Aktienkurs fällt
VW hält sich bei Beteiligungen alle Möglichkeiten offen

Ferdinand Piech machte es auf der heutigen Bilanzpressekonferenz besonders spannend: "Zukunftspläne wie die Erhöhung einer Beteiligung im Nutzfahrzeugbereich oder eine Kooperation mit anderen Herstellern würden permanent geprüft. Eine Entscheidung falle innerhalb der nächsten 12 Monate."

Reuters WOLFSBURG. Der Volkswagen-Konzern hält sich die Möglichkeit einer größere Beteiligung an einem anderen Automobil- oder Lkw-Hersteller offen. An reiner Größe liege VW aber nicht. Piech betonte, VW sei nicht daran interessiert, seinen Anteil an dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania zu jedem Preis zu erhöhen. Wegen der derzeit schwachen Automobilmärkte in Europa wurde keine konkrete Gewinnprognose für Piechs vermutlich letztes Amtsjahr als VW-Chef gemacht. An der Börse gab die VW-Aktie am Donnerstag deutlich nach. VW hatte im vergangenen Jahr mit einem Gewinnanstieg um 144 Prozent auf 4,0 Milliarden Mark das beste Ergebnis in seiner Unternehmensgeschichte erzielt.

Für das laufende Geschäftsjahr hatte der Konzern bereits kürzlich einen weiteren Gewinnanstieg in Aussicht gestellt. in Branchenkreisen wird vermutet, dass Piech, dessen Vertrag als Vorstandschef Ende 2002 ausläuft, bereits auf der Hauptversammlung im April nächsten Jahres an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln wird, und er sich deshalb mit einer "Gold geränderten Bilanz" als VW-Chef verabschieden will. Finanzchef Bruno Adelt bekräftigte, VW erwarte 2001 ein weiteres Wachstum bei Umsatz und Ergebnis. Da das Automobilgeschäft in diesem Jahr aber spürbar an Härte zugenommen habe, seien dazu aber höhere Anstrengungen als zuletzt nötig. Impulse für das Geschäft erwartet der Konzern den Angaben zufolge sowohl von neuen Modellen als auch durch einen höheren Autoabsätze in Asien und Südamerika. Während sich der Autoabsatz in den USA abschwächt, wird außerdem für Deutschland mit einer Erholung des Absatzes gerechnet.

Hohe Kostensenkungen geplant

Adelt kündigte Kostensenkungen für laufende Jahr um bis zu zwei Milliarden Mark an. Diese sollten durch Projekte über alle Geschäftsbereiche und Regionen hinweg erzielt werden. Adelt sagte dabei aber nicht, wie sich diese Einsparungen auf einzelne Bereiche verteilen. Als eine Quelle, von der sich Volkswagen Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe erwartet, gilt die von Piech bereits angekündigte Modulstrategie. Dabei werden gleiche Teile für mehrere Fahrzeugklassen verwandt, um so die Kosten zu senken. Es handelt sich dabei zum Beispiel um die Achsaufhängungen, Bremssysteme oder Motor- und Getriebekombinantionen. Piech bezifferte die durch den Rückkauf von gut zehn Prozent eigener Aktien dem Unternehmen zur Verfügung stehende Akquisitionswährung auf 4,5 Milliarden Mark. Diese könnten theoretisch für Beteiligungen oder Zukäufe eingesetzt werden.

Piech ließ Interesse erkennen, den Anteil an Scania zu erhöhen. Eine Erhöhung über 50 Prozent sei aber nicht "primäres Ziel". VW hatte vor knapp einem Jahr mit 34 Prozent der Stimmrechte die Führung bei dem schwedischen Lkw-Hersteller übernommen. Dessen Konkurrent Volvo ist noch in ähnlicher Höhe an Scania beteiligt, muss sich aber aus kartellrechtlichen Gründen von dem Paket trennen. Dazu stellte Piech klar, dass VW keinesfalls daran interessiert sei, Volvo-Anteile "zu einem überhöhten Preis" zu erwerben. In den vergangenen Monaten war wiederholt unter Analysten darüber spekuliert worden, VW könnte Volvo eigene Aktien im Tausch für dessen Scania-Anteile anbieten. Eine klare Absage erteilte Piech Spekulationen über ein mögliches Interesse von Volkswagen an einem Lkw-Hersteller in den USA. Vermutet worden war unter anderem, dass sich VW an Navistar beteiligen könnte.

Anleger warten auf Nachrichten über Zukäufe

In der Vergangenheit hatten vieldeutige oder bisweilen unkonkrete Anmerkungen Piechs über mögliche Beteiligungen und Zukäufe die Fantasie an den Börsen entfacht und einen Kursanstieg der VW-Aktie ausgelöst.

Piech bekräftigte seine Prognose, VW wolle bis zum Ende seiner Amtszeit eine Umsatzrendite von 6,5 Prozent erreichen. Einen konkreten Termin nannte er nicht. Durch die Umstellung auf internationale IAS-Bilanzregeln erhöhte sich diese Kennzahl im abgelaufenen Jahr auf 4,6 Prozent. Ohne die in die Bilanz für künftige Belastungen aus der EU-Altautorichtlinie reservierten 1,4 Milliarden Mark habe die Umsatzrendite bei 5,2 Prozent gelegen, sagte Adelt. Die fehlenden 1,3 Prozent bis zu Piechs Zielmarke würden "in absehbarer Zeit" erreicht. Die Aktien von Volkswagen verloren am Donnerstag bis zum frühen Nachmittag 5,4 Prozent auf 52,52 Euro. Der Deutsche Aktienindex zu dem Zeitpunkt rund 3,4 Prozent im Minus. Händler sagten, die schlechte Stimmung an den Märkten überschatte die positiven Nachrichten des Konzerns. "Es ist ganz ordentlich, was sie berichten", sagte ein Händler. "Die Umstellung auf IAS bringt einen höheren Gewinn, der Ausblick ist gut, die Kosten sollen reduziert werden - das alles wird einfach vom Markt ignoriert."

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