Aktienfavoriten für den kommenden Monat
Neue Zinsangst

Die beiden Sieger des Vermögensverwalter-Rankings von Firstfive nennen exklusiv in der WirtschaftsWoche ihre Aktienfavoriten für den kommenden Monat und geben ihre Einschätzung zur Börse ab.

DÜSSELDORF. Hier die Einschätzung der Experten zur Börse.



Jens Ehrhardt, Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG



Der 59-Jährige aus Pullach ist seit über 30 Jahren Vermögensverwalter. Für seine Privatkunden betreut er derzeit ein Depotvolumen von rund 250 Millionen Euro und verwaltet Fonds im Wert von 500 Millionen.



Wie erwartet lief es an der Börse im März deutlich besser als im Januar und Februar. Der Dax machte seit seinem Februar-Tief sogar über zehn Prozent gut. Wie in der Rubrik "Die Börse im März" an dieser Stelle angekündigt, sorgte die Konjunkturerholung in den USA für bessere Fundamentaldaten. Am US-Markt steigt die Liquidität, weil in den vergangenen drei Monaten die US-Anleger Geldmarktfonds verstärkt in Aktien tauschten. Nun zeichnet sich jedoch schon drohend die mit jeder Konjunkturerholung verbundene Zinssteigerung ab. Die langfristigen US-Zinsen stiegen bereits um gut einen Prozentpunkt auf 5,8 Prozent, was im krassen Gegensatz zum kurzfristigen Zins von 1,75 Prozent steht. Der Lageraufbau in der Industrie sollte im ersten Halbjahr noch gute Wachstumsraten bringen, was größeren Zinsdruck auf die Notenbank ausüben wird. Ein starker US-Aufschwung im ersten Halbjahr wird die Inflationsangst steigern und ein neuer Abschwung im zweiten Ängste um das Finanzsystem auslösen. Beides sollte dem Goldpreis und erst recht den Goldaktien helfen. Gold könnte das zentrale Anlagethema des laufenden Jahres werden. Seit die britische Notenbank mehr als die Hälfte ihres Vorrates verkauft hat, geht der Angebotsdruck auf dem Goldweltmarkt zu Ende. Substanzstarke Bergwerksaktien, die außer dem Abfindungskandidaten Allianz Leben jetzt die Topholdings meines Depots ausmachen, dürften von höheren Absatzpreisen bei gleichzeitig konstanten Kosten profitieren. Bei den Favoriten tauschen wir KarstadtQuelle gegen Harmony Gold. Die Position in Gold Fields haben wir aufgestockt. Kleinere Positionen haben wir in goldpreisabhängigen Titeln wie Asa, Hecla Mining und Durban Deep aufgebaut. KarstadtQuelle haben wir verkauft, weil der gestiegene Ölpreis eine höhere Inflation und damit niedrigere Kaufkraft in Deutschland bringt. Die Einzelhandelszahlen haben sich überraschend nochmals verschlechtert.



Albrecht von Witzleben, Witzleben Asset Management



Seit 14 Jahren ist der 39-jährige Betriebswirt im Vermögensverwaltungsgeschäft. Für seine überwiegend deutschen Privatkunden managt er von London aus ein Depotvolumen von rund einhundert Millionen Euro.



Der Dax 30 dürfte nach den jüngsten Kurssteigerungen in den USA leicht überbewertet sein. Zinserhöhungen in den USA werden jetzt bereits für Mai/Juni erwartet. Am langen Ende der Zinskurven (10-Jahres-Renditen) gab es zuletzt einen Ruck nach oben auf in den USA jetzt 5,35 Prozent und 5,2 Prozent in Deutschland. Für erstklassige Unternehmensanleihen mit Investment-Grade sind sogar 1 bis 1,5 Prozentpunkte mehr drin. Dies belastet die relative Attraktivität der Aktienmärkte. Darüber hinaus haben Firmenpleiten wie Enron, Swissair oder Holzmann die Risikoprämien erhöht. Der Bankensektor bleibt durch faule Kredite und das weiter schwache Aktienemissionsgeschäft belastet. Die entscheidenden Themen für den deutschen Kapitalmarkt dürften in den nächsten Wochen der Tarifkonflikt sowie die US-Zinspolitik sein. Wir bleiben bei unserer Präferenz für Value-Titel mit niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen im Vergleich zum Gewinnwachstum. Darüber hinaus haben wir einige Spezialsituationen mit interessantem Risiko-Ertrags-Profil identifiziert. Gildemeister und Dresdner haben sich im März erfreulich entwickelt. Dresdner Bank haben sich dem unteren Ende des von uns erwarteten Squeeze-out-Abfindungskorridors von 49 bis 54 Euro je Aktie angenähert. Spätestens Ende April wird das Angebot bekannt gegeben. Bei Aventis/Hoechst erwarten wir ein Squeeze-out der Hoechst-Aktionäre zu attraktiven Konditionen innerhalb der nächsten 18 Monate. Bilfinger Berger waren zwischenzeitlich durch die Holzmann-Insolvenz unter Druck: Einige Marktteilnehmer befürchteten, auf Bilfinger werde politischer Druck ausgeübt, Holzmann zu retten, dem war aber nicht so. Kurse unter 23 Euro je Aktie haben wir für Zukäufe genutzt. Wir analysieren derzeit Werte im MDax, die in unser Bewertungsraster passen. Kandidaten für die Top 5 sind Stinnes, Rheinmetall, Südzucker, Boewe Systec und Norddeutsche Affinerie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%