Aktienfonds
Die Niederlande sind der Favorit

Die meisten Eurolandfonds teilen ihr Vermögen in erster Linie nach Branchen oder einzelnen Unternehmen auf. Trotzdem ist es kein Zufall,dass in die Niederlande relativ viel Geld fließt und nach Deutschland vergleichsweise wenig.

fw DÜSSELDORF. Nicht nur Tulpen kommen aus Amsterdam, sondern offenbar auch gute Aktien. Jedenfalls haben viele Eurolandfonds einen relativ hohen Anteil ihres Vermögens an der dortigen Börse angelegt. Beim Templeton Euro Growth Fund-Market erreicht der Anteil der Niederlande sogar knapp ein Viertel des Depotvolumens und ist damit die größte Position. Häufig nimmt allerdings Frankreich diesen Platz ein, zum Beispiel im Mercury Selected Trust Euro Markets Fund. Deutschland hingegen, der ökonomische Riese Europas, muss sich mit schlechten Rängen begnügen. Woran liegt das?

Die Fonds investieren nach eigener Aussage in der Regel gezielt in bestimmte Unternehmen oder Branchen. Die Aufteilung des Vermögens auf einzelne Länder spielt hingegen eine untergeordnete Rolle. Merrill Lynch zum Beispiel wählt im Mercury Fund nach eigener Aussage Aktien nach Bewertungsunterschieden innerhalb der Branche aus. Trotzdem dürften die meisten Manager nebenbei einen Blick auf die Zusammensetzung des Eurolandindex MSCI EMU werfen - er ist in der Regel ihr Vergleichsmaßstab.

Dort ist nicht etwa Deutschland das Schwergewicht, sondern Frankreich und die kleinen Niederlande stellen einen hohen Anteil. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass dieser Index sich schon nach dem "Free Float", also den nicht in festen Händen liegenden Aktien richtet - und dabei liegt die deutsche Börse mit ihren immer noch komplizierten Beteiligungsstrukturen relativ schlecht. Dazu kommt die Gewichtung der Fonds - auch wenn sie sich in erster Linie "passiv" aus der Auswahl der einzelnen Branchen und Gesellschaften ergibt. Schroders zum Beispiel hat im SISF Euro Equity Fund nach eigener Aussage gegenüber dem Index Frankreich nur 1,6 Prozent, Deutschland aber mehr als sechs Prozent untergewichtet .

Zum Teil widerspiegelt sich in den Fondsstrukturen auch einfach die wirtschaftliche Entwicklung der Länder: Deutschland als "Schlusslicht" in Europa, Frankreich deutlich stärker, die Niederlande über lange Jahre hinweg als wirtschaftspolitisches Musterland - wenn auch mit etwas kritischerer Einschätzung in jüngster Vergangenheit. Bei den Niederländern kommt hinzu, dass viele Unternehmen - etwa der Ölkonzern Royal Dutch, die Handelskette Ahold oder der Versicherer Aegon - international sehr breit aufgestellt sind: Man kauft mehr als den kleinen Heimatmarkt.

Ein weiterer Pluspunkt ist die gut entwickelte Aktienkultur. Ken Cox, der Manager des Templeton-Fonds mit seinem großen Holland-Schwerpunkt, schwärmt: "Die Niederländer sind eine große Handelsnation mit einer jahrhundertealten Börsentradition. Das ist ganz ähnlich wie in Großbritannien." In Deutschland hingegen sei Kapital lange Zeit eher über Kredite aufgenommen worden. Spannend findet er in den Niederlanden die Medienwerte Wolters Kluwer und De Telegraaf, weil er gute Kurschancen sieht, sobald das Anzeigengeschäft wieder anzieht.

Aber auch der Pharmahändler OPG und die Firma OCE, die unter anderem Kopierer und Scanner anbietet, bilden größere Positionen in seinem Depot. In Frankreich findet er weit weniger gute Chancen. Als Ausnahme nennt er die Hotelkette Accor: "Die sind international vertreten, da kommt es gar nicht darauf an, wo die Gesellschaft sitzt."

Ein bisschen spielt vielleicht auch die Kultur eine Rolle: Und da sind die Niederländer den Angelsachsen, die in der Finanzwelt den Ton angeben, besonders nah.

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