Aktien-Optionen wurden der SEC nicht offen gelegt
NYSE-Chef Grasso begeht peinlichen Fehler

Ausgerechnet dem Chef der New Yorker Börse (NYSE), Richard A. Grasso, der um das verlorene Vertrauen der Anleger in die Aktienmärkte kämpft, ist bei der Offenlegung seiner eigenen Aufsichtsrats-Einkünfte ein peinlicher Fehler unterlaufen.

sia NEW YORK. Bei der pflichtgemäßen Offenlegung von Unternehmensvorständen und Aufsichtsräten an die US-Börsenaufsicht (SEC) versäumte Grasso es, seine Aktien-Einkünfte als Aufsichtsratsmitglied (non-executive board member) beim Softwarehersteller Computer Associates International (CA) anzugeben. Erst in einer verspäteten Nachmeldung informierte CA die Börsenaufsicht am 16. August über Grassos Honorar, das seit 1996 in Form von Aktienoptionen ausgezahlt wird.

Grassos Aktienoptionen (im Wert von 30 000 $ für 1996 und seit 1997 jährlich 45 000 $) werden erst bei Ablauf der Aufsichtsrats-Mandate fällig. Dieses läuft am heutigen Mittwoch ab. Gemessen am aktuellen Kurs der CA-Aktie ist sein Options-Paket nun rund 75 000 $ wert, die Optionen für 2001 ausgenommen. Außerdem besitzt Grasso nach CA-Angaben noch 20 000 CA-Aktien, die er selbst erworben hatte.

Der NYSE-Chef steht bereits länger in der Kritik, durch die Ausübung von Aufsichtsratsmandaten bei NYSE-notierten Unternehmen einen schweren Interessenskonflikt einzugehen. Als Chef der größten US-Börse spielt er eine wichtige Rolle bei der Errichtung neuer Standards für Transparenz und "Corporate Governance" der US-Unternehmen. Die strengere Offenlegungs-Pflicht für Vorstände und Aufsichtsräte hatte die SEC eingeführt, um neue Bilanzskandale zu verhindern.

Zum möglichen Interessenskonflikt Grassos hatte die NYSE-Börsenleitung stets gesagt, man habe "angemessene Vorsorgemaßnahmen" getroffen. Zum jetzigen Fall wollte ein NYSE-Sprecher sich nicht äußern und verwies auf Computer Associates. Das im Staat New York ansässige Unternehmen erklärte, die Honorare seiner Aufsichtsräte stets ordnungsgemäß jährlich zu veröffentlichen. Da allerdings die Aktienoptionen erst bei Ablauf der Mandate fällig werden, habe man auch Grassos Honorar nicht gemeldet. Auch habe man nicht daran gedacht, dass die Aufsichtsräte die Meldung individuell abgeben müssen, wenn das Unternehmen es nicht tut.

Von dieser bisherigen Meldepraxis ist CA allerdings kürzlich auf Anraten eines externen Beraters von sich aus abgerückt. Möglicherweise hatte man sich hierzu auch angesichts einer Bilanzprüfung entschieden, die die US-Börsenaufsicht kürzlich bei CA eingeleitet hat. Vier weitere CA-Aufsichtsräte, deren Options-Pakete CA ebenfalls nicht gemeldet hatte, werden dies nach CA-Angaben nun individuell nachholen. Hierzu gehört auch der frühere New Yorker Senator Alfonse D?Amato.

Grasso war seit 1994 Aufsichtsrat bei CA und hat insgesamt 47 250 Optionen angesammelt, für deren Ausübung ihm 90 Tage Zeit bleiben. In einem Abschieds-Statement gratulierte er dem Unternehmen, eine zeitliche Befristung für Aufsichtsräte eingeführt zu haben, die nun auch sein Mandat beendet. Hierdurch habe CA seine "Corporate Governance" verbessert, sagte Grasso.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%