Aktien deutlich unter Druck
Mobilcom kommt France Telecom entgegen

Der Aufsichtsrat der Mobilcom AG hat nach Unternehmensangaben auf Drängen des zweitgrößten Aktionärs France Telecom beschlossen, ein bereits genehmigtes Aktienoptionsprogramm für Mobilfunkhändler durch einen neutralen Gutachter prüfen zu lassen.

rtr FRANKFURT. Hintergrund sind am Donnerstag bekanntgewordene Vorwürfe des französischen Konzerns, dass die Mobilcom-Aktien, die jüngst Sybille Schmid erworben hatte, von der Mobilcom finanziert worden sein sollen. Sybille Schmid ist die Ehefrau des Mobilcom-Gründers und-Chefs Gerhard Schmid. Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch wies die Vorwürfe auf Anfrage zurück. Der Mobilcom-Aktienkurs rutschte bei hohen Umsätzen erneut deutlich.

Mobilcom teilte nach einer bis in die Nachtstunden dauernden Sitzung des Aufsichtsrates mit, das Aktienoptionsprogramm mit einem Volumen von bis zu 3,6 Mill. Aktien werde unter vollständiger Kontrolle einer Firma stehen, die von Sybille Schmid geführt werde. Daneben sei Frau Schmid seit langem Aktionärin von Mobilcom und habe bereits vor der Entscheidung für das Optionsprogramm rund vier Mill. Aktien gehalten.

Nach Firmenangaben sind rund 65 Mill. Mobilcom-Aktien ausgegeben, so dass der von Frau Schmid privat gehaltene Kapitalanteil mindestens rund sechs Prozent beträgt. Das Volumen des Aktienoptionsprogramm macht rund 5,5 % des Kapitals aus. Im Dezember hatte Mobilcom erstmals mitgeteilt, ein Finanzinvestor habe mehr als fünf Prozent des Kapitals erworben. Im Januar bestätigte Mobilcom, der Investor sei Sybille Schmid. In einem Reuters-Interview hatte Mobilcom-Chef Gerhard Schmid jüngst dementiert, dass er und seine Frau sich bei dem jüngsten Aktienkauf abgesprochen hätten. Seine Frau treffe von ihm oder seiner Firma unabhängige Finanzentscheidungen, hatte Schmid gesagt.

Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" will die France Telecom erreichen, dass der Kaufvertrag für den im Jahr 2000 erworbenen Mobilcom-Kapitalanteil und die damit zusammen hängenden finanziellen Verpflichtungen für den Ausbau des deutschen UMTS-Mobilfunkgeschäfts "null und nichtig" werden. Dies würde die mit rund 65 Mrd. ? verschuldete France Telecom möglicherweise davon entbinden, Mobilcom und seine Investitionen in den vor der Markteinführung stehenden Mobilfunkstandard UMTS zu finanzieren.

Seit Tagen wird zwischen den Hauptaktionären France Telecom mit einem Kapitalanteil von 28,5 % und Gerhard Schmid mit deutlich über 40 % des Mobilcom-Kapitals in der Öffentlichkeit über das UMTS-Mobilfunkgeschäft gestritten. Beide haben sich bislang nicht über einen Geschäftsplan für Mobilcom einigen können. Der Streit war am Freitag offen ausgebrochen, nachdem Schmid France Telecom in einem Reuters-Interview vorgeworfen hatte, bei den Investitionen für das deutsche UMTS-Geschäft bremsen zu wollen, um die Verschuldung nicht weiter in die Höhe zu treiben.

France Telecom ist über seine Mobilfunktochter Orange an Mobilcom beteiligt und kann von November 2003 an durch Auskauf von Schmid eine Mehrheit erwerben. Im Gegenzug kann Schmid Unternehmensangaben zufolge France Telecom per Verkaufsoption bei fundamentalen Gegensätzen dazu zwingen, von ihm die Mehrheit an Mobilcom übernehmen und den übrigen Aktionären ein Abfindungsangebot machen zu müsssen.

Die Aktien von Mobilcom stehen wegen des Streits deutlich unter Druck und verloren am Donnerstag bei sehr hohen Umsätzen zeitweise rund 20 % auf 9,72 ?, den tiefsten Stand seit der Aktienausgabe 1997. Seit Freitag büßten die Aktien damit etwa die Hälfte ihres Wertes ein. "Das ist ein Unding, was da abläuft", sagte ein Frankfurter Händler zu den Aktienoptionen. "Hier sollte wirklich die Firmenpolitik in Frage gestellt werden, wenn die Frau des CEOs Aktien kauft und diese dann über eine Stiftung als Belohnung von Händlern eingesetzt werden."

Analysten kritisieren vor allem, dass die vertraglichen Grundlagen der Zusammenarbeit der drei beteiligten Firmen bislang nicht veröffentlicht wurden. France Telecom und Orange müssen nach Einschätzung der Investmentbank Schroder Salomom Smith Barney eine per vereinbarter Option erzwungene Konsolidierung von Mobilcom befürchten. Mobilcom könne sich dagegen ohne Unterstützung der beiden Firmen nicht refinanzieren.

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