Aktien vom Handel ausgesetzt
Gigabell steht vor der Pleite

Der Neue Markt der Frankfurter Wertpapierbörse hat seinen ersten Konkursfall: Der Internet-Provider und Servicedienstleister Gigabell stellte einen Insolvenzantrag.

adx/rtr/jös FRANKFURT. Der Vorstand begründete dies mit drohender Zahlungsunfähigkeit. Der Schritt sei "aus Gründen der Sorgfaltspflicht notwendig", nachdem eine angelsächsische Investorengruppe mit der Erfüllung eines Ende August unterzeichneten Vertrages in Verzug geraten sei. Ende August hatte Gigabell eine Kapitalerhöhung von 48 Mill. DM angekündigt, jedoch nichts über die angeblich gewonnene "angelsächsische Investorengruppe" mitgeteilt. In diesem Zusammenhang legte der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Schwarz-Schilling sein Amt nieder. Schwarz-Schilling habe den Rücktritt des Gigabell-Vorstandsvorsitzenden Daniel David gefordert, hatte der Börsenbrief "Platow Börse" Ende August berichtet. Der Börsenbrief zitierte Branchenkreise, denen zufolge der ehemalige Schlagerkomponist David nicht als Idealbesetzung eines Vorstandes gilt. Bei einer großangelegten Beteiligungstour habe Gigabell die Mittel aus dem Börsengang für nicht ins Konzept passende Gesellschaften verprasst.

Verlust höher als erwartet

Um die Gewinnzone zu erreichen, plante das Unternehmen die Konzentration auf das Telekommunikationsgeschäft. Im operativen Geschäft sollten im ersten Quartal 2001 schwarze Zahlen geschrieben werden. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres betrug der Verlust des Unternehmens allerdings rund 24,2 Mill. Mark und fiel damit um vier Mill. Mark höher aus als geplant. Der Umsatz belief sich auf 22,5 Mill. Mark. Das Unternehmen litt vor allem unter dem Preisverfall bei Internet-by-Call-Produkten um 60 %. Der Bereich blieb um mehr als 50 % unter den Erwartungen.

Der Vorstand will weitermachen

"Der Vorstand strebt die Fortführung der Gesellschaft an", hieß es in einer Pflichtmitteilung der Gigabell AG. Weitere Details zu dem beantragten Insolvenzverfahren will das Unternehmen erst Anfang kommender Woche veröffentlichen. "Wir geben keinen Kommentar ab", sagte Unternehmenssprecher Klaus Schwab zu Handelsblatt.com. Gigabell wurde bereits seit Monaten als Übernahmenkandidat gehandelt. Die "Platow Börse" hatte den italienischen Internetanbieter Tiscali und die schwedische Telekomgesellschaft Telia als Käufer ausgemacht. Der Börsenbrief "Prior Börse" führte die Aktie sogar auf einer "Todesliste".

Höchster Kurs bei 131,56 Euro

Nachdem das Unternehmen den Antrag für ein Insolvenzverfahren publik gemacht hatte, wurde die Aktie vom Handel ausgesetzt. Der letzte Kurs der Gigabell-Aktie war am Freitagnachmittag mit 11,52 Euro festgestellt worden. Dies war im Vergleich zum Vortagesschluss ein Plus von 11,95 %. Die Aktien waren am 11. August 1999 zu 38 Euro in den Neuen Markt eingeführt worden. Der erste Kurs hatte 33,00 Euro betragen. Seinen höchsten Stand erreichte der Kurs der Aktie im Rahmen der Hausse am Neuen Markt im März - dort wurden bis zu 131,56 Euro für eine Aktie gezahlt. Betreuerbanken sind die DG Bank und Trinkaus & Burkhardt.

Der Gesamtmarkt habe bisher kaum auf die Gigabell-Ankündigung reagiert, meinte ein Frankfurter Händler. Allerdings trage die erste mögliche Pleite am Neuen Markt sicherlich nicht zu einer Aufhellung der Stimmung bei.

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