Aktien fielen auf Rekordtief
Kinowelt muss sich Insolvenzrichter stellen

Die Münchener Kinowelt Medien AG muss sich dem Insolvenzrichter stellen. Die niederländische Großbank ABN Amro NV stellte bereits am Donnerstag einen Insolvenzantrag über das Vermögen der am Neuen Markt gelisteten Kinowelt beim Amtsgericht München, wie ein Sprecher des Kreditinstituts am Freitag bestätigte.

rtr MüNCHEN. "Wir haben diesen Schritt nach sorgfältiger Überlegung unternommen, um unsere Rechte als Gläubiger zu sichern", sagte er. Kinowelt teilte mit, man bedauere die Entscheidung und werde in Gesprächen mit der bayerischen Staatsregierung noch versuchen, eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen. Die Aktien des Filmrechtehändlers fielen um mehr als 20 % auf ein Rekordtief.

Kinowelt ist nach dem IT-Sicherheitsspezialisten Biodata das zweite Unternehmen aus dem Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes, das mit einem Insolvenzantrag konfrontiert wird. Die Aktien des Filmrechtehändlers und Kinobetreibers wurden am Freitagmittag vom Handel suspendiert. Nach der Wiederaufnahme brachen die Titel auf 0,36 ? ein. Am Abend notierten sie mit 8,51 % im Minus bei 0,43 ?.

ABN Amro hatte von der hochverschuldeten Kinowelt Anfang der Woche einen Kredit über 140 Mill. DM zurückgefordert. Dieser Forderung hatte das Unternehmen nicht nachkommen können. Die Entscheidung der Bank für den Antrag, zu dem sie als Gläubiger berechtigt ist, sei für das Unternehmen überraschend gekommen, sagte ein Kinowelt-Sprecher. Von den anderen Gläubigerbanken, denen Kinowelt rund 800 Mill. DM schuldet, habe das Unternehmen noch keine Reaktion erhalten. Bei der BHF-Bank und der HypoVereinsbank, die zu den größten Gläubigern zählen, hieß es, man wolle nun die Entscheidung des Insolvenzrichters abwarten.

Kinowelt versucht unterdessen weiter, in Verhandlungen mit den anderen Kreditinstituten noch einen Ausweg aus der Krise zu finden, in die die Gesellschaft vor allem durch den Einkauf von teuren und nachher zu diesen Preisen unverkäuflichen Filmrechten geraten war. "Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben", sagte ein Sprecher. Bei einer Insolvenz sei bei dem Unternehmen für die Banken wenig zu holen, weil die Rechte an allen noch nicht voll bezahlten Filmen an die Eigentümer zurückfielen. "Es ist uns außerdem gelungen, den Liquiditätsbedarf erheblich zu reduzieren, so dass die Rettung der Kinowelt Sinn macht", sagte der Sprecher.

In den ersten neun Monaten hatte das Medienunternehmen einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 272,2 Mill. ? verbucht nach einem Gewinn von 28,3 Mill. ? im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Den Nettoverlust hatte Kinowelt mit 309,1 Mill. ? angegeben. Das Ergebnis sei vor allem durch Kosten für die Verschlankung des Unternehmens geprägt gewesen. So habe etwa die Auflösung des Vertragsverhältnisses mit den US-Filmstudios Warner Brothers einen außerordentlichen Aufwand in dreistelliger Millionenhöhe verursacht.

Beim Amtsgericht München war am Freitagnachmittag noch keine Bestätigung über den Eingang des Insolvenzantrags zu erhalten. Das Gericht muss nun entscheiden, ob es einen Insolvenzverwalter bei Kinowelt einsetzt.

Unterdessen prüft das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) einen möglichen Verstoß von Kinowelt gegen die so genannte Ad-hoc-Mitteilungspflicht. Eine BAWe-Sprecherin sagte, das Amt prüfe derzeit, ob Kinowelt die Kündigung des Kredits von ABN Amro nicht unverzüglich nach deren Erhalt per Ad-hoc-Meldung hätte mitteilen müssen. Kinowelt-Chef Michael Kölmel hatte Reuters gesagt, die Kündigung sei am vergangenen Freitag am späten Nachmittag eingangen. Das Unternehmen hatte aber erst am Montag eine Ad-hoc-Mitteilung publiziert. Der Kinowelt-Sprecher sagte, in der Zwischenzeit sei die Rechtsgültigkeit der Kündigung geprüft worden. Die BAWe-Sprecherin stellte klar, den Verdacht eines Insider-Verstoßes hege die Aufsicht gegen das Unternehmen nicht. Für Ad-hoc-Verstöße seien bislang Geldbußen in einer Größenordnung bis 100 000 DM verhängt worden.

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