Aktien großer US-Investmentbanken stark unter Druck
US-Börsenaufsicht ermittelt gegen Analysten

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat Untersuchungen gegen Wall-Street-Analysten wegen des Verdachts auf irreführende Aktien-Empfehlungen eingeleitet. Geprüft wird nun, ob die Experten Investoren mit übertrieben optimistischen Anlage-Tipps getäuscht haben.

dpa/rtr WASHINGTON. Wall-Street-Analysten sehen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, mit geschönten Aktien-Empfehlungen ihren Kollegen aus dem Investementbanking zu lukrativen Finanzgeschäften zu verhelfen. Mögliche Interessenkonflikte zwischen beiden Bereichen sollen bei der Untersuchung der SEC unter die Lupe genommen werden, wie die Aufseher nach einem Treffen von Behördenchef Harvey Pitt mit dem New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer mitteilten. Dieser wollte sich nicht näher zu dem Gespräch äußern. Spitzer hatte dem größten US-Brokerhaus Merrill Lynch vorgeworfen, sich mit manipulierten Aktien-Empfehlungen Honorare von Unternehmen zu sichern.

Die Aufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission) teilte dies am Donnerstag in einer ungewöhnlichen Erklärung mit. Normalerweise nimmt sie zu eigenen Untersuchungen keine Stellung.

Die Aktien vieler großer US-Investmentbanken sind nach der SEC-Ankündigung stark unter Druck geraten. Sie gaben am Donnerstag zwischen 2,9 und 5,6 Prozent nach. Merrill-Lynch-Aktien, die auf den Vorstoß des Staatsanwalts vor rund drei Wochen kaum reagiert hatten, schlossen am Donnerstag nach der SEC-Ankündigung knapp fünf Prozent schwächer. Auch die Papiere von Morgan Stanley gaben fast sechs Prozent nach. Die Aktien von Goldman Sachs und Lehman Brothers gingen jeweils mehr als zwei Prozent tiefer aus dem Handel.

Der Justizminister des Bundesstaates New Yorker, Elliot Spitzer, hatte zuvor bereits Merrill Lynch, der größten US-Brokerfirma vorgeworfen, Investoren in optimistischen Analystenberichten Aktien empfohlen zu haben, um sich Investmentbankgeschäfte zu sichern. Merrill Lynch hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Analysten sollen Investoren auch Aktien empfohlen haben, die sie firmenintern kritisiert hatten.

Die SEC-Untersuchung wird gemeinsam mit der New Yorker Börse, dem Verband der Wertpapierhändler, Justizminister Spitzer sowie den US- Bundesstaaten durchgeführt, betonte die Aufsichtsbehörde. Die Untersuchung solle klären, ob zusätzliche Aufsichtsregeln notwendig seien und ob Gesetze verletzt worden seien, erklärte die SEC.

SEC-Chef Harvey L. Pitt hob hervor, dies sei "der nächste und kritische Schritt" in einer einjährigen Untersuchung über die Analystenpraktiken. "Wir werden den Investoren Vertrauen geben, dass die gleichen Wertpapierregeln und-Schutzmaßnahmen gelten, gleich wo sie leben oder Geschäfte betreiben", erklärte Pitt.

Die SEC wolle die von der New Yorker Börse und der Wertpapierhändler-Organisation vorgeschlagenen neuen Analystenvorschriften am 8. Mai in einem öffentlichen Treffen prüfen. Nach Abschluss der jetzt angekündigten gemeinsamen Untersuchung wolle die SEC zusätzliche Regeln in Erwägung ziehen.

Die New Yorker Börse und der Wertpapierhändler-Verband hatten vorgeschlagen, die Unabhängigkeit der Wertpapieranalysten zu stärken. Es soll verboten werden, dass Investmentbank-Sparten Analysten überwachen oder deren Berichte genehmigen. Analystenbezahlung soll nicht von spezifischen Investmentbank-Transaktionen abhängig gemacht werden. Es soll auch verboten werden, günstige Berichte anzubieten, um Geschäfte machen zu können.

Es sollen in den Analystenberichten Geschäftsbeziehungen oder Beteiligungen an Unternehmen aufgezeigt werden, über die geschrieben wird. Die Wall-Street-Firmen sollen auch weitergehende Angaben über ihre Kauf-, Halte- und Verkaufsempfehlungen machen. Analysten sollen für sich persönlich keine Wertpapiere mehr kaufen oder verkaufen, über die sie schreiben.

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