Aktien geben nach
Analysten zur Deutschen Bank: Keine Wertberichtigung

Die Deutsche Bank wird nach einhelliger Einschätzung von Analysten keine milliardenschweren Wertberichtigungen vornehmen. Dem US-Wirtschaftsblatt "Business" zufolge sollen im Zusammenhang mit den Übernahmen der US Bankers Trust-Finanzinstitute und Scudder Asset Management im zweiten Quartal bis zu 8,9 Mrd. $ (rund 8,9 Mrd. ?) an Unternehmenswerten und sonstigen Aufwendungen abgeschrieben werden.

Reuters FRANKFURT. "Der Zeitungsbericht über Abschreibungen des derivativen Firmenwerts (Goodwill) ist aus meiner Sicht Unsinn", sagte Dieter Hein vom Credit Lyonnais in Frankfurt.

Dem US-Wirtschaftsblatt "Business" zufolge sollen im Zusammenhang mit den Übernahmen der US Bankers Trust-Finanzinstitute und Scudder Asset Management im zweiten Quartal bis zu 8,9 Mrd. $ (rund 8,9 Mrd. ?) an Unternehmenswerten und sonstigen Aufwendungen abgeschrieben werden. Die Deutsche Bank äußerte sich nicht zu dem Thema und verwies lediglich auf die Veröffentlichung der Quartalszahlen am 1. August.

Bis zum Nachmittag gaben die Aktien der Deutschen Bank in einem insgesamt schwachen Marktumfeld um rund 3 % nach auf 65,29 ?. Der derivative Firmenwert ist die positive Differenz zwischen Kaufpreis und Bilanzansatz einer Beteiligung.

Analyst Hein sagte, es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Bank den Goodwill von Bankers Trust in Höhe von geschätzten 5,8 Mrd. ? oder die 2 Mrd. ? bei Scudder reduzieren werde. "Scudder wird im zweiten Quartal erstmals gebucht, also kann sich nicht jetzt schon eine Anpassung ergeben" sagte Hein.

Die Deutsche Bank hatte das US Bankers Trust-Investmenthaus 1999 für 9,2 Mrd. $ übernommen. Anfang April 2002 wurde der Tausch der Versicherungstochter Deutscher Herold gegen den Vermögensverwalters Scudder von Zurich Financial Service abgeschlossen. Bei Bankers Trust, die mittlerweile im Bereich Corporate und Securities aufgegangen sei, scheine eine Abschreibung auch als kaum denkbar, sagte Hein. "Dieser Bereich war nämlich im ersten Quartal mit einem Vorsteuerergebnis von 440 Millionen operativ am stärksten."

Da die Deutsche Bank nach US-GAAP bilanziert, darf der Goodwill nicht mehr planmäßig über Jahre abgeschrieben werden. Vielmehr wird er jährlich auf seine Werthaltigkeit überprüft, wobei dann wenn nötig die Abschreibung auf den neuen Wert in einem Schritt gemacht wird. "Da hat wohl jemand die Diskussion nicht ganz richtig verstanden. Ich halte den Zeitungsbericht für eine Ente", sagte ein anderer Analyst. Die Bank habe ihm gegenüber erkennen lassen, dass keine nachhaltigen Abschreibungen bevorstünden.

Georg Kanders von der WestLB äußerte sich ebenfalls gelassen: "Auf meine Bewertung der Bank hat diese Diskussion keinen Einfluss." Der Goodwill könne insbesondere für Bankers Trust nicht mehr quantifiziert werden, da es bereits im Investmentbanking des Konzerns integriert und aufgegangen sei. "Die Verluste bei Scudder waren außerdem bekannt, da dürfte nichts mehr kommen." Zudem werde der Goodwill nicht für die Bewertung des regulatorischen Eigenkapitals berücksichtigt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Deutsche Bank da überhaupt was macht."

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