Aktien und Anleihen von Tabakkonzernen haben nach Klage gelitten
Jagd nach Rendite

Mit Unternehmensanleihen ist mehr zu verdienen als mit Staatsanleihen. Doch wer ruhig schlafen will, muss in dem zurzeit sehr turbulenten Markt die richtigen Papiere einfangen.

Stanley Rosenblatt heißt der Mann, der Anleiheinvestoren eine schwarze Woche beschert hat. Der US-Anwalt vertrat bis zu 700 000 kranke Raucher, die in Florida gegen Tabakkonzerne geklagt hatten. Er hat die Jury mit seinen Argumenten überzeugt und so der US-Tabakindustrie eine Rekordstrafe von 145 Milliarden Dollar eingebracht. Zwar haben die betroffenen Konzerne, vor allem Philip Morris, Berufung eingelegt, und die Strafe wird schließlich wohl spürbar niedriger ausfallen, doch Aktien und Anleihen der Zigarettenhersteller haben gelitten. Die Aktienkurse gaben an der Börse um bis zu zehn Prozent nach, die Spreads (Renditeaufschlag gegenüber vergleichbaren Staatsanleihen) der Anleihen haben sich um bis zu 20 Basispunkte ausgeweitet - dementsprechend sind die Kurse gesunken.

Wer Tabakanleihen kauf, braucht starke Nerven

Während die US-Tabakkonzerne stark gebeutelt wurden, stehen einige Zinspapiere ihrer europäischen Konkurrenten nach wie vor auf der Kaufliste von Fondsmanagern und Analysten. Swedish Match zum Beispiel ist für Mike Plate, Rentenanalyst bei der WGZ Bank, eine interessante Alternative für risikoscheue Anleger, weil das Unternehmen nur die Hälfte seines Umsatzes mit Tabak erzielt. Dafür sei aber auch die Rendite "eher mäßig". Renditeorientierten Investoren empfiehlt Plate daher den Kauf von Gallaher oder Imperial Tobacco. Der beste Tipp ist für ihn allerdings tatsächlich Philip Morris - deren Anleihen seien zwar riskanter, lockten aber mit einem deutlich höheren Spread (ca. 158 Basispunkte für die Anleihe mit Laufzeit bis 2006, 188 Basispunkte für Laufzeit bis 2008). "Wer Tabakanleihen kauft, braucht starke Nerven", macht Michael Sonner, Fondsmanager bei der Dresdner Bank Investmentgruppe (DIT) klar. Wer sich von dem hohen Risiko nicht abschrecken lässt, sollte seiner Ansicht nach zu guten Firmen greifen, die nicht in der Gefahr stehen, "dass bei ihnen infolge der Tabakklagen das Licht ausgeht". British American Tobacco (BAT) ist für ihn ein solcher Wert, weil das Unternehmen zu den Besten in der Branche zähle. Hohe Volatilität bei Telekommunikationsaktien

Ein andere Branche bei der die Meinungen ähnlich stark auseinander gehen wie bei Tabakanleihen, ist die Telekommunikation. "Für diesen Sektor sind wir grundsätzlich negativ eingestellt. Wenn überhaupt, sollte der Anleger diese Titel nur mit einem sehr vorsichtigen Blick kaufen", sagt etwa Claudia Hopstein, Fixed-Income-Analystin bei HSBC in London. Ihre Begründung: Die Volatilität in der Branche sei sehr hoch, also die Schwankungen der Spreads groß. Für einen privaten Anleger sei die Spread-Entwicklung aber schwer einzuschätzen. "Wir empfehlen, die jüngste Anleihe der Deutschen Telekom zu kaufen", sagt hingegen Klaus Huber, Anlagestratege der Deutschen Bank für Privatkunden. Die Empfehlung der Telekom-Anleihe hat für ihn ein starkes Gewicht, denn die Privatkundenstrategen der Bank raten zurzeit nur bei zwei Anleihen aktiv zum Kauf: Deutsche Telekom und Linde.

"Wir empfehlen unseren Kunden zwar, vom Telekomsektor eher Abstand zu halten, doch die Anleihe des deutschen Marktführers ist eine Ausnahme", sagt Huber. Denn sie biete den Anlegern ein gutes Polster bei Turbulenzen in der Branche: Wenn sich das Rating des Telefonriesen verschlechtert, etwa infolge der Übernahme eines Unternehmens mit schlechterer Bonität, erhöht sich der Kupon automatisch um 50 Basispunkte. Huber empfiehlt den Euro-Tranchenkauf mit fünf und zehn Jahren Laufzeit.

Verhaltener Optimismus

Auch WGZ-Analyst Plate sieht die Branche eher positiv: "Wir sind verhalten optimistisch für den Sektor, wobei wir allerdings nach Emittenten differenzieren." Und bei dieser Differenzierung fällt die Deutsche Telekom unten durch. Das hohe Preisniveau der Anleihe stehe in keinem Verhältnis zu den Risiken. Es könne nur durch ein blindes Vertrauen der Anleger auf einen guten Markennamen erklärt werden. Risiken ergeben sich zum einen durch die Versteigerung der UMTS-Lizenzen, für die erfolgreiche Bieter Milliardensummen zahlen und anschließend hohe Beträge in den Netzausbau investieren müssen. Zum anderen erhöht die Jagd auf geeignete Übernahmekandidaten das Risiko. Wird ein Unternehmen mit schlechterer Bonität gekauft, besteht die Gefahr, dass das Rating herabgestuft wird. Die Konsequenz: Der Spread steigt, der Kurs sinkt. Unter den UTMS-Bietern ist die niederländische Gesellschaft KPN einer der Favoriten von Plate. Das Unternehmen verfüge über starke Kooperationspartner und sei durch sein Management-Know-how am ehesten in der Lage, die Herausforderungen der dritten Mobilfunkgeneration in Europa zu meistern.

BASF ist das Stichwort für eine neue Diskussion, die seit der Verabschiedung der Steuerreform im Gange ist. Beteiligungserlöse sind ab 2001 unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei. Daraus ergibt sich zum Beispiel folgendes Worst-Case-Szenario: BASF, die als Übernahmekandidat gelten, werden von einem anderen Unternehmen gekauft und in Einzelteile zerschlagen, weil die Summe der Teile womöglich mehr wert ist als das Ganze. Wer wird künftig die Ansprüche der Gläubiger befriedigen? Und die Steuerreform hat noch eine weitere Konsequenz für den Bondmarkt: Die mögliche Steuerfreiheit von Beteiligungsverkäufen macht Fusionen und Übernahmen attraktiver. Damit aber steigt für Anleiheinvestoren das "event risk", also das Risiko, dass sich im Zuge eines Zusammenschlusses das Rating verschlechtert und der Kurs sinkt. "Und von diesem Risiko bleibt zurzeit keine Branche auf dem Anleihemarkt verschont", stellt Claudia Hopstein klar.

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