Aktienhändler werden vorsichtig
MLP wird zum Übernahmekandidat

Die Aktien des Finanzdienstleisters MLP haben nach einem Bericht über angebliche Bilanzunstimmigkeiten am Donnerstag weiter an Wert verloren. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) teilte mit, derzeit aber keinen Anlass zu sehen, die Kursbewegung zu untersuchen.

Reuters FRANKFURT. Das Unternehmen wies die in dem Anlegermagazin "Börse Online" erhobenen Vorwürfe über angebliche Bilanzmanipulationen in einer Stellungnahme erneut zurück und bezeichnete diese als haltlose Unterstellungen.

Die MLP-Titel fielen bis zum Donnerstagnachmittag um weitere neun Prozent auf 30,20 Euro, nachdem die Papiere am Mittwoch nach der Vorabveröffentlichung des "Börse Online"-Berichts zeitweise um 20 Prozent eingebrochen waren. Börsianer sagten, das Unternehmen könne bei dem gegenwärtigen Aktienkurs sogar als Übernahmekandidat angesehen werden.

MLP nahm am Nachmittag zu den wesentlichen Vorwürfen des Berichts Stellung. Derzeit lasse MLP prüfen, inwieweit rechtliche Schritte gegen die Vorwürfe des Magazins möglich seien, hieß es. "Es ist kein Problem für uns, alle offenen Fragen zu beantworten und wir tun dies auch sorgfältig so schnell wie möglich", teilte MLP-Chef Bernhard Termühlen mit. Das Aufwerfen von Unterstellungen, die sich bei detaillierter Betrachtung jedes Mal als haltlos erwiesen, wirkten wie ein Versuch, MLP gezielt zu schaden.

Unterdessen sagte ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), die derzeitige negative Kursentwicklung der Aktien werde zunächst nicht untersucht. "Wir sehen derzeit keinen Anlass, bezüglich MLP Voruntersuchungen einzuleiten", sagte der Sprecher. Nur bei Kurs-Unregelmäßigkeiten, die zurzeit aber nicht gegeben seien, gebe es Grund für solche Schritte.

"Börse Online" beanstandet Bilanzen der Vorjahre

Am Mittwoch hatte das Anlegermagazin "Börse Online" vorab von Ungereimtheiten in den MLP-Bilanzen der Vorjahre berichtet. "Einiges deutet darauf hin, dass MLP in den Jahren 2000 und 2001 deutlich zu hohe Gewinne ausgewiesen haben könnte." MLP soll dem Artikel zufolge Beraterprovisionen (Materialaufwand) nicht periodengerecht gegen "Sonstige Vermögensgegenstände" verbucht haben. Die Bilanzposition "Sonstige Vermögensgegenstände" - in der unter anderem die die Provisionen übersteigenden Vorschusszahlungen an die Berater verbucht würden - sei gestiegen, während der Materialaufwand - also die Provisionen - trotz steigender Beraterzahlen nahezu stagniert habe, berichtete das Magazin unter anderem.

MLP teilte dazu mit, die Steigerung der in der Bilanzposition enthaltenen Provisionsvorschüsse und Darlehen resultiere aus der starken Zunahme von Mitarbeitern und Geschäftsstellen seit 1999. Da die Vorschüsse und Darlehen der Mitarbeiter gemäß gesetzlicher Vorschriften in der Position ausgewiesen werden müssten, sei die höhere Steigerung gegenüber den Provisionsaufwendungen zwangsläufig gegeben, hieß es.

Lorenzo Carcano, Fondsmanager bei Metzler Asset Management sagte, das Geschäftsmodell von MLP sei noch gut. Allerdings belasteten die derzeit schlechten Nachrichten das Unternehmen. "Das wird nicht nur deren Image ankratzen, sondern auch deren Geschäft. Es wird zunehmend schwieriger für MLP, neue Kunden zu gewinnen." Das einzig positive für Investoren sei, dass beim gegenwärtigen Aktienpreis das Unternehmen als Übernahmekandidat angesehen werden könne, sagte er weiter. Seine MLP-Aktien habe er aber schon verkauft.

Händler zeigten sich angesichts des Kursverfalls der Titel ebenfalls vorsichtig. So lange MLP die Bedenken um ihre Bilanzen nicht vollständig ausräumen könne, bleibe der Titel eine "Zitteraktie", sagte ein Börsianer. Ein Analyst räumte ein, das Zahlenwerk von MLP sei nicht einfach nachzuvollziehen. Die Beanstandungen von "Börse Online" müssten zunächst noch geprüft werden.

MLP-Titel haben seit Mai 45 Prozent an Wert verloren

Bereits Mitte Mai waren die Aktien von MLP nach einem Bericht von "Börse Online" über angebliche Bilanztricks stark eingebrochen. Die Titel haben seither rund 45 Prozent ihres Börsenwertes eingebüßt. MLP hatte sich allerdings immer vehement gegen die Vorwürfe gestellt.

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