Aktienindizes
Gremien beraten über Indexkonzept der Deutschen Börse

Nähere Informationen über die künftige Zusammensetzung der führenden deutschen Aktienindizes und klare Übergangsregelungen erwarten Börsianer von den anstehenden Gremienberatungen bei der Deutschen Börse.

Reuters FRANKFURT. "Wir brauchen Klarheit darüber, wer in Zukunft in welchem Index sein wird", sagte am Mittwoch ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. Ende September hatte die Deutsche Börse AG ein Konzept zur Abschaffung des Neuen Marktes und zur Neuorganisation der Aktienindizes vorgestellt, viele Details aber offen gelassen. An diesem Mittwoch berät sich der Börsenvorstand mit dem so genannten Arbeitskreis Aktienindizes, in dem Vertreter führender Banken sitzen. Entscheidungen werden jedoch frühestens nach der Sitzung des höchsten Entscheidungsgremiums der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB), dem Börsenrat, in der kommenden Woche erwartet.

Dem Konzept der Börse zufolge wird es in Zukunft neben dem 30 Werte umfassenden Deutschen Aktienindex (Dax) voraussichtlich einen MDax und einen von Analysten als "TDax" titulierten Technologieindex geben. Über Umfang und Zusammensetzung von MDax und "TDax" wird im Markt heftig spekuliert. Eingeführt werden soll das neue System voraussichtlich Anfang 2003.

Wer kommt in welchen Index?

Diskutiert wird von Marktteilnehmern und Analysten derzeit, ob der "TDax" als Nachfolger des Nemax50 neben großen Unternehmen aus diesem Index sowie Technologiewerten aus dem MDax auch Pharma-Firmen enthalten soll. "Dadurch würde auch ein stabilisierendes Element hineinkommen", schreiben die Analysten vom Bankhaus Sal. Oppenheim in einer Studie zu dem Thema. In einer Szenario-Rechnung gehen die Experten davon aus, dass in Zukunft Unternehmen wie der Pharmakonzern Merck, der Arzneimittelhersteller Stada und die Software AG im "TDax" vertreten sein werden. Auch Epcos, die nach dem jüngsten Kursverfall der Aktie vom Abstieg aus dem Dax bedroht sind, würden in diesem Fall in den TDax eintreten.

Wichtig ist nach Ansicht von Experten, dass sich in den neuen Indizes in erster Linie solche Firmen wiederfinden, die auf Grund der Zahl und des Gegenwertes ihrer frei handelbaren Aktien (Streubesitz) auch für institutionelle Anleger interessant sind. Für viele Fondsmanager liegt die sinnvolle Marktkapitalisierung eines Unternehmen bei rund 100 Mill. Euro. "Ab 100 Mill. Euro Marktkapitalisierung des Streubesitzes fühlen wir uns wohl. 50 Mill. ist die unterste Grenze", sagte Rolf Dress, Pressesprecher von Union Investment.

Sal. Oppenheim, wie neun weitere Banken ebenfalls im Arbeitskreis Aktienindizes vertreten, befürwortet in der genannten Studie eine Beschränkung des "TDax" auf vierzig, besser auf 30 Unternehmen. "Der kleinste Wert in einem TDax50 würde derzeit eine Marktkapitalisierung von 14 Mill. Euro aufweisen, im Falle eines TDax40 wäre der kleinste 39 Mill. Euro schwer. Daher würden wir aus unserer Sicht nicht mehr als 30 oder 40 Aktien als Maximum bevorzugen", heißt es in der Studie unter Bezug auf die Szenario-Rechnung des Bankhauses.

Übergangsfristen nötig

"Es wird sicher eine lange Übergangsfrist für die Berechnung beispielsweise des Nemax50 geben müssen, damit die Anbieter von Derivaten sich darauf einstellen können", sagte Ulrich Hocker, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Schon aus rechtlichen Gründen sei das nötig, damit Derivate auslaufen oder gekündigt werden können, sagte der Rechtsanwalt. Derivate sind in diesem Fall beispielsweise langlaufende Indexzertifikate mit denen Anleger auf ein Ansteigen oder Fallen des Nemax50 wetten. Bislang wird erwartet, dass der Nemax50 noch im ganzen Jahr 2003 berechnet werden soll.

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