Aktienkurs geht in Paris auf Talfahrt
Vivendis Abstieg vom Schuldenberg

Zwei Akquisitionen in wenigen Wochen haben ein riesiges Loch in die Kassen von Vivendi Universal gerissen. Jetzt muss der Schuldenberg weg, sonst verlieren die Kapitalmärkte das Vertrauen in den Medienriesen.

HB DÜSSELDORF. Der Medienkonzern Vivendi Universal S.A., Paris, hat 55 Millionen eigene Aktien an zwei Großbanken gegeben, die diese bei Investoren platzieren sollen. Der Deal soll rund 3,3 Mrd. Euro in die Kassen des hoch verschuldeten Konzerns spülen. Das Geld soll fast ausschließlich zum Schuldenabbau eingesetzt werden, heißt es. Die Aktien (sogenannte Vorratsaktien) hatte Vivendi vergangenes Jahr nach eigenen Angaben im Schnitt für 57 Euro/Stück an der Börse gekauft und will sie für 60 bis 61 Euro abgeben.

Vivendi-Chef Jean-Marie Messier musste handeln. Die Abstufung des Ausblicks ("Outlook") durch Moody?s Investor Service war ein nicht zu übersehendes Warnzeichen. Nach der Aufsehen erregenden Übernahme der Media-Aktivitäten von USA Networks und dem Einstieg beim Satellitensender Echostar im Dezember hatte der Ratingdienst den Ausblick ("Outlook") für langfristige Schulden von Vivendi auf "negativ" gesetzt. Das Rating wurde allerdings bei "Baa2" bestätigt. Die hohe Verschuldung und die düsteren Aussichten der Medienkonjunktur veranlassten Moody?s zu der Warnmeldung.

Die Ratings der großen Agenturen sind kritisch für eine Mittelaufnahme am Kapitalmarkt und werden von Großinvestoren sehr ernst genommen. Generell gilt, je besser ein Rating ist, desto geringer ist der Zinssatz, den ein Emittent den Investoren anbieten muss. Doch Messier hatte kaum eine andere Wahl, als trotz bereits hoher Verschuldung die neuen Chancen zu nutzen und eine Abstufung zu riskieren: Erst die jüngsten, insgesamt über 11 Mrd. Dollar schweren Zukäufe, sicherten ihm die Eintrittskarte in den größten Medienmarkt der Welt, die USA. Immerhin 1,6 Mrd. $ davon mussten in bar überwiesen werden.

Der aktuelle Aktiendeal soll nun das Verhältnis von Schulden zu Ertrag "deutlich" unter den Faktor drei drücken, heißt es bei Vivendi. Das reiche für ein "komfortables BBB-Rating" durch die Agenturen. Vivendi rechnet für 2002 mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 6 Mrd. Euro ohne seine neuen Töchter USA Networks und Stream. Anfang Dezember, noch vor den Akquisitionen, hatte die Credit Lyonnais die Verbindlichkeiten aus dem Aufbau des Medienkonzerns auf über 18 Mrd. Euro geschätzt.

Der Aktienverkauf ist nur ein Mosaikstein im Versuch von Messier, den immensen Schuldenberg abzubauen, der sich seit der Übernahme von Seagram und dem Pay-TV-Sender Canal Plus für zusammen über 40 Mrd. $ aufgebaut hatte.

Erst jüngst wurden 9,3 % der Aktien der Umweltsparte von Vivendi für 1,2 Mrd. Euro abgestoßen. Ein kompletter Verkauf der Sparte - was Messiers Probleme gelöst hätte - war zuvor gescheitert. Danach wurden noch 8,8 % des Pay-TV-Anbieters BSkyB abgestoßen (1,64 Mrd. Euro). Der Verkauf der Spirituosensparte von Seagram brachte zusätzlich rund 8,1 Mrd. $ ein.

"Ein richtiger Schritt zum richtigen Zeitpunkt", kommentiert Peter Thilo Hasler, Medienanalyst bei der Hypo-Vereinsbank. Trotzdem bleibt die Aktie für ihn weiter auf "Underperform", nicht zuletzt auch auf Grund des "völlig überbewerteten" Internetportals Vizzavi, das am Montag weitreichende Veränderungen und einen Personalabbau bekannt gab.

Auch die Börse honorierte den Schuldenabbau zunächst nicht. Da der Verkaufspreis unter dem Schlusskurs von Freitag liegt, gab der Aktienkurs unter hohen Umsätzen auf 60 Euro nach. Es wird befürchtet, dass der potenzielle Verkaufsdruck noch lange den Kurs um 60 Euro festnageln wird. Und der Schuldenabbau ist noch lange nicht beendet. "Wer weiß, was als nächstes verkauft wird", meint ein Aktienhändler. Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben 60 % der Vorratsaktien zum Verkauf übernommen, Goldman Sachs 40 %. Sie wurden am Montag in einem Ein-Tages-Angebot offeriert.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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