Aktienempfehlungen der Banken haben extrem unterschiedliche Bedeutungen
Analystenurteile sind schwer zu vergleichen

Analystenurteile sind zwar auf den ersten Blick für den Privatanleger einfach zu verstehen. Schaut man genauer hin, erkennt man aber bei den verschiedenen Banken die unterschiedlichsten Definitionen ein und derselben Einstufung. Einige Banken haben ihre Ratingsysteme vereinfacht. Privatanleger sollten sich die Definition der Urteile genau anschauen.

FRANKFURT/M. Die miese Börsenstimmung tut den Aktienempfehlungen der Banken keinen Abbruch. Tag für Tag laufen die zahlreichen Urteile der Banken zu den verschiedensten Aktien über die Nachrichtenticker. Kaufen, halten oder verkaufen? Das bleibt die alles bestimmende Frage für den Anleger.

So einfach machen die Banken es den Anlegern aber nicht. Denn neben kaufen, halten und verkaufen gibt es eine Reihe weiterer Aktienratings wie etwa "Outperform", "Market Performer", "Reduce", "Overweight", "Equal-Weight", oder "Recommend List". Dabei haben einige Banken wie zum Beispiel die Deutsche Bank, HSBC, Merrill Lynch, Morgan Stanley, Goldman Sachs und Credit Suisse First Boston (CSFB) als Reaktion auf Skandale um geschönte Kaufempfehlungen und Kritik an verwirrenden Einstufungen ihr Beurteilungssystem vereinfacht. Sie haben die Zahl ihrer Ratingkategorien gesenkt. Bei ihnen gibt es jetzt meist nur noch drei unterschiedliche Urteile. Die Deutsche Bank hat beispielsweise die Einstufung "Strong Buy" gestrichen, Salomon Smith Barney vergibt kein "Buy" und "Sell" mehr, bei Merrill Lynch sind die Ratings "Accumulate" und "Reduce" Opfer der Neuordnung geworden. "Wir gehen diesen Schritt, um das Vertrauen der Investoren in die Qualität, Unabhängigkeit und die Erkenntnisse unseres Researchteams zu stärken", begründete Robert J. McCann, Vizepräsident von Merrill Lynch, die Entscheidung.

Vergleich schwierig

Banken, die an ihrem Ratingsystem mit fünf Stufen festhalten, wie WestLB Panmure, begründen dies mit der besseren Differenzierbarkeit im Vergleich zu drei Stufen. "Grundsätzlich begrüßen wir die Vereinfachung der Aktienratings, weil sie damit für den Anleger übersichtlicher werden. Die Frage ist aber, wie erfahren ein Anleger ist. "Wenn er geübt ist, dann kann auch ein fünfstufiges System für ihn hilfreich sein", sagt André Wetzel vom Deutschen Aktieninstitut (DAI).

Vergleiche zwischen den Urteilen der einzelnen Banken bleiben trotz der Bemühungen um einfachere Ratings schwer. Denn hinter jeder Empfehlung steckt bei den meisten Urteilen eine Zahl: Um wie viel Prozent wird sich die Aktie im Laufe eines bestimmten Zeitraumes verbessern oder verschlechtern? Diese Prozentzahlen unterscheiden sich von Bank zu Bank stark. Während eine negative Einstufung bei Merrill Lynch einfach eine negative Kursentwicklung bedeutet, bedeutet ein "Sell" bei HSBC einen Kurssturz von über 15 Prozent. Einige Ausnahmen wie Salomon Smith Barney, J.P. Morgan und Morgan Stanley konkretisieren ihre Urteile inzwischen gar nicht mehr weiter. Sie sagen einfach, die Aktie wird sich besser oder schlechter als der Sektor entwickeln. Zudem vergleichen die Analysten die potenzielle Kursentwicklung der Aktie mit verschiedenen Maßstäben. Sal. Oppenheim oder Dresdner Kleinwort Wasserstein setzen die Aktie in Relation zum Index. Die Deutsche-Bank-Analysten betrachten neuerdings nur noch die absolute Kursentwicklung der Aktie.

Was besser ist, daran scheiden sich die Geister. Ein Beispiel: Bei einer Aktie erwartet der Analyst eine absolute Kurssteigerung von 20 Prozent. Steigt der Index, in dem die Aktie gelistet ist, auch um 20 Prozent, entwickelt sich die Aktie nicht überdurchschnittlich. Sie profitiert einfach von der besseren Marktlage. Andererseits interessiert Anleger aber in erster Linie die tatsächliche Kurssteigerung. Stuft umgekehrt ein Analyst eine Aktie als Outperformer im Vergleich zur Branche ein, entwickelt sich die Branche selbst aber nur unterdurchschnittlich, ist die Aktie kein wirkliches Schnäppchen. Zudem gibt es bei einzelnen Banken noch Besonderheiten. "Wir versuchen, pro Sektor genauso viel Marktkapitalisierung positiv zu beurteilen wie negativ", sagt Volker Borghoff, Leiter des Aktienresearchs bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Wegen der zahlreichen Unterschiede sollten sich Privatanleger die Urteile und deren Definition also immer genau anschauen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%