Aktienkurs bricht ein
Holzmann-Lieferanten holen Material von den Baustellen

Beim zahlungsunfähigen Baukonzern hat der vorläufige Insolvenzverwalter Ottmar Hermann unterstützt von 20 Fachanwälten die Führung übernommen. Unterdessen meldeten erste Konkurrenten Interesse an einzelnen Bereichen von Holzmann an.

rtr/vwd/wiwo/ap FRANKFURT. Einen Tag nach der Holzmann-Insolvenz sind dem Baukonzern bereits die ersten Aufträge gekündigt worden. So kündigte Thüringens Finanzminister Andreas Trautvetter (CDU) dem Unternehmen den Vertrag für den fast fertig gestellten Landtagsneubau. Subunternehmen holten ihr Material von den Baustellen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Ottmar Hermann kündigte unterdessen am Freitag in Frankfurt am Main an, er wolle im Interesse der Belegschaft alle Mittel ausschöpfen, um die Überlebensfähigkeit des Traditionsunternehmens im Ganzen oder in Teilbereichen festzustellen. An der Börse brach der  Kurs der Holzmann-Aktie nach der Wiederaufnahme des Handels um ein weiteres Drittel auf 2,65 ? ein.

Der  Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) forderte staatliche Hilfen für Firmen, die von der Zahlungsunfähigkeit Holzmanns betroffen sind. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller verwies darauf, dass es hierfür eine Reihe bewährter Hilfen von Bund und Ländern gebe.

Holzmann hatte am Donnerstag nach wochenlangem Ringen mit den Gläubigerbanken wegen Zahlungsunfähigkeit beim Frankfurter Amtsgericht einen  Insolvenzantrag gestellt. Die Banken hatten sich nicht auf ein Rettungskonzept einigen können, das von der Hauptgläubigerbank und Holzmann-Großaktionär Deutsche Bank befürwortet worden war.

Insolvenzvorgang soll transparent verlaufen

Ob das 1849 gegründete und ehemals größte deutsche Bauunternehmen mit seinen knapp 24 000 Mitarbeitern komplett oder in Teilen verkauft wird oder aber in geschrumpfter Form erhalten bleiben soll, blieb zunächst ungewiss. Holzmann wolle einen Insolvenzplan vorlegen, hatte das Amtsgericht ohne weitere Details mitgeteilt. "Wir haben ein Interesse daran, die Vorgänge transparent zu halten", hieß es beim Insolvenzverwalter. Nun würden zunächst die Juristen in die einzelnen Abteilungen eingewiesen, hieß es. "An so einen großen Fall muss mit entsprechendem Sachverstand rangegangen werden."

Die meisten Mitarbeiter Holzmanns nahmen nach Firmenangaben ihre Arbeit am Freitag wie gewohnt auf. Auf einigen Baustellen in Frankfurt ruhten wegen einer Belegschaftsversammlung aber die Kräne. Der Vorstand kam derweil zu einer ersten Lagebesprechung mit den Insolvenz-Anwälten zusammen.

Erste Interessenten an Holzmann-Bereichen

Unterdessen meldeten sich weitere Interessenten für einzelne Bereiche von Holzmann zu Wort. Der deutsche Holzmann-Erzrivale und Branchenprimus Hochtief hatte bereits am Donnerstag nicht ausgeschlossen, dass er zumindest Teile des insolventen Frankfurter Konkurrenten erwerben könnte. Die Kölner Tochter des österreichischen Bauriesen Strabag bestätigte, Interesse an der Straßenbau-Tochter Holzmanns, Deutsche Asphalt, zu haben, die der Frankfurter Konzern allerdings ohnehin verkaufen wollte. "Wir haben bekundet, dass wir Interesse haben", sagte ein Strabag-Sprecher, ohne jedoch Details oder den voraussichtlichen Kaufpreis zu nennen.

Die Mannheimer Bilfinger + Berger AG - Nummer Drei unter den deutschen Baukonzernen - bezeichnete eine mögliche Übernahme der amerikanischen Holzmann-Tochter J.A. Jones als "Spekulation". Bilfinger hatte zuletzt aber erklärt, Gespräche über einen möglichen Einstieg bei Holzmann zu führen. Zu den Folgen der Holzmann-Pleite sagte der Sprecher: "Die Marktlage in Deutschland ist weiterhin angespannt, wir sehen aber keine kurzfristigen Konsequenzen aus der Insolvenz von Holzmann."

Müller verweist auf Instrumentarium für Hilfen

ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer sagte im Deutschlandfunk, das Bundeswirtschaftsministerium solle nun prüfen, ob die Möglichkeit für ein Liquiditätshilfeprogramm für Unternehmen bestehe, die wegen der Insolvenz des Bauunternehmens Holzmann in Zahlungsschwierigkeiten gerieten. Nach seiner Einschätzung sind einige hundert, möglicherweise bis zu 2000 mittelständische Zulieferer von der Holzmann-Pleite betroffen. Er gehe aber davon aus, dass die bestehenden Baustellen "in aller Regel" fertig gestellt und die Unternehmen bezahlt würden.

Wirtschaftsminister Müller (parteilos) verwies auf bestehende Hilfmöglichkeiten von Bund und Ländern. "Damit ein Existenz gefährender Liquiditätsengpass abgewendet werden kann, bieten der Bund und vielfach auch die Länder hier eine Reihe bewährter Hilfen an", erklärte er. So stellten die öffentlichen Förderbanken, die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Deutsche Ausgleichsbank Liquiditätshilfekredite beziehungsweise Betriebsmitteldarlehen mit günstigen Zinssätzen zur Verfügung.

Sowohl der Holzmann-Vorstand als auch die zuständige Gewerkschaft IG BAU hatten davor gewarnt, dass ein Niedergang des Konzerns tausende weitere Arbeitsplätze bei Subunternehmen und Zulieferern gefährden könnte. Holzmann war noch Ende 1999 vor allem infolge des Eingreifens von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor einer Insolvenz bewahrt worden. Nach Verlusten von 237 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr geriet das Unternehmen nun jedoch in die Zahlungsunfähigkeit.

Commerzbank: Keine Belastung für die Geschäftszahlen

Die Commerzbank fürchtet aus der Holzmann-Insolvenz kaum Auswirkungen auf ihre Geschäftszahlen. In den vergangenen Jahren sei für Holzmann ständig Risikovorsorge getroffen worden, erläuterte ein Sprecher des Instituts. Insofern ergebe sich keine Belastung für die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) des Instituts, sagte der Sprecher weiter. Über die Höhe der Risikovorsorge für Holzmann machte er keine Angaben.

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