Aktienemissionen aus der zweiten Reihe sind bei Investoren weiter kaum gefragt
Raues Klima für Börsengänge

Trotz der jüngst bekannt gewordenen Börsenpläne von Prada und Ferrari herrscht an den wichtigsten europäischen Finanzplätzen London und Frankfurt noch immer Emissionsflaute. Lediglich in Schweden sorgt das geglückte Debüt von Alfa-Laval für bessere Stimmung.

fs/hst/scc FRANKFURT/LONDON. Springer, Prada, Ferrari - große Namen machten in der vergangenen Wochen mit Börsenplänen auf sich aufmerksam. Bei Marktbeobachtern weckte das die Hoffnung, dass sich das Emissionsgeschäft nach einer langen Durststrecke wieder beleben könnte. Doch den Mut der Großen haben kleinere Unternehmen bislang nicht für sich nutzen können. Wie auch? Gerade an den beiden wichtigsten europäischen Aktienmärkten Deutschland und Großbritannien weht börsenwilligen Unternehmen aus der zweiten Reihe weiterhin ein rauer Wind entgegen. Etwas besser sieht die Lage nur in Schweden aus.

In London hat die Absage der größten Pubkette des Landes Punch eine handfeste Katerstimmung hinterlassen. Am vergangenen Mittwoch, Stunden bevor der Preis der Neuemission festgestellt werden sollte, hatte Punch den Börsengang abgesagt. Die Begründung des Konsortialführers Merrill Lynch klang deprimierend: Zwar habe es genügend Nachfrage gegeben, allerdings sei es bei der "derzeitigen Stimmung unwahrscheinlich", dass sich die Aktie positiv entwickeln werde. Diese Erfahrung hatte vor kurzem erst der Musikhändler HMV machen müssen. Obwohl die Emission zweifach überzeichnet war, kam die Emission nur am unteren Ende der vorgegebenen Preisspanne bei 192 p an den Markt. Gleich am ersten Handelstag ging es mit dem Kurs bergab. Derzeit notiert die Aktie mehr als 10 % unter ihrem Ausgabepreis.

Zurückhaltung auf deutschem Emissionsmarkt

Der "Markt ist sehr selektiv und preissensitiv", sagt dazu ein Analyst von Morgan Stanley. Zwar hätte die Absage von Punch nur einen geringen Effekt auf die Anzahl der Emissionen, wohl aber auf den Preis. Andere sind da nicht so optimistisch. In London stehen noch einige Unternehmen in den Startlöchern. Die Absage von Punch könnte dazu führen, dass auch sie ihren Start verzögern. Dazu gehören unter anderem der Buchmacher William Hill sowie der Einzelhändler Burberry.

Zurückhaltung dominiert auch am deutschen Emissionsmarkt. Hier ist die Bayreuther Beteiligungsgesellschaft VCH-Best of VC das derzeit einzige Unternehmen mit konkreten Börsenplänen. Noch bis zum nächsten Freitag läuft die dreiwöchige Zeichnungsfrist für die insgesamt 25 Mill. Stammaktien. Derzeit seien etwa 6 bis 7 Mill. Stücke gezeichnet, sagte Vorstand Christian Angermayer am Freitag gegenüber dem Handelsblatt. Da es sich bei der Emission um eine bis-zu-Kapitalerhöhung handelt, diese also nicht komplett gezeichnet sein muss, dürfte der Börsengang am 10. Juni auf jeden Fall stattfinden. Hingegen ist die ursprünglich für das erste Halbjahr 2002 angekündigte Emission der Augusta-Tochter ND Satcom nun erst für das Jahr 2003 geplant.

Alfa-Laval startet erfolgreich in den Handel

Etwas freundlicher präsentiert sich die Stimmung in Nordeuropa. Am vergangenen Freitag hatten dort Alfa-Laval ihren ersten Handelstag. Und gleich stieg die Aktie des Herstellers von Präzisionstechnik um 5 %. Am Vorabend hatte das Unternehmen den Ausgabepreis auf 91 Kronen (9,70 Euro) und damit am unteren Ende des Intervalls 90 bis 95 Kronen festgelegt. "Es ist sehr positiv, dass dieser erste Börsengang des Jahres erfolgreich verlaufen ist", erklärte ein Makler in Stockholm zu der 10,1 Mrd. Kronen-Emission.

Alfa-Laval, Weltmarktführer bei Trennschleudern, Wärmetransfertechnik und Flüssigkeits-Handling hatte vor einer Woche die Bieterspanne um 25 % senken müssen, nachdem nur etwa 90 % der Aktien gezeichnet waren. Vor allem schwedische institutionelle Anleger zeigten bis dahin wenig Interesse. Dann aber wurde die Aktie 3,5-fach gezeichnet.

Elf Unternehmen wollen an die Börse

Der Börsengang von Alfa Laval ist der zweitgrößte in Schweden nach der Teilprivatisierung des Telekom-Konzerns Telia im Sommer 2000. Er gilt als Test für das Klima auf nordeuropäischem Parkett. Elf Unternehmen wollen den Börsengang in diesem Jahr durchführen. 2001 trauten sich das gerade sechs Unternehmen zu - und rutschten dabei aus: Bei keinem konnte der Ausgabepreis gehalten werden.

Für das laufende Jahr werden die Aussichten ein wenig optimistischer eingeschätzt. "Wir beobachten eine Eisschmelze", sagte Anders Ackebo, bei der Stockholmer Börse verantwortlich für Notierungen. Er betonte aber, dass allein die Ankündigung eines Börsenganges noch lange nicht die tatsächliche Notierung bedeutet. Magnus Heinstedt, Inhaber des in Schweden renommierten Research- und Consulting-Unternehmens "Förvärv & Fusioner" (zu deutsch: Übernahmen und Fusionen) bewertet die Chancen auf einen erfolgreichen Börsengang als relativ gut. Heinstedt geht davon aus, dass die meisten IPO's erst gegen Ende des Jahres durchgeführt werden. Einen Wermutstropfen gab es allerdings aus Kopenhagen. Dort sagte der Rotor-Hersteller für Windkraftwerke LM Glasfiber wegen mangelnden Interesses den Börsengang Anfang Mai ab.

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