Aktien können sich nicht vom Wirtschaftswachstum abkoppeln
Die beste aller Börsenwelten

Was spricht eigentlich noch für Aktien? Nach drei katastrophalen Börsenjahren liegt diese Frage nah.

DÜSSELDORF. Mit der Baisse ist die alte Grundregel der Anlageberater, dass Aktien langfristig Renten schlagen, in Misskredit geraten. In den Zeiten des Booms schien diese Weisheit selbstverständlich zu sein - dass sie in Japan schon lange nicht mehr zutraf, wurde auf die Besonderheiten des Marktes dort geschoben. Der Theorie nach müssten Aktien besser laufen, weil Anleger für höhere Risiken auch höhere Renditen fordern sollten. Aber in der Praxis schwankt der Aktienmarkt zwischen Gier und Angst - ob sich dabei das durchsetzt, was einer rationalen Überlegung entsprechen würde, ist keineswegs gewiss.

Auch ganz hausbackene Börsenregeln haben versagt. Zum Beispiel die Vorstellung, dass nach einem tiefen Fall der Kurse ein günstiger Einstiegszeitpunkt gekommen ist. Die jüngste Erfahrung lehrt: Es kann immer noch weiter abwärts gehen. Teilweise wird bis heute die Falltiefe von den überhöhten Ständen des Börsenbooms aus gemessen und nicht durch eine vernünftige Bewertung ermittelt.

Auch die Pessimismus-Regel hat sich als gefährlich erwiesen: Eigentlich sollte die Wende nach oben gerade dann greifbar sein, wenn die Stimmung ganz schlecht ist. Aber auch in dem Punkt gilt heute: Alles kann noch schlimmer werden.

Es gibt also eine Menge, was gegen Aktien spricht. Die Börse ist langweilig geworden - mal ein paar Prozente rauf, dann wieder ein paar runter. Nicht zu übersehen ist jedoch, dass gerade dieser langweilige Trend eine andere Börsenregel bestätigt, die in den Boomzeiten der kollektiven Verdrängung unterlag: Der Aktienmarkt kann auf Dauer nicht mehr Wachstum hergeben als die Wirtschaft insgesamt. Das spricht in einer reifen Volkswirtschaft mit niedrigen realen Zuwachsraten für niedrige reale Renditen.

Wenn Aktien auf Dauer niedrige Renditen abliefern, dann ist klar, dass die durchschnittliche Börse eine langweilige Veranstaltung ist, die sich als Seitwärtsbewegung mit nur unmerklich steigender Tendenz zeigt. Und die Aktien stecken heute im Seitwärts-Trend, nachdem sie sich von den tiefsten Ständen erholt haben.

Vor diesem Hintergrund ist die heutige Börsensituation gar nicht so schlecht. Sie spiegelt in etwa das wider, was der Aktienmarkt zu leisten vermag. Die Angst vor dem Absturz in eine völlig irrationale Baisse ist gebannt. Euphorie, die doch nur eine neue Kursblase erzeugen würde, ist auch nicht zu spüren. Stattdessen schauen die Anleger wieder auf die Bewertungen, lassen sich von modernen Märchen nicht betören und überwinden allmählich den Blick zurück auf die einstigen Hochstände. Problematische Einteilungen der Aktienwelt wie die in Growth-Werte, bei denen man nicht richtig auf die Bewertung schaut, und Value-Werte, bei denen man das Wachstum vernachlässigt, verlieren ihre Bedeutung. Es gilt wieder der simple Grundsatz, dass Aktien an den geschäftlichen Aussichten der Unternehmen gemessen werden und sonst nichts. Der mögliche Krieg gegen den Irak drückt die Kurse - auch das ist gerechtfertigt, führt aber zu keinerlei Panik.

Wahrscheinlich leben wir daher gerade zurzeit in der besten aller Börsenwelten. Für den einen oder anderen sollte das ein Anlass sein, wieder ein paar Euro mehr in Aktien zu investieren - ohne dabei allzu schnelle Erfolge zu erhoffen.

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