Aktienkurs der wirtschaftlich angeschlagenen Bankgesellschaft auf Allzeit-Tief
Analysten sehen Bank Berlin sehr skeptisch

Mit einem Minus von 15 % gehörte die Aktie der wirtschaftlich angeschlagenen Bankgesellschaft Berlin AG vergangene Woche zu den der großen Verlierern.

mhm BERLIN. Auch zum Wochenbeginn konnte sie sich nicht verbessern, obwohl Vorstandschef Wolfgang Rupf eine Existenzkrise des Instituts verneint hatte (Handelsblatt vom 12.03). Mit Kursen um 10,50 Euro dümpelte der Wert nachmittags erneut auf einem Allzeittief. Heute berät der Aufsichtsrat die Lage. Kursbewegende Meldungen werden aber nicht erwartet.

Aktien-Analysten wagen angesichts der dünnen Datenlage des Instituts, das Bilanzvorlage und Hauptversammlung verschoben hat, derzeit keine Prognose. Kurzfristig erwarten sie auch keine durchgreifende Besserung beim Aktienkurs.

Er könne keinem Anleger raten, jetzt in den Wert zu investieren, sagt Kay Strippel von Independent Research: "Wir sehen noch keinen Silberstreif am Horizont." Viktor Heese von der Düsseldorfer WGZ-Bank sieht "bei der operativen Schwäche der Bank derzeit keine Kursfantasien nach oben". Doch dürfte die Aktie nach dem Kursverfall der vergangenen Wochen - Anfang Januar lag sie noch bei 15 Euro - nun Boden gefunden haben: "Der Kurs dürfte bei bekannten Risiken auch nach unten abgesichert sein".

Allenfalls spekulativ eingestellte Anleger, die Kursausschläge für ein Geschäft nutzen wollten, sollten nun zugreifen, meint Martin Peter von WestLB Panmure. Ansonsten rät er abzuwarten, welche Zahlen die Bank für 2000 präsentieren werde.

Rupf: "Im schlimmsten Falle drohe ein Verlustausweis von 500 Mill Euro."

Zu oft hätten die Banker Prognosen nicht eingehalten, als dass man nun den jüngsten Aussagen von Vorstandschef Wolfgang Rupf trauen könne, hieß es. Vor endgültigen Einschätzungen müssten alle Ergebnisse der laufenden Prüfungen auf den Tisch. Rupf hatte bei einem Betriebsergebnis von 762 Mill. Euro Wertberichtigungen von 600 (Vorjahr 504) Mill. Euro in Aussicht gestellt - im schlimmsten Falle drohe ein Verlustausweis von 500 Mill Euro.

Schon die bisher bekannt gegebenen Daten für das Betriebsergebnis vor Risikobewertung haben die wenigen Analysten, die sich noch intensiv mit dem mehrheitlich landeseigenen Institut befassen, skeptisch gestimmt. Das Zinsergebnis, die größte Ertragssäule des Instituts, sei mit Minus 18,4 % auf 1,67 Mrd. Euro das schlechteste aller Großbanken gewesen. Dagegen lag das Provisionsergebnis mit einem Plus von 10,7 % auf 420 Mill. Euro unter Schätzungen.

Angesichts der aktuellen Lage an den Wertpapiermärkten bezweifeln die Bank-Experten auch, ob hier 2001 große Verbesserungen zu erzielen seien. Das gilt auch für die Verwaltungskosten, die mit 0,4 % auf 1,67 Mrd. Euro nicht stark genug abgesenkt worden seien.

Wesentlicher Kritikpunkt bleibt neben der als unzureichend bemängelten Kommunikationspolitik der Bank auch die Aktionärsstruktur: 56,6 % hält das Land Berlin, rund 20 % die Norddeutsche Landesbank und weitere 10 % die Gothaer Versicherung. Doch kann sich das grundlegend erst ändern, wenn der Streit um die Neuordnung des deutschen Landesbankensektors mit der EU-Kommission beigelegt ist.

Bis auf weiteres wird der "free float" so nur 15 % betragen. Das führt wiederum dazu, dass sich große Investmentfonds wegen der Marktenge erst gar nicht für potenzielle - und möglicherweise kurstreibende - Investments interessieren. Auch werden vergleichsweise wenig Studien über den Wert publiziert.

Schon mittlere Handelsvolumina können da zu großen Kursausschlägen führen. Wie etwa in der vergangenen Woche, als Kleinanleger, von den Berichten über Vorstandsrauswürfe und immer neue Probleme des Bankkonzerns verunsichert, ihre Papiere abstießen. "Teilweise", hieß es am Markt, "wurden überhaupt keine Geld-Kurse mehr gestellt."

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