Aktienkurse der skandinavischen Hightech-Rivalen sind extrem auseinander gelaufen
Ericsson-Aktie kann Nokia schlagen

Ericsson oder Nokia? Auf den ersten Blick eine absurde Frage. Hier die arg geprügelten Schweden, die gerade eine Kapitalerhöhung mit Gewalt durchziehen mussten, weil sie dringend frisches Geld brauchten. Dort die erfolgsverwöhnten Finnen, auf deren Handys die ganze Welt schwört.

FRANKFURT/M. "Natürlich ist Nokia der Marktführer mit gesundem Cash Flow, guten Unternehmensdaten und ohne Bilanzprobleme", sagt der Händler einer US-Großbank. Mit anderen Worten: das genaue Gegenteil von Ericsson. Trotzdem spekuliert der Londoner Händler darauf, dass die Ericsson-Aktie in nächster Zeit Nokia-Titel übertrumpfen wird.

Begründung: "Beide Aktien sind einfach zu weit auseinander gelaufen." Immerhin stürzte Ericsson seit Ende Mai um mehr als siebzig Prozent ab. Nokia blieb im gleichen Zeitraum fast unverändert.

Einige Analysten halten den Kurseinbruch bei Telefonaktiebolaget LM Ericsson für übertrieben. Zeitweise wurde der Weltmarktführer beim Bau von Mobilfunknetzen so bewertet, als stehe er kurz vor der Pleite. Seit dem Tief bei 4,70 schwedischen Kronen am 19. August hat die Aktie zwar rund 25 % zugelegt. Doch die Titel könnten sich glatt versechsfachen und wären immer noch billiger als zu Jahresbeginn.

Gewiss, auch die Aktionäre der Nokia Oyj haben enorme Verluste zu verdauen. Aber spottbillig sind die Titel dennoch nicht. Grund: Trotz aller Probleme gelten die Finnen unverändert als Ausnahmekonzern. Investoren behandelten die weltweite Nummer eins bei Mobilfunktelefonen und Nummer zwei bei Handy-Netzen weit schonender als den ewigen Zweiten Ericsson.

Schlechte Nachrichten aus dem Hightech-Bereich trafen Nokia bislang weniger hart als den schwedischen Erzrivalen. Jüngstes Beispiel: Als die Finnen gestern ihre Umsatzprognose senkten, fiel die Ericsson-Aktie zunächst stärker als der Kurs von Nokia selbst. Verständlich, denn bei den Finnen enttäuschte der schleppende Auftragseingang für neue Mobilfunknetze. Gerade dieser Bereich ist jedoch Ericssons Stärke, während Nokias Hauptstandbein - die Mobilfunkgeräte - die Erwartungen nicht verfehlte.

Aber kann Nokia immer weiter reüssieren, während Ericsson der ewige Verlierer bleibt? Experten bezweifeln, dass die Geschäftsaussichten der beiden Rivalen so unterschiedlich sind, wie ihre Aktienkurse derzeit suggerieren. Manche Händler und Hedge-Fund-Manager haben daher eine so genannte Relative-Value-Position (Long/Short-Spread) aufgebaut: Sie kaufen Ericsson (long) und verkaufen Nokia leer (short). So profitieren Investoren, wenn Ericsson-Aktien sich besser entwickeln als Nokia-Titel - unabhängig vom Gesamtmarkt-Trend. Privatanleger können ein solches Engagement eingehen, indem sie Ericsson-Aktien mit einem Short-Zertifikat auf Nokia oder einen Put-Optionsschein kombinieren.

"Die Marktreaktion auf die Nokia-Verlautbarung zeigt, dass die Aktie immer noch sehr viel Vertrauen genießt", sagt der Londoner Händler, "aber auf dem jetzigen Kursniveau bietet Ericsson ganz klar das größere Potenzial". Tatsächlich glaubt kaum ein Experte, dass das einstige Vorzeigeunternehmen Schwedens ernsthaft insolvenzgefährdet ist. Denn zum einen bringt die laut Unternehmensangaben überzeichnete Kapitalerhöhung frisches Geld. Zudem steht hinter Ericsson als Großaktionär Investor AB, die Holding der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg.

Vor der Kapitalerhöhung prügelten Hedge-Funds wie wild auf Ericsson ein. Sie warfen geliehene Aktien en masse auf den Markt. Ihr Kalkül: Je tiefer wir den Kurs drücken, desto billiger sind die neuen Aktien. Damit wollen die Fonds sich eindecken, um ihre geliehenen Aktien zurück zu geben. Tatsächlich kosteten die jungen Aktien für Altaktionäre nur 3,80 skr.

Die Zeichnungsfrist endete vergangene Woche. Damit fällt künftig ein Hindernis weg, das den Kurs stark belastete. Zwar wird die Ericsson-Aktie ihr Allzeithoch von 166 Kronen so bald nicht erreichen - wenn das überhaupt je geschieht. Aber für Ericsson reicht - anders als bei Nokia - womöglich schon das Ausbleiben negativer Nachrichten, damit der Kurs von zuletzt 6 auf 9 oder 12 Kronen steigt.

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