Aktienkurse geben nach: Börse fürchtet hohe Kriegslasten

Aktienkurse geben nach
Börse fürchtet hohe Kriegslasten

Die Finanzmärkte machen da weiter, wo sie kurz vor Beginn des Irak-Krieges aufgehört hatten: Die Aktienkurse geben nach, Gold, Öl und der Euro legen zu. Nur noch wenige glauben an einen kurzen Krieg.

dri/som/tom DÜSSELDORF. Die Finanzmärkte rechnen nicht mehr mit einem schnellen Ende des Irak-Krieges. Weltweit kam es gestern zu teilweise deutlichen Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten. Nach dem überschäumenden Optimismus an den Börsen kurz nach Kriegsbeginn signalisieren die Kursabschläge jetzt eine deutlich pessimistischere Einschätzung der Marktteilnehmer.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) büßte gut vier Prozent ein, der Dow-Jones-Index lag schon kurz nach Handelseröffnung um knapp drei Prozent unter Vortag. Parallel zu dem Einbruch an den Börsen notierten Euro, Gold und Rohöl deutlich fester. Der Euro erreichte zwischenzeitlich mit gut 1,09 Dollar sogar den höchsten Stand seit Kriegsbeginn.

Nach dem hartnäckigen Widerstand der Iraker und ersten Selbstmord-Anschlägen sehen manche Investment-Strategen sogar schon ihr schlimmstes Szenario eintreten, nämlich einen langwierigen Krieg mit hohen Verlusten. Dies könnte - selbst nach Beendigung des Krieges - zu einer Destabilisierung der ganzen Region und einer Welle neuer Terroranschläge führen.

"Jetzt zeichnet sich ab, dass der Krieg länger dauert, und die Märkte haben dieses neue Szenario bislang noch nicht eingepreist", meint HSBC-Stratege Volker Borghoff. Dabei ist es der Krieg nicht allein, der die Aktienmärkte auf Talfahrt schickt. "Durch den Krieg setzt sich der Investitionsstau bei den Unternehmen fort. Dadurch geraten die Gewinnschätzungen massiv unter Druck. Weil die Aktienmärkte ohnehin nicht günstig bewertet sind, gibt es für die Börsen noch erhebliches Potenzial nach unten", sagt Borghoff. Den Dax sieht Borghoff bei steigendem Risikobewusstsein der Anleger bis auf 1 900 Punkte fallen.

Die kritischere Bewertung des Irak-Krieges überschattet auch die weltweiten Konjunkturaussichten. Ein langer Krieg könnte die USA in eine Rezession stürzen, von der auch Deutschland nicht verschont bliebe, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Horst Siebert, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), schloss im ZDF bei einer Kriegsdauer von mehr als vier bis sechs Wochen "ein Null-Wachstum und möglicherweise eine rezessive Tendenz" für Deutschland nicht aus. Die derzeitigen Prognosen beziffern das Wachstum auf 0,4 Prozent. Die Kriegskosten könnten bei einer längeren Kriegsdauer von 100 Mrd. Dollar auf bis zu 1,6 Bill. Dollar steigen, sagte Siebert weiter. Der Golfkrieg 1991 habe 65 Mrd. Dollar gekostet.

Mit Sorge beobachtet der BDI den steigenden Kurs des Euros: "Jeder Cent, den der Euro gegenüber dem Dollar an Wert gewinnt, belastet die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie." Beim Öl allerdings erwartet der BDI sinkende Preise: "Es ist mehr Öl im Angebot, als nachgefragt wird", sagte der BDI-Sprecher. Volker Treier, Konjunkturexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), befürchtet hingegen, dass ein längerer Krieg den Ölpreis auf hohem Niveau halten könnte, was wiederum das deutsche Wachstum dämpfen könnte. "Für die deutsche Konjunktur ist letztlich entscheidend, wie der Krieg ausgehen wird. Darüber kann man heute aber nur spekulieren", sagte Treier.

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