Es würde aber auch keine Korrekturen nach oben geben - was die Unternehmen vielleicht insgeheim noch hoffen. Aktienexperte Schlienkamp erwartet, dass sich die Papiere von Douglas und Karstadt Quelle wie der Markt entwickeln werden - seine Empfehlung lautet "marketperform".

"Die Konsumenten werden sich auch im Weihnachtsgeschäft weiter zurückhalten. Die Stimmung wird zurzeit von den geplanten Steuererhöhungen, den höheren Sozialabgaben und der Diskussion über weitere Massenentlassungen eingetrübt", fügt Schlienkamp hinzu.

Brillen findet man eher selten unterm Tannenbaum, deswegen ist dieUmsatzentwicklung der Optikerkette Fielmann fast unabhängig vom Weihnachtsgeschäft. Insgesamt bewegt sich der Brillen-Discounter gegen den Trend im Einzelhandel und steuert für 2002 den sechsten Rekordgewinn in Folge an. In den ersten neun Monaten 2002 hat Europas größte Optikerkette den Überschuss im Konzern um 7,9 Prozent und den Umsatz um 5,4 Prozent gesteigert. Die Branche ohne Fielmann hat zum Ende des dritten Quartals dagegen einen Umsatzrückgang von fünf Prozent verzeichnet. "Fielmann ist nach wie vor gegen den Trend auf Wachstumskurs. Das Unternehmen hat sich klar als Niedrigpreisanbieter positioniert und kann daher in solchen Zeiten zulegen", sagt Kleibauer von M.M. Warburg, der die Fielmann-Werte daher zum Kauf empfiehlt. Auch Analyst Schlienkamp stuft das Papier als "Outperformer" ein.

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