Aktien eines Bordells wird es wohl an einer deutschen Börse nicht geben
Auch Sex-Branche spürt Marktgesetze

"Australiens größtes Bordell will an die Börse". Die Meldung über die bevorstehende Aktienemission von Daily Planet fand in der Vorwoche ungewöhnlich hohe Beachtung. Obwohl am anderen Ende der Welt angesiedelt, stellten sich doch viele am deutschen Aktienmarkt die Frage: Wäre ein solcher Börsengang auch hier denkbar?

scc FRANKFURT/M. Generell sind es weniger moralische Bedenken, die gegen eine solche Emission sprechen. Schließlich tritt beim Thema Geld auch in hiesigen Breiten die Moral schnell in den Hintergrund. Bei den vom Handelsblatt befragten Emissionsbanken hat sich jedoch bisher noch kein Bordell nach der Möglichkeit des Börsengangs erkundigt. "Das wäre wohl zuerst mal ein ordnungspolitisches Thema", vermutet Stefan Sessler von der BHF-Bank. Außerdem erscheint das "horizontale Gewerbe" in Deutschland ohne professionelle Strukturen und auch ohne nachvollziehbares Finanzgebaren, so dass allein deswegen ein Börsengang ausscheiden würde. "Das wäre so, als ob man einen Kiosk an die Börse bringt", sagt Georg Hansel von der Deutschen Bank. Hinzu kommt das Schmuddelimage, das die Branche nach wie vor aufweist. Manch befragte Bank wollte sich allein deshalb gar nicht äußern.

Etwas anders sieht es bei der Sex-Branche im Allgemeinen aus. Bestes Beispiel ist hier nach wie vor die Beate Uhse AG, die für Georg Hansel inzwischen eine ganz normale Kapitalmarktadresse darstellt. Mit einem Zeichnungsgewinn von 83 % am ersten Handelstag im Mai 1999 genoss die Aktie bei Analysten lange einen exzellenten Ruf, ehe ihr Kurs im letzten Vierteljahr deutlich nachgab. Die anhaltende Konsumflaute habe nun wohl auch die Sex-Branche erfasst, hieß es zuletzt von Analystenseite. Zwar hält der Flensburger Versand- und Einzelhändler weiterhin an seiner Prognose fest, nach der der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) in diesem Jahr um 80 % auf 19,5 Mill. Euro steigen soll, von Analystenseite glaubt daran allerdings kaum noch jemand. Die Experten der Stadtsparkasse Köln fügten zudem an, dass die Aktie von Beate Uhse im Vergleich zu anderen Handelsunternehmen noch sehr hoch bewertet sei. Es sind also wie in allen anderen Branchen handfeste betriebswirtschaftliche Gründe, an denen sich auch die Sex-Branche messen lassen muss.

Ähnlich gestaltet sich die Situation bei der spanischen Private Media Group. Der an der Nasdaq notierte Porno-Produzent, der zu Jahresbeginn ein Zweitlisting am Neuen Markt in letzter Minute absagen musste, verspürte zwar damals eine gewisse Nachfrage nach seinen Papieren, wurde aber von vielen Seiten kritisch beäugt. Für die deutschen Anleger war es im Nachhinein ein Segen, dass die Platzierung von 7,4 Mill. Aktien nicht klappte. Der Kurs der Private Media-Aktie wurde an der Nasdaq seit von 8 US-Dollar Anfang Februar bis auf 2,60 Dollar Mitte Juli durchgereicht.

Von Seiten der Commerzbank, die gemeinsam mit Wolfgang Steubing die Emission an die Börse bringen wollte, schließt man einen zweiten Versuch bei einem besseren Umfeld zwar nicht aus. Die Realität schaut am Kapitalmarkt indes derzeit anders aus. Obwohl der Börsengang mit dem Attribut "verschoben" versehen wurde, wird die Emission wohl so schnell nicht nachgeholt werden: "Einmal verschoben ist wie drei Viertel ganz abgesagt", sagt Georg Hansel.

Quelle: Handelsblatt

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