Aktienkäufe von Managern und Trends bei Börsengängen enthüllen wertvolle Informationen über künftige Kursentwicklung
Insider liefern gemischte Signale für US-Börse

"Einige Indikatoren deuten darauf hin, dass Manager und Unternehmen in den USA ihre eigenen Aktien nicht mehr als überbewertet ansehen", sagt James Montier, bei der Investmenttochter der Dresdner Bank in London zuständig für die weltweite Anlagestrategie. Sein bevorzugtes Insider- Kriterium - die Menge an Börsengängen und Kapitalerhöhungen - lieferte aber nur kurz Kaufsignale. Im Oktober fiel dieses Insider-Barometer zurück in den neutralen Bereich. Montier bleibt vorerst bei seiner abwartend-pessimistischen Haltung zu den US-Börsen.

DÜSSELDORF. "Dass Insider wertvolle Informationen über die künftige Kursentwicklung liefern, haben viele Studien bewiesen", bestätigt Rolf Elgeti, Anlagestratege der Commerzbank-Investmentsparte in London. Jedoch dürfte es Anlegern schwer fallen, solche Informationen gewinnbringend zu nutzen. Denn Insider handeln oft gegen den Trend - und das fällt Investoren schwer.

Dresdner-Experte Montier konzentriert sich auf drei Fragen: 1) Kaufen oder verkaufen US-Manager die Aktien ihrer Unternehmen? 2) Bezahlen Firmen bei Fusionen eher mit eigenen Aktien oder in bar? 3) Besorgen sich die Unternehmen frisches Geld lieber an der Börse oder am Kreditmarkt?

Die Logik des ersten Indikators ist klar: Manager kennen ihre Firmen genau. Verkaufen sie Aktien, ist das ein Alarmsignal. Der Wissenschaftler Richard Petitt zeigte, dass Insider starke Kursausschläge durch ihr Verhalten um bis zu zwei Jahre vorwegnehmen. Ende 1999 spürten die US-Manager offenbar, dass die Börse übertrieb: Die Verkäufe stiegen rasant.

Zuletzt sind die Insiderverkäufe auf das Niveau von 1998 - also vor dem Hightech-Boom - gefallen. "Einige Manager haben sogar Aktien zugekauft, ein gutes Zeichen", sagt Montier. "Jetzt muss man genau beobachten, ob die Verkäufe nach den jüngsten Kurszuwächsen wieder steigen."

Positiv fällt auch Montiers zweiter Indikator aus, die Finanzierung von Fusionen und Übernahmen. Dahinter steckt folgende Überlegung: Halten Unternehmen ihre eigene Aktie für überbewertet, dann gehen sie mit dieser überteuerten Währung gerne auf Einkaufstour. Das dürfte übrigens ein Grund dafür sein, warum das Fusionsgeschäft gerade in positiven Börsenphasen brummt. Wer seine eigene Aktie dagegen für unterbewertet hält, wird Zukäufe lieber bar bezahlen.

Während der 80er Jahre wurden 45,6 % aller Fusionen und Übernahmen bar abgewickelt, wie der Forscher Gregor Andrade ermittelte. Zwischen 1990 und 1998 fiel dieser Anteil auf 27,4 % - die Firmen zahlten lieber mit hoch bewerteten Aktien. Zuletzt kletterte der Bar-Anteil wieder auf 51 %, ein positives Signal.

Ein weiterer Insider-Indikator sind Boomphasen bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen. "Firmen zapfen die Börse am liebsten an, wenn sie glauben, relativ viel Geld für ihre Aktien zu bekommen", sagt Montier. Dagegen wolle kein Unternehmen seine Aktien zu Niedrigstkursen auf den Markt werfen. Aus diesem Grund hat etwa die Deutsche Telekom den Börsengang ihrer Mobilfunktochter verschoben.

Wissenschaftliche Studien zeigen: Ein Börsengang-Boom findet oft zu überhöhten Preisen statt. Anschließend fallen die Kurse häufig. Das mussten viele Privatanleger bitter erfahren, die in der Emissionsflut am Neuen Markt überteuerte Aktien kauften. "Leider liefert der Emissions-Indikator keine positiven Signale für die USA mehr", warnt Montier. Zwar gebe es kaum Neuemissionen, aber Kapitalerhöhungen hätten im Oktober und November stark zugenommen. "Offenbar glauben die Unternehmen nicht mehr, dass die Kurse zu niedrig sind, um frisches Kapital aufzunehmen", sagt Montier - kein gutes Signal.

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