Aktienkurs bricht ein
Lufthansa steuert auf rote Zahlen zu

Die Deutsche Lufthansa AG fliegt nach Einschätzung von Vorstandschef Jürgen Weber in die roten Zahlen, wenn es bis Mitte November zu keiner Kostenentlastung kommt.

mg/hz PEKING. Pro Tag müsse die Fluggesellschaft Einnahmenausfälle von 20 Mill. DM verkraften. Weber drohte mit Kurzarbeit und Entlassungen für den Fall, das sich der Konzern nicht mit den Gewerkschaften in den nächsten Wochen darauf einigt, die Arbeitszeit bei entsprechendem Lohnverzicht zu verringern.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi stemmt sich jedoch weiter gegen die Kürzungspläne. Verdi-Vorstandsmitglied Jan Kahmann reagierte verärgert auf die Frist und sagte dem Handelsblatt, dass er für eine verkürzte Arbeitswoche trotz der Drohungen keinen Anlass sehe. In einigen Bereichen sei zwar Kurzarbeit denkbar. Vor allem müsse Lufthansa aber alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen: freie Tage abbauen und unbezahlten Urlaub gewähren.

Doch nach den Worten Webers reicht das nicht aus. Die laufenden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien deshalb entscheidend für das weitere Vorgehen. Das Vier-Tage-Modell sei nur eine mögliche Lösung. "Wenn es zu keiner Einigung kommt, dann sind wir zu Kurzarbeit oder betriebsbedingten Kündigungen gezwungen", sagte Weber, der den Bundeskanzler auf einer China-Reise nach Peking begleitet. Die Lage im internationalen Luftverkehr sei "dramatisch". Der Lufthansa AG, Köln, fehlten täglich rund 30 000 Passagiere. Die Auslastung bewege sich weiter auf dem niedrigen Niveau der letzten September-Wochen. Zu den Rückgängen um 30 % auf den Nordatlantik-Routen und um 15 % in Europa komme jetzt in Asien ebenfalls ein "zweistelliges Minus". Die Börse reagierte auf Webers Rede mit einem Kurssturz. Gegen den Trend gaben die Papiere der Lufthansa deutlich nach.

Ungeachtet der schlechten Aussichten stehen die Gespräche der Lufthansa über einen Kauf der Swissair-Tochter Atraxis vor dem Abschluss. "Wir hoffen, dass wir die Diskussionen mit Swissair nächste Woche beenden können", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Der Technologiekonzern IBM zog unterdessen seine Offerte für die Informationstechnologie-Tochter der Schweizer Airline mit rund 2 000 Mitarbeitern zurück. Am Vortag hatte es geheissen, es seien noch zwei Interessenten im Gespräch. Wie berichtet (HB 4.10.), hatten Lufthansa und Swissair bereits seit Sommer über eine Fusion ihrer beiden IT-Töchter gesprochen, nach dem Teilkonkurs der Schweizer Firma jedoch die Verhandlungen neu aufgerollt.

Als "skandalös" kritisierte Weber in Peking die Absicht der Bundesregierung, Geld für die staatlichen Sicherheitsgarantien gegen Terroranschläge zu verlangen. Es entstünden überhaupt keine Kosten, solange der Schadensfall nicht eintrete. Als Schuldigen machte Weber das Finanzministerium aus. Fluggesellschaften in anderen Ländern hätten diese Garantie kostenlos erhalten. Die Regierung war eingesprungen, als die Assekuranz Versicherungen gegen Terror- und Kriegsrisiken gekündigt hatte.

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