Aktienhändler haben Investoren angeblich übervorteilt
New Yorker Börse rutscht in den nächsten Skandal

Neuer Skandal an der New Yorker Börse. Der Verdacht: Aktienhändler, die eigentlich für einen ordnungsgemäßen, fairen Handel sorgen sollen, haben Investoren übervorteilt.

NEW YORK. Die New Yorker Börse (NYSE) kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Der jüngste Skandal trifft die größte Börse der Welt an einem wunden Punkt - ihrem althergebrachten Handelssystem. Der Verdacht: Aktienhändler, die eigentlich für einen ordnungsgemäßen, fairen Handel sorgen sollen, haben Investoren übervorteilt.

Wie das "Wall Street Journal" erfuhr, überprüft die NYSE derzeit die fünf größten so genannten "Specialist"-Häuser. Die Specialists organisieren den Handel, indem sie sämtliche Kauf- und Verkaufsaufträge für eine Aktie erfassen und abwickeln.

In einem Fall erhob die NYSE ein Bußgeld von 150 000 Dollar gegen das drittgrößte Specialist-Haus, Fleet Specialist, das zur US-Bank Fleetboston Financial gehört. Fleet-Händler David Finnerty wurde vergangene Woche vom Dienst freigestellt. Er organisierte den Handel mit der Aktie von General Electric, dem Konzern mit dem höchsten Börsenwert der Welt.

Die NYSE wirft Fleet Specialist vor, zahlreiche Regeln verletzt zu haben. So habe ein Specialist Kauforders nicht ausgeführt, obwohl ausreichend Verkaufsangebote vorlagen. Weiter habe die Firma auf eigene Rechnung Aktien ge- und verkauft, anstatt zuerst die Orders anderer Marktteilnehmer abzuwickeln. In anderen Situationen habe Fleet Specialist es dagegen versäumt, durch das Einstellen eigener Kauf- und Verkaufskurse einen liquiden Handel zu ermöglichen.

Fleet Specialist betonte, die Freistellung des Händlers beruhe auf einer internen Untersuchung. Weder die Firma noch der Händler gaben weitere Kommentare ab. Betroffen von der Untersuchung sind die fünf größten Specialist-Häuser. Dazu zählen neben Fleet Marktführer LaBranche, Goldman-Sachs-Tochter Spear, Leeds & Kellogg, Bear-Sterns- Beteiligung Bear Wagner Specialists und Van Der Moolen.

Fondsmanager erheben seit langem Vorwürfe gegen die Specialist- Häuser. "Der Konflikt besteht darin, dass die Specialists einen fairen und ordnungsgemäßen Handel herstellen sollen, aber gleichzeitig auf eigene Rechnung spekulieren können", sagte James Malles, Chef-Aktienhändler von UBS Global Asset Management in den USA. Der Chef der NYSE, Richard Grasso, versprach in einem Fernsehinterview Aufklärung. "Jeder, der seine Kunden übervorteilt, wird aus dem Handelssaal verbannt", sagte Grasso.

Der Skandal ist der dritte in wenigen Wochen für die NYSE. Zuvor musste Sanford Weill, Chef des weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup, seine Kandidatur für das NYSE-Aufsichtsgremium zurückziehen. Ausgerechnet Weill sollte bei der NYSE der Interessenvertreter für Privatanleger werden. Das sorgte für Stirnrunzeln. Denn Weills Citigroup kämpft mit Vorwürfen, wonach sie Privatanleger mit geschönten Aktienanalysen irreführte.

NYSE-Aufsichtsmitglied Kenneth Langone steht im Zwielicht, weil seine Firma Invemed überhöhte Handelsgebühren für junge Aktien aus Börsengängen kassiert haben soll. Langone bestreitet dies.

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