Aktien von Lucent unter Druck
Wall Street startet einheitlich im Plus

Nach einem gemischten Start drehten die wichtigsten Indizes kurz nach Handelsbeginn einheitlich ins Plus. Nachdem die Märkte am Freitag mit Kursgewinnen aus dem Handel gingen, ließen sich die Anleger am Morgen verstärkt von den guten Nachrichten leiten.

NEW YORK. Von positiven Analystenstimmen dürfte zum Wochenauftakt die Getränkeindustrie profitieren. Die Analysten von Goldman Sachs raten den Anlegern den Sektor überzugewichten. Vor allem die Hersteller nicht alkoholischer Getränke hätten Kurspotenzial. Während Coca Cola als "Market Outperformer" empfohlen wird, steht PepsiCo auf der Empfehlungsliste. Das Analystenhaus wird am Dienstag und Mittwoch eine Konferenz zu Getränke-, Lebensmittel- und Tabakwerten abhalten. Während Coca Cola nach Börsenstart in der Verlustzone notierte, konnte PepsiCo an Wert gewinnen.

Beflügelnde Worte gab es auch auf dem Chipsektor. Compaq Computer will verstärkt im IT-Bereich expandieren und die Serviceleistungen ausbauen. Laut der Financial Times Deutschland streckt der Computerhersteller nun in Europa seine Fühler nach Kooperationspartnern aus. Die Einnahmen durch Serviceleistungen seien mittlerweile höher als der Umsatz bei der Computerproduktion. Die Aktien von Compaq gewannen an Wert.

Schlechte Quartalsdaten bei dem amerikanische Telekommunikations-Softwarehersteller Portal Software belasteten dagegen den Softwaresektor. Das Unternehmen kann die Gewinnerwartungen der Analysten im ersten Quartal wahrscheinlich nicht erfüllen. Die Unternehmensleitung rechnet mit einem Quartalsverlust zwischen 19 und 21 Cents je Aktie. Experten waren im ersten Quartal von einem Gewinn von einem Cent je Aktie ausgegangen. Die weltweite Abkühlung der Konjunktur hat das Unternehmen härter getroffen als vom Management erwartet.

Unter Druck gerät die Aktie von Lucent. Der größte Telekomausrüster hat einen neuen Finanzchef bestimmt. Damit endet vorerst das zähe Ringen um die Neubesetzung des Platzes in der Chefetage. Der neue Mann heißt Frank D´Amelio. Von dem Posten zurückgetreten ist die 46-jährige Deborah Hopkins. Erst vor rund einem Jahr war sie eingestellt worden, um dem Unternehmen aus der schwachen Phase zu helfen. Doch seit Hopkins Amtsantritt musste die Aktie von Lucent rund 80 Prozent einbüßen. Anlegern scheint der Personalwechsel nicht übermäßig zu freuen. Die Aktie verliert trotz der eigentlich guten Nachricht an Wert.

Nicht durch Wechsel in der Führungsebene sondern durch Entlassungen versucht sich 3Com zu helfen. Der Hersteller von Netzwerkzubehör kündigte an, erneut massiv Stellen abzubauen. Die Investoren begrüßten den Schritt. Die Aktie gewann in den ersten Handelsminuten an Wert.

Das Unternehmen will jährliche Kosten in Höhe von einer Milliarde Dollar einsparen. Bereits im Februar hatte 3Com gemeldet, dass 1 200 Mitarbeiter oder zehn Prozent der Belegschaft entlassen werden sollen. Nun will 3Com insgesamt rund 30 Prozent der Arbeitskräfte entlassen. Laut Finanzchef Bruce Claflin seien nun weitere Schritte geplant. Aufgrund der Wirtschaftslage fahren Telefongesellschaften ihre Ausgaben zurück, was Firmen wie Lucent, Cisco und 3Com dazu veranlasst, Mitarbeiter zu entlassen, um die gesteckten Ziele nach wie vor zu erfüllen.

Dass man statt über die Kostenseite auch über Auftragseingänge versuchen kann, Planzahlen einzuhalten, zeigt am Morgen Cisco Systems. Der größte US-Netzwerkausrüster freut sich über einen Großauftrag aus China. Nachdem die Aktie vorbörslich an Wert verlor, konnte der Titel nach Börsenstart zulegen. Cisco wird künftig für China Telecoms Tochtergesellschaft Chinanet arbeiten. Chinanet ist der größte Internet-Provider in China. Das Unternehmen unterhält Netzwerkknoten in 300 Städten. Die Vereinbarung sieht vor, dass Cisco das Datennetz nun auch in der Provinz ausbauen soll. Nach eigenen Angaben hat Cisco einen Marktanteil in der asiatisch-pazifischen Region und in China von mehr als 80 Prozent. Angaben zum finanziellen Volumen der Vereinbarung wurden nicht gemacht. Die Aktie von Cisco hat seit Jahresanfang rund die Hälfte an Wert verloren. Am Morgen konnte die Aktie zulegen. Das Brokerhaus Lehman Brothers erhöhte das Kursziel von 20 auf 24 Dollar. Cisco wird morgen Abend nach Handelsschluss Quartalszahlen und Geschäftsprognosen für das kommende Jahr vorlegen. Nachdem Firmenchef John Cambers den Anlegern bereits im abgelaufenen Vierteljahr mit schlechten Aussichten schlaflose Nächte bereitete, dürfen die Anleger gespannt sein.

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