Aktien-Wert sinkt und sinkt
Mobilcom: 1:0 für France Telecom

Nach Ansicht der deutschen Wertpapieraufsicht ist France Telecom nicht zu einem Übernahmeangebot für die außenstehenden Aktien seiner deutschen Beteiligung Mobilcom verpflichtet. Der mögliche Erlös für Ex-Mobilcom-Chef Gerhard Schmid schmilzt nun wie Eis in der Sonne.

Reuters BONN/ PARIS. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erteilte damit am Donnerstag dem Begehren des Mobilcom-Gründers und Hauptaktionärs Gerhard Schmid eine Absage. Dieser kündigte umgehend Einspruch an. France Telekom schloss unterdessen weiterhin eine Insolvenz des finanziell angeschlagenen Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmens nicht aus. Der Kurs der Aktie brach zeitweise um 25 % ein.

Die Aufsichtsbehörde sieht im Gegensatz zu Schmid mit dem 28,5-Prozent-Anteil der France Telecom-Tochter Orange bisher noch keine beherrschende Kontrolle des französischen Konzerns beim finanziell angeschlagenen norddeutschen Mobilfunkanbieter. "Auch die Abberufung von Herrn Schmid als Vorstandsvorsitzender der Mobilcom AG durch die Telekom S.A. führt nicht zu einer anderen Bewertung der derzeitigen Kontrollsituation", urteilte das BaFin. Die Aufsicht verwies auf das seit Januar gültige Übernahmegesetz, das als Schwelle für ein Pflichtangebot einen Kapitalanteil von mehr als 30 Prozent ansehe. Schmid kritisierte, die Aufsicht habe seinen Antrag aus rein formalen Gründen abgelehnt und damit nicht in dem vom Gesetzgeber gewollten Sinn des Wertpapierübernahmegesetzes entschieden.

Bislang prüft France Telekom lediglich die Übernahme der von Schmid und dessen Frau gehaltenen 49,5 Prozent Anteile, nicht aber den Kauf der rund 22 Prozent von freien Aktionäre. Der Streit um das Pflichtangebot dürfte demnächst auch die Gerichte beschäftigen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte bereits am Montag eine Klage gegen France Telecom angekündigt, um auf gerichtlichem Weg ein Kaufangebot für alle Mobilcom-Aktionäre zu erzwingen.

Preis sinkt weiter

Mit der BaFin-Entscheidung und dem andauernden Streit hat die France Telekom allerdings auch Aufschub für ein Angebot an Schmid und dessen Frau bekommen, die zusammen 49,5 % der Mobilcom-Anteile halten. Angesichts des in den vergangenen Wochen stetig gefallen Aktienkurses, sinkt derzeit der mögliche Übernahmepreis für das Schmid-Paket weiter. Dieser hatte zuletzt am 11. Juli mindestens 14,50 ? pro Aktie gefordert. Aktienhändler sehen den gewichteten Kursdurchschnitt für die zurückliegenden drei Monate derzeit nur noch bei etwa 11,50 ?, "Tendenz sinkend".

Die BaFin-Veröffentlichung sorgte am Donnerstag für einen weiteren Kurssturz, der am Mittag durch eine kurze Stellungnahme aus Frankreich zu einer möglichen Insolvenz von Mobilcom noch verstärkt wurde. Die Mobilcom-Aktie notierte in der Spitze bis zu 25 % unter dem Vortagesschlusskurs und lag am Nachmittag mit minus 15 % bei 6,90 ?. "Es sind weiter alle Alternativen offen", sagte eine France-Telecom-Sprecherin. "Die Insolvenz ist weiter zu jedem Zeitpunkt eine Möglichkeit."

Ähnlich hatten sich bereits Branchenexperten am Vortag nach der einer Fristverlängerung für die Umschuldung der Milliarden-Schulden von Mobilcom um zwei Monate geäußert. France Telecom hatte am Dienstag eine Absichtserklärung mit dem Bankenkonsortium von Mobilcom bekannt gegeben, um die Ende Juli fälligen Verbindlichkeiten von 4,7 Mrd. ? aus dem Kauf der UMTS-Lizenzen durch eine Wandelanleihe zu refinanzieren. Für eine endgültige Einigung müssten jedoch bis zum 30. September eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein. Details der Bedingungen nannte France Telecom nicht. Nach Angaben von Mobilcom stehen aber die Eckpunkte für die Refinanzierung. Die Liquidität für die laufenden Geschäfte werde von France Telecom weiter gesichert, sagte ein Mobilcom-Sprecher.

Der französische Konzern hatte im Jahr 2000 gemeinsam mit Mobilcom eine der sechs deutschen UMTS-Mobilfunklizenzen ersteigert, dafür rund 8,3 Mrd. ? bezahlt und den jetzt fällig werdenden Kredit abgesichert. Auch müssen sich die beiden Unternehmen noch mit den Hauptlieferanten für UMTS-Mobilfunktechnik, Nokia und Ericsson, einigen, um eine Lösung für Lieferantenkredite in Höhe von 1,1 Mrd. ? zu finden.

Die Aktien von France Telecom legten in Paris unterdessen um gut 1 % auf 14,85 ? zu.

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