Aktienkurse und Anleiherenditen in ungewöhnlichem Gleichlauf
Europäische Zentralbank: Anlegern fehlt Orientierung

"Wenn die Anleihezinsen sinken, dann steigen umgekehrt die Aktienkurse." Diese Börsenweisheit hat die Anleger im letzten Jahr und bisher auch in diesem Jahr im Stich gelassen.

fk FRANKFURT/M. Aussage der Europäischen Zentralbank im soeben veröffentlichten Jahresbericht 2001: "Über weite Strecken bewegten sich die langfristigen Zinssätze und die Aktienkurse im Euroraum in dieselbe Richtung." Die übliche negative Korrelation zwischen beiden Größen war nach EZB-Feststellung 2001 nur unmittelbar nach den Terroranschlägen in den USA für einige Wochen zu beobachten: Seinerzeit ist der Euro- Stoxx-Aktienindex sofort rasch abgestürzt, hat aber früher als die nachziehenden Renditen zehnjähriger Staatsanleihen wieder zugelegt. So hat es von Mitte September bis Anfang November die normalen gegenläufigen Entwicklungen zwischen Aktien- und Rentenkursen gegeben.

Der zuvor und auch später wieder starke Gleichlauf zwischen den Aktienkursen und den Anleiherenditen zeigt den Euro-Wächtern, dass es für die Marktteilnehmer 2001 "besonders schwierig" war, die Konjunktur und die Aussichten für die Unternehmenserträge einzuschätzen. Einerseits verschlechterten sich die Aussichten im Einklang mit der weltweiten Entwicklung. Das führte nicht nur zu einem Absinken der Kurzfristzinsen, sondern - in geringerem Ausmaß - auch der Langfristzinsen. Gleichzeitig gingen die Aktienkurse zurück, ein Zeichen, dass die rückläufige Konjunktur einen stärkeren Einfluss auf die Prognosen für die Erträge hatte als die zur Abzinsung künftiger Dividenden herangezogenen Zinssätze.

Die Terroranschläge im September unterbrachen die starke positive Korrelation: Sie riefen eine erheblich höhere Verunsicherung und eine deutlich niedrigere Risikobereitschaft unter den Investoren hervor, die ihr Kapital vom Aktienmarkt in sichere Anlageformen umschichteten. Dabei änderten sich aber die langfristigen Zinssätze unmittelbar nach den Anschlägen nur relativ geringfügig. "Die Anleger im Euroraum bevorzugten - anders als in vorherigen turbulenten Phasen - kurzfristige Anleihen oder Bankeinlagen gegenüber langfristigen Anleihen." Zugleich haben die Anschläge keine signifikante Neueinschätzung der langfristigen Wachstumsaussichten ausgelöst.

Die Rückkehr zur ungewöhnlichen positiven Korrelation zwischen Langfristzinsen und Aktienkursen wurde erreicht, als Anfang November die langfristigen Zinsen anstiegen. Das führt die EZB auf den damals nachlassenden Pessimismus der Anleger bezüglich der Wirtschaftsaussichten im Eurogebiet zurück, und das zeigte sich auch in wieder steigenden Aktienkursen.

Erklärung der EZB für die in jüngster Zeit trotzdem nur "weitgehend" stabilen Aktienkurse: "An den US-Märkten gibt es offenbar Bedenken hinsichtlich der Tragbarkeit der hohen Unternehmensverschuldung sowie der Verlässlichkeit ausgewiesener Erträge, insbesondere im Energie- und Technologiebereich. Gleichzeitig wurden die Marktteilnehmer optimistischer, dass ein Aufschwung unmittelbar bevorstand." Und, fügt die EZB hinzu: "Dieselben gemischten Signale schienen die Aktienkurse in Europa zu beeinflussen."

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