Aktienhandel
Regionalbörsen suchen ihre letzte Chance

Börsen gelten als Paradebeispiel für effiziente Märkte. Nur in der Börsenindustrie selbst scheint ein Kerngedanke der Marktwirtschaft - das Konkurrenzprinzip - weitgehend außer Kraft gesetzt zu sein.

Die Deutsche Börse in Frankfurt dominiert den Aktienhandel hier zu Lande in einer Weise, die in anderen Branchen längst die Wettbewerbshüter auf den Plan gerufen hätte. Deutlich über 90 Prozent des Aktienhandels laufen mittlerweile über Frankfurt, Tendenz steigend. Dies geht zu Lasten der sieben Regionalbörsen, die allesamt um ihr Überleben ringen.

Jetzt suchen die Börsenzwerge ihr Heil in der Flucht nach vorne. Die Bayerische Börse präsentierte gestern ihr neues Handelssystem Max-on, das sich explizit an Privatanleger richtet. Ihnen wird eine schnellere Orderausführung versprochen sowie die Garantie, dass sie für ihre Aktien nicht mehr zahlen müssen als an anderen Börsen. Wenige Tage zuvor war durchgesickert, dass auch Berlin und Bremen an einem neuen Konzept arbeiten. Das Duo will gemeinsam mit der Nasdaq die "Nasdaq Deutschland" aus der Taufe heben. Während die Münchener auf die Unterstützung mehrerer Börsenmakler zählen, will die Nasdaq Deutschland Großbanken wie die Commerzbank, die Dresdner und die Hypo-Vereinsbank mit ins Boot nehmen.

Aus Sicht von Anlegern und Emittenten ist das Aufbäumen der Kleinen begrüßenswert. Der Finanzplatz Deutschland braucht mit Sicherheit keine sieben Börsen neben Frankfurt. Aber ein oder zwei Konkurrenten sollten schon überleben, um ein Frankfurter Monopol zu verhindern.

Zwar hat der Börsenhandel durchaus eigene Gesetze. Eines lautet, dass die Preise um so besser sind, je mehr Anbieter und Nachfrager aufeinander treffen. Theoretisch spricht dies, zu Ende gedacht, für eine Bündelung des Aktiengeschäfts an einer einzigen Börse. Doch hat dieser Gedanke einen gravierenden Haken: Ein solcher Börsenmonopolist könnte Spielregeln und Gebühren nach Belieben festsetzen. Und da die Deutsche Börse mittlerweile börsennotiert ist, muss sie in erster Linie die Interessen ihrer Aktionäre im Auge behalten. Gerade Kleinanleger und mittelständische Firmen könnten zu den Leid Tragenden einer solchen Entwicklung gehören. Denn anders als bei Banken oder Großkonzernen ist für sie der Wechsel an ausländische Börsen mit einigem Aufwand verbunden.

Eine Überlebenschance haben die Konkurrenten Frankfurts aber nur, wenn sie echte Alternativen zur Deutschen Börse bieten. Auf dem Papier haben beide neuen Projekte Charme. Der Name der Nasdaq als Partner von Berlin und Bremen hat immer noch einen guten Klang, auch wenn die US-Technologiebörse bei ihren Abenteuern in Europa und Japan bislang keine Fortüne bewies. Mitbringen wollen die Amerikaner offenbar ihr künftiges Handelssystem Supermontage. Auch die Münchener Börse lehnt sich mit der Einführung von "Spezialisten", die den Anlegern eine sofortige Ausführung ihrer Aufträge garantieren sollen, an amerikanische Vorbilder an.

Trotzdem werden es die beiden Newcomer extrem schwer haben. Ihr größtes Problem ist die aktuelle Börsenflaute. Wenn die Handelsvolumen am Aktienmarkt nicht merklich anziehen, könnten sich die hochfliegenden Pläne schnell in Luft auflösen - auch wenn die Marktmodelle noch so schön sind.

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