Aktienbörse auf tiefsten Stand seit 15 Jahren
Japan schlittert auf eine Rezession zu

Miserable Konjunkturdaten stürzen Tokios Aktienbörse auf den tiefsten Stand seit mehr als 15 Jahren.

dpa TOKIO. Die japanische Volkswirtschaft schlittert immer deutlicher auf eine neue Rezession zu. In Reaktion auf neue miserable Konjunkturdaten stürzte Tokios Aktienbörse am Freitag auf den tiefsten Stand seit mehr als 15 Jahren. Am fünften Verlusttag in Folge brach der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte um 419,86 Punkte oder 3,3 % auf 12 261,80 Punkte ein. Tiefer stand der Index zuletzt am 31. Juli 1985. Zwei Jahre, nachdem Japan eine seiner schwersten Finanz- und Wirtschaftskrisen durchlitten hat, steht die Nummer zwei der Weltwirtschaft erneut am Rand des Abgrunds.

Während die Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhe liegt, sinken die für einen Aufschwung entscheidenen Ausgaben der verunsicherten Verbraucher. Die Arbeitslosigkeit drohe weiter zu steigen, da die wirtschaftlichen Risiken rapide zunähmen, warnte der Chef des Arbeitgeberverbandes, Hiroshi Okuda. Verflogen die noch vor wenigen Monaten auch von Regierungsseite geschürten Hoffnungen auf einen angeblich bevorstehenden Aufschwung. Stattdessen geht die Industrieproduktion deutlich zurück. Genauso die Ausfuhren, die in den vergangenen Jahren noch für Linderung gesorgt hatten.

"Wir sind nahe an einer Rezession"

"Wir sind nahe an einer Rezession", sagte Matthew Poggi von Lehman Brothers Japan, der Agentur Bloomberg. Hinzu kommt der freie Fall an der Börse. Dadurch hat sich die Lage der unter faulen Krediten ächzenden Banken des Landes dramatisch verschärft hat. Technisch gesehen droht einigen Instituten nach Meinung von Experten kurz vor Bilanzschluss am 31. März durch den Wertverlust auf ihre umfangreichen Aktienbestände sogar die Insolvenz.

Experten wie der Vizechef von Goldman Sachs Asia, Kenneth S. Curtis, fürchten bereits ein erneutes Aufflammen der Bankenkrise. "Japan ist meine eigentliche Sorge. Hier droht eine größere Krise", meinte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, unlängst. Inzwischen hat sich die Gewissheit durchgesetzt, dass Japans wirtschaftlicher Abschwung keine vorübergehende Konjunkturdelle ist, sondern ein ernstes Strukturproblem darstellt. Galt Japan noch vor wenigen Jahren dem Westen als vorbildliche Industrienation, so ist es heute das Sorgenkind der Weltwirtschaft.

Regierung verschleudere Milliarden

Doch statt die veralteten Strukturen energisch aufzubrechen, verschleudert die Regierung nach Meinung von Experten seit nunmehr zehn Jahren immer weitere Milliarden in unproduktive Bauprojekte, um ihre Stammwähler bei Stange zu halten. Im Sommer stehen wichtige Oberhauswahlen an. Am Freitag verabschiedete das Unterhaus des Parlaments den Staatsetat für das am 1. April beginnende Geschäftsjahr 2001 mit neuen Rekordausgaben für Staatsaufträge von nicht weniger als 48,66 Billionen Yen (885 Mrd. DM/545 Mrd. Euro).

Die Zentralbank hatte am Mittwoch wegen der Exportverlangsamung und Aktienschwäche die Leitzinsen gesenkt, doch die Finanzmärkte blieben vorerst skeptisch. Zentralbankchef Masaru Hayami wies derweil Forderungen nach Inflationierung der Wirtschaft zurück. Der von einigen geforderte unbegrenzte Kauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank könne unkontrollierbare Folgen mit sich bringen, hieß es.

Ausufernde Staatsverschuldung

Japan, wenngleich noch immer größter Nettogläubiger der Welt, leistet sich ohnehin eine bedrohlich ausufernde Staatsverschuldung, die bereits bei 126 % des Bruttoinlandsprodukts liegt. Zu allem Überfluss sorgen Japans Politiker selbst noch für eine Verschärfung der Krisenlage. Eine Bestechungsaffäre erschüttert derzeit die Regierungspartei LDP. Die Opposition will am Montag einen Misstrauensantrag gegen Partei- und Regierungschef Mori anstrengen. Auch wenn die Chancen auf Erfolg gering sind, so wird dennoch nicht ausgeschlossen, dass der unpopuläre Premier in Kürze zurücktritt.

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