Aktienkurse halten Unternehmen von Neuemissionen ab
Umtausch von Wandelanleihen in Aktien lohnt kaum

Wandelanleihen haben sich in diesem Jahr - verglichen mit anderen Kapitalanlagen - gut entwickelt. Gemessen am Convertible Bond Index von Goldman Sachs und Bloomberg legten europäische Wandelanleihen aus der Euro-Zone rund 1,2 % zu. Damit schnitten die Wandelanleihen deutlich besser ab als Aktien, die trotz der beeindruckenden Rally der vergangenen Wochen immer noch im Minus liegen.

FRANKFURT/M. Die Stabilität der Wandelanleihen erklären Experten mit der Struktur des Marktes. Bei den meisten Wandelanleihen - festverzinsliche Wertpapiere mit einer Kaufoption auf Aktien (s. Kasten) - lohnt sich die Wandlung in Aktien auf absehbare Zeit nicht. Die Aktienkurse sind so stark gefallen, dass die Investoren einen Verlust machen würden, wenn sie die Papiere gegen Aktien tauschen würden. "Mehr als 90 % der Wandelanleihen haben inzwischen einen sehr rentenähnlichen Charakter", sagt Armin Weißenegger, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Deshalb machten die Convertibles Kursbewegungen an den Aktienmärkten nur sehr begrenzt mit.

Eine Chance auf einen Umtausch sieht Weißenegger bei der 2010 fälligen Wandelanleihe des italienischen Telekomkonzerns Olivetti. Die Aktie muss nur noch um knapp 12 % steigen, damit sich die Wandlung lohnt. Andererseits gebe es aber Wandelanleihen, die wegen ihrer Rendite eine Alternative zu herkömmlichen Unternehmensanleihen seien, sagt Weißenegger. Besonders interessant findet er den Wandler des französischen Multimediakonzerns Thomson, der mit rund 4,5 % für eine Restlaufzeit von knapp drei Jahren eine höhere Rendite als vergleichbare Unternehmensbonds biete.

"Mit Blick auf eine Wandlung sind für Privatanleger im Prinzip nur Neuemissionen interessant, die sich an den aktuellen Aktienkursen orientieren", sagt Susanne Otto, Geschäftsführerin bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Fleming. Dass Anleger nach neuen Wandelanleihen hungern, zeigte die Anfang des Jahres begebene Wandelanleihe der Deutschen Telekom. Der rund 2,3 Mrd. Euro schwere Convertible war mehr als dreifach überzeichnet. Dabei haben Investoren bei dieser Wandelanleihe am Ende der Laufzeit nicht die Wahl, sich ihr Geld in bar auszahlen zu lassen. Denn das Papier wird nur in T-Aktien zurückgezahlt. Die so genannte Zwangswandelanleihe (Mandatory Convertible) hat mit 6,5 % aber einen deutlich höheren Zinsschein als herkömmliche Wandler. Mandatory Convertibles gibt es in Europa erst seit vergangenem Jahr.

Zurzeit halten sich Unternehmen mit Wandelanleihe-Emissionen zurück. Im ersten Quartal 2003 kamen laut Informationsdienst Dealogic in Europa neue Wandelanleihen über nur 4,1 Mrd. Dollar an den Markt - 41 % weniger als im Vorjahresquartal. 2002 war der Rückgang ähnlich hoch. "Trotz niedriger Zinsen und hoher Volatilitäten haben viele Unternehmen wegen niedriger Aktienkurse gezögert, Wandelanleihen zu emittieren", erklärt Frank Heitmann, Direktor im Aktienbereich von Credit Suisse First Boston. Wenn die Aktienmärkte weiter freundlich blieben, könnten auch wieder mehr Convertibles auf den Markt kommen. So hätten US-Unternehmen allein in der vergangenen Woche Wandelanleihen über rund fünf Mrd. Dollar emittiert. Der US-Markt für Convertibles ist viel größer als der europäische.

Auch wenn Wandelanleihen in den vergangenen drei Jahren ihren eigentlichen Zweck - den günstigen Tausch in Aktien - nicht erfüllt haben, hält Susanne Otto von JP Morgan Fleming die Papiere als Depotbeimischung für attraktiv. Gerade bei volatilen Aktienmärkten böten die Wandler eine Chance, an den Gewinnen der Dividendenpapiere teilzuhaben, ohne das volle Risiko zu tragen. "In den vergangenen Jahren war der Sicherheitsaspekt der entscheidende Vorteil der Wandelanleihen", sagt auch Heitmann.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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