Aktien-Tipp: „In den Abschwung hinein kaufen“
Salomon erwartet Mini-Rezession in USA

Trotz der aktuellen Wachstumsschwäche rechnet die US-Investmentbank Salomon Smith Barney mit einem guten Aktienjahr 2001. „Wir empfehlen, in den Abschwung hinein zu kaufen“, sagte Matthew Merritt, Chefstratege der Tochter des weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup, gestern vor Journalisten.

tmo FRANKFURT/M. Merritt prognostiziert für dieses Jahr prozentuale Kurszuwächse "im Zehner- bis Zwanzigerbereich" an den weltweiten Börsen. Diese Vorhersage hänge davon ab, dass die erhofften Zinssenkungen der US-Notenbank wirken, betonte Merritt. Kermit Schoenholtz, Chefvolkswirt der Citigroup-Töchter Salomon und Citibank, erwartet, dass sich die schwächelnde US-Wirtschaft dank niedrigerer Zinsen in der zweiten Jahreshälfte erholt.

Europäische Telekomwerte und die Finanzbranche dürften am meisten von Zinssenkungen profitieren, schätzt Anlagestratege Merritt. Kreditinstitute können sich bei sinkenden Leitzinsen günstiger Kapital bei der Zentralbank beschaffen. Den Telekomkonzernen dürfte es leichter fallen, ihre kurzfristigen Kredite zu verlängern.

Merritt zufolge haben beide Branchen außerdem den Vorteil, dass sie besonders stark auf Bewegungen des Gesamtmarktes reagieren. Ihr hohes Beta - ein statistisches Maß für die Schwankungsanfälligkeit - bedeutet: Bei sinkenden Kursen leiden Telekom - und Finanztitel überdurchschnittlich, bei einem Aufwärtstrend klettern sie stärker als der Gesamtmarkt.

"Riskantere Vermögenswerte werden sich insgesamt gut entwickeln", sagte Chefvolkswirt Schoenholtz. Aussichtsreich seien auch Firmenanleihen und einzelne Staatsanleihen von Schwellenländern.

Trotz des optimistischen Ausblicks der Salomon-Experten hat sich die Stimmung gegenüber der US-Konjunktur offenbar verschlechtert. Vor kurzem stritten Bankvolkswirte noch darüber, ob die Abkühlung der Wirtschaft hart oder weich ausfällt. Inzwischen scheint ein scharfer Abschwung voll im Gange - und die Ökonomen diskutieren, wie lange er dauern wird.

Chefvolkswirt Schoenholtz erwartet eine "sehr milde, kurze Rezession - wenn man es überhaupt so nennen soll". Den zuvor gebräuchlichen Begriff des "Soft Landing" verwendete er nicht. Im Vergleich zu anderen Bankvolkswirten rechnet Schoenholtz sich selbst eher zu den Optimisten. Entscheidend für Investoren seien nicht Begriffsdefinitionen, sondern die Folgen für die Finanzmärkte, betonte Schoenholtz. Hier vertraut er auf die positive Wirkung der amerikanischen Geldpolitik. Weitere Zinssenkungen um 100 Basispunkte bis Ende März sollten bald auf die reale Wirtschaft durchschlagen.

Im laufenden Quartal wird die US-Wirtschaft voraussichtlich schrumpfen, sagte Schoenholtz. Formal wird eine Rezession häufig definiert als negatives Wirtschaftswachstum, das mindestens zwei Quartale lang andauert. Ob die USA eine so definierte Rezession erleben werden, "das lässt sich derzeit ganz schwer prognostizieren", sagte Schoenholtz. Er rechnet bislang mit einem hauchdünn positiven Wachstum im zweiten Quartal.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%