Aktien haben sich gut gehalten
Elektronik-Händler trotzen Wirtschaftslage

Die durch ihre Verkaufsaktionen bei Discountern wie Aldi und Lidl bekannt gewordenen Elektronik-Händler am Neuen Markt haben nach Ansicht von Analysten auch weiterhin gute Chancen, der schwachen Wirtschaftslage zu trotzen und ihren Wachstumskurs fortzusetzen.

Reuters FRANKFURT. Die Unternehmen profitierten von ihrer Konzentration auf den im Gegensatz zum Firmengeschäft bislang relativ stabilen Privatkundenbereich, sagten Analysten in einer Umfrage. Als weiterer Vorteil in der derzeitigen Konjunkturflaute erweise sich, dass die Elektronik-Händler auf Grund ihrer Geschäftsmodelle über keine Lagerbestände verfügten.

Die Aktien der Elektronik-Händler haben sich 2001 im Vergleich zum gebeutelten Gesamtmarkt recht gut gehalten. Während der Nemax All Share zu Wochenbeginn rund 67 % unter seinem Jahreshoch notierte, lagen die Medion-Aktien knapp 36 % und die Gericom-Aktien knapp 54 % unter ihren Jahreshöchstkursen.

Auf Grund der breiten Ausrichtung, der Unternehmensgröße und des langjährigen Kundenstamms ist die Essener Medion AG eindeutiger Analysten-Favorit. "Medion macht Verkaufsaktionen bis zu 100 000 Stück und arbeitet mit den ganz großen Einzelhändlern in Europa wie Aldi, Metro, Tesco, Dixons und Carrefour zusammen", beschrieb Manfred Jaisfeld, Analyst der WGZ-Bank, die Stärken des Branchenprimus.

Medion hat die Markttrends im Auge

Medion lasse erst nach Auftragseingang produzieren und habe zudem bewiesen, dass das Unternehmen Markttrends sehr genau im Auge habe und schnell reagieren könne, fügte Jaisfeld hinzu. Deswegen habe das Unternehmen auch den jüngsten Einbruch des PC-Marktes gut verkraftet und stattdessen erfolgreich auf DVD-Player, Digitalkameras und Flachbildschirme gesetzt. Das Umsatzziel für 2001 von mehr als zwei Mrd. Euro werde Medion deswegen auf jeden Fall erreichen, fügte er hinzu. Jaisfeld stuft die im Auswahlindex Nemax 50 notierte Aktie als "Outperformer" mit einem Kursziel von 57,50 Euro ein.

Nach Einschätzung von Commerzbank Securities-Analyst Cengiz Sen dürfte Medion zusätzlich von der geplanten Übernahme von Compaq durch Hewlett-Packard profitieren und damit seine führende Stellung weiter ausbauen. "Mit Compaq wird wahrscheinlich ein Konkurrent von Medion verschwinden, der bisher versucht hatte, durch eigene Verkaufsaktionen bei Lidl im Food-Discount-Bereich Fuß zu fassen." Dagegen bestehe zwischen Medion und Hewlett-Packard für den deutschen Markt eine strategische Partnerschaft. Weiteren Schwung könnte Medion die geplante Weihnachts-Verkaufsaktion von TV-Plasmabildschirmen verleihen, sagte der Analyst.

Sen empfiehlt die Medion-Aktie mit einem Kursziel von 60 Euro und die Anteilsscheine von IPC Archtec mit einem Kursziel von 45 Euro zum Kauf. Das Geschäftsmodell der Unternehmen sei sehr ähnlich, beide erzielten 70 bis 75 % ihres Umsatzes mit Computergeräten und den Rest mit anderen Elektronikartikeln.

Analystenmeinungen verschieden

Zurückhaltender beurteilt der Commerzbank Securities-Analyst die Anteilsscheine der österreichischen Gericom AG. "Gericom ist ein reiner Notebook-Spezialist, bei dem die Gefahr besteht, dass er durch Versuche der großen Hersteller wie Dell, ihre Marktanteile durch aggressive Preise zu erhöhen, in Bedrängnis kommen könnte," sagte Sen. Er rät, die Gericom-Aktie unterzugewichten.

Dagegen empfiehlt HSBC Trinkaus & Burkhardt-Analyst Burkhard Sawazki die Gericom-Aktien mit Kursziel 42 Euro zum Kauf. "Gericom wächst sehr dynamisch, hat ein gutes Produktangebot, kann sehr schnell liefern und bietet ein herausragendes Preis-Leistungsverhältnis", betonte Sawazki und fügte hinzu, dass die Linzer Gesellschaft mit der Media Markt-Gruppe über einen starken Partner verfüge.

Ebenfalls zum Kauf mit Kursziel 60 Euro rät Sawazki bei der Medion-Aktie. Zwar enthielten die Anteilsscheine gegenüber Gericom eine Bewertungsprämie, die allerdings auf Grund des geringeren Risikopotentials und der höheren Markteintrittsbarriere gerechtfertigt sei.

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