Aktienjahr 2001 enttäuschte erneut – MDax schlug sich besser als der Dax – Lediglich Baubranche legt im europaweiten Vergleich zu: Börsen hoffen auf bessere Konjunktur

Aktienjahr 2001 enttäuschte erneut – MDax schlug sich besser als der Dax – Lediglich Baubranche legt im europaweiten Vergleich zu
Börsen hoffen auf bessere Konjunktur

Nach dem Jahr der geplatzten New-Economy-Träume dürfte 2001 als Jahr der enttäuschten Hoffnung auf Kurserholungen in die Annalen eingehen. Trotz elf Zinssenkungen der US-Notenbank und vier der europäischen Währungshüter kam die Wirtschaft ins Stocken. Der Dax verlor so viel wie seit zwölf Jahren nicht mehr.

HB FRANKFURT/M. Kein Wunder, dass Börsianer und Anleger enttäuscht sind. Schließlich hat sich wider Erwarten das schlechte Aktienjahr 2000 auch in den abgelaufenen zwölf Monaten fortgesetzt. Damit haben die Aktienmärkte erstmals seit der ersten Ölkrise der Jahre 1973/1974 zwei Verlustjahre in Folge erlebt. Besonders stark verloren im europaweiten Vergleich die konjunktursensiblen Titel.

Noch vor Jahresfrist hatten Analysten einen Anstieg des Deutschen Aktienindex (Dax) im Jahr 2001 bis 8 000 Punkte vorhergesagt – sie haben sich schlichtweg geirrt. Für dieses Jahr werden die Prognosen für den Dax zum Jahresende von 5 300 bis 6 650 Stellen schon vorsichtiger angesetzt. Auch wenn der Dax sich von seinem Jahrestief im September bei 3 787 Punkten wieder deutlich erholt hat, büßte er im vergangenen Jahr bei stark schwankenden Kursen insgesamt ein Fünftel seines Wertes ein und damit so viel wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Im Jahr 2000 hatte der deutsche Leitindex Dax 7,5 % eingebüßt. Nur vier Dax-Werte – Adidas, SAP, BMW und Daimler-Chrysler – schlossen im abgelaufenen Jahr mit Gewinnen. Am stärksten verloren Lufthansa, die besonders unter den Terror-Folgen und der Flaute in der Luftfahrt litten.

Dagegen fielen die Jahresabschläge beim MDax, dem Index für die 70 Werte der zweiten Reihe, mit 7,5 % vergleichsweise moderat aus. Der Neue Markt schmälerte das Kapital der Anleger durchschnittlich um 60 %. Die Gründe für das erneute Abstürzen der Kurse sind schnell ausgemacht: Das Abgleiten der US-Wirtschaft in eine Rezession seit März, die schwache wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone und die daraufhin immer weiter abgesenkten Gewinnprognosen vor allem bei Technologieunternehmen sind dafür verantwortlich, dass anfangs noch gehegte Hoffnungen auf eine Erholung an den Aktienmärkten gründlich enttäuscht wurden. Allein die T-Aktie verlor etwa 40 % an Wert. Mit den Kursen fielen auch die Umsätze an den Handelsplätzen. Die Deutsche Börse teilte jüngst mit, dass sich der gesamte Handelsumsatz im Jahr 2001 um schätzungsweise mehr als 25 % auf 4,5 Bill. ? verringert hat.

Hoffnung der Anleger stützt sich auf US-Konjunktur

Für das neue Jahr stützt sich die Hoffnung der Anleger auf ein Anziehen der US-amerikanischen und dann auch der europäischen Volkswirtschaften. Das wäre die Voraussetzung dafür, dass sich die Ertragssituation der Unternehmen verbessert. Die Aktienkurse haben bereits angefangen, diese Entwicklung vorwegzunehmen. Als Katalysator für diesen Prozess gelten nach Einschätzung von Marktstrategen die Folgen der Terroranschläge im September. "Durch die weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank und auf Grund der angekündigten Konjunkturprogramme in den USA setzte sich bei den Anlegern offenbar die Ansicht durch, dass die wirtschaftliche Erholung nun schneller und dynamischer erfolgen wird", sagte Fondsmanager Christoph Niesel beim Deutschen Investment Trust (DIT). Gerhard Schwarz, Leiter der Abteilung Aktienstrategie bei der Hypovereinsbank, nannte die günstige Liquiditätsentwicklung als Triebfeder für steigende Kurse nach den Attentaten. Der Markt rechne nun mit einer Erholung Mitte 2002, und die Börsen nähmen erfahrungsgemäß diese Entwicklung etwa sechs Monate vorweg. "Dies erklärt die jüngsten Kurssteigerungen", so Niesel. Allerdings nähre nach wie vor allein die Hoffnung, nicht so sehr die fundamentale Situation diese Entwicklung. "Sollten diese Erwartungen enttäuscht werden, wird es zu Kursrückschlägen kommen", bemerkte der Fondsmanager.

Für die Aktien spricht ganz generell, dass sie im Verhältnis zu Anleihen günstig bewertet sind. Kursübertreibungen dürften weitestgehend bereinigt sein. Negative Unternehmensnachrichten sind bereits in den Aktienkursen eingepreist – wenn nicht wieder erste Aussagen zum Geschäftsverlauf 2001 am Jahresanfang für neue Enttäuschungen sorgen.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%