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Aktien: Gewinnschub

Auch wenn die Zinsen wieder steigen, müssen die Aktien deswegen nicht zwangsläufig fallen, meint Klaus Hagedorn, Chefstratege der Metzler Investment GmbH.

HB DÜSSELDORF. Herr Hagedorn, Ihrer Meinung nach wird 2002 ein Jahr der Aktie. Woher rührt der Optimismus?

Die konjunkturelle Erholung wird viel stärker ausfallen, als von den Volkswirten prognostiziert. Bei Metzler rechnen wir etwa für die USA mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,4 % gegenüber der Konsensusschätzung von nur 0,7 %. Die Unternehmensgewinne werden überdurchschnittlich steigen, weil die Kostenstrukturen nach dem Stellenabbau viel günstiger aussehen.

Aber die Börsen sind in den vergangenen Wochen schon prächtig gelaufen. Wie viel Kursspielraum bleibt da noch für das nächste Jahr?

Wenn man in der Betrachtung vor dem 11. September ansetzt, dann sieht der Anstieg gar nicht so dramatisch aus. Die aktuelle Stimmung erinnert mich an die Zeit nach 1982, in der sich der Dow-Jones-Index binnen eines Jahres kräftig erholen konnte. Ich sehe für die amerikanischen und europäischen Aktienbörsen im nächsten Jahr einen Kursspielraum von locker 30 %.

Sie sagen, mit Rentenpapieren verdiene man nächstes Jahr gerade mal den Zinskupon. Ist dieses Szenario nicht etwas düster?

Nein, daran halte ich fest. Am Rentenmarkt gibt es 2002 nichts zu holen. Allerdings wird man bei einer Inflationsrate von nur 1 % durch die dadurch höhere Realverzinsung wohl auch keine Verluste erleiden. Anders sieht es bei Unternehmens- und Hochzinsanleihen aus, die werden hinter den Aktien - gemessen an der Rendite - den zweiten Platz belegen.

... und wenn die Notenbanken im Herbst auf die Zinsbremse treten und mit der lockeren Geldpolitik aufhören, drohen da nicht Rückschläge?

Historisch betrachtet finden zwei Drittel aller Kurssteigerungen der Aktien bei steigenden Zinsen statt. Denn die Notenbanken signalisieren dann, dass die Wirtschaft wieder Tritt gefasst hat, was gut ist für die Unternehmensgewinne.

Und welche Titel haben Sie sich in den vergangenen Wochen ins Depot gelegt?

Vor allem Tech-Werte wie Dell, Intel oder auch Nokia. Für risikofreudige Investoren bieten sich auch Halbleiteraktien an, etwa ARM Holdings, SEZ oder Micron Technology. Auch die Speichertechnologie bleibt ein enormes Thema. Deshalb sollte man auch an Brocade, Veritas Software und EMC denken. Wenn man auf Technologietitel setzt, landet man zwangsläufig stärker in Amerika als in Europa.

Welche Faktoren könnten das Comeback der Aktien stören?

Der Ölpreis ist ganz wichtig. Wenn es innerhalb kurzer Zeit einen sehr starken Anstieg gäbe, könnte die Börse leiden. Das ist aber aus heutiger Sicht unwahrscheinlich.

Die Fragen stellte Peter Köhler.

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