Aktienkurse von Reiseveranstaltern und Hotelketten bewegen sich wieder aufwärts
Touristikbranche auf Erholungskurs

Aufatmen in der Reisebranche. Der zweitgrößte Anbieter in Europa, die Karstadt-Lufthansa-Tochter Thomas Cook AG, rechnet nur noch mit einer kurzfristigen "Wachstumsdelle". Der Chef des Marktführers Preussag AG, Michael Frenzel, hält die Reisestornierungen nach dem Anschlag in den USA für "nicht dramatisch".

DÜSSELDORF/LONDON. Auch bei den Anlegern hat sich die Stimmung etwas beruhigt. Nachdem die Preussag-Aktie von 36 Euro auf fast die Hälfte abgestürzt war, gehörte sie Anfang dieser Woche zu den Tagesgewinnern. "Die Aktienmärkte hatten übertrieben reagiert", meint Analyst Michael Köhler von der SEB-Bank. Zwar meldete Preussags wichtigster Veranstalter TUI eine Stornierungsquote beim Reiseziel Ägypten von 3,6 %, üblich sind 1,2 %. "Die Reiseziele im Nahen Osten und in den USA machen aber nur einen geringen Teil des Preussag-Angebotes aus", sagt Philip Bonhoeffer vom Investmenthaus Merck Finck. Zudem sei das vierte Quartal ohnehin das schwächste in der Tourismus-Branche. "Das Hauptgeschäft ist schon gelaufen."

Trotzdem erwartet Merck Finck, dass sich die Preussag-Aktie nur noch wie der Markt entwickelt und stufte sie auf Market-Performer herab. Dagegen meint Michael Riedel von der Bankgesellschaft Berlin, dass sich Preussag besser schlägt als der Rest der Branche. "Fair bewertet ist die Aktie mit 26 bis 30 Euro", sagt er. Die Aktie müsste also weiter steigen. Voraussetzung: Die die Lage eskaliert nicht weiter.

Darin sind sich die Analysten einig: Die Zukunft der Touristikwerte hängt entscheidend davon ab, ob und wie Vergeltungsaktionen aussehen werden. Mit korrigierten Empfehlungen halten sich die meisten Investmenthäuser deshalb noch zurück. Für die US-Investmentbank Bear Stearns ist es aber klar, dass die Branche mit am stärksten unter den Nachwirkungen der Terrorattacken zu leiden hat. Es werde dauern, bis die Reisetätigkeit wieder normale Niveaus erreiche.

Der größte britische Pauschalreisenanbieter Airtours Plc kann das am Stand seiner Aktien ablesen. Ende April kostete ein Papier noch 336 Pence. In den vergangenen Tagen verlor die Notierung bis zu zwei Drittel an Wert. Die Reaktion der Investoren ist nachvollziehbar, schließlich hängen 18% des Betriebsgewinns vom Geschäft in Nordamerika ab. Bislang sei man auf dem Weg, die Gewinnerwartungen für dieses Geschäftsjahr (30.9) zu erfüllen, sagt CEO Tim Byrne.

Im gestrigen Handelsverlauf stieg die Aktie um 14% auf 147 Pence. Bei Andrew Hunter von Merrill Lynch steht Airtours mit einem Kursziel von 275 Pence auf "Aufstocken" . Es komme bei Airtours nicht so sehr auf Volumen, sondern auf hohe Margen an. Und die ließen sich trotz getrimmter Kapazitäten erzielen.

Auch der Hotelkonzern Hilton Group Plc musste Federn lassen. Der Kurs seiner Aktien ist gemessen an seinem Höchststand von Mitte Juli auf 174 Pence oder um ein knappes Drittel gesunken. Der um 33 % gestiegene Halbjahresgewinn, der Ende August verkündet wurde, zählt da nicht mehr. Und auch der Hinweis von Greg Johnson, Charterhouse, dass die Hilton Group nur wenige Hotels in den USA besitzt und die beiden amerikanischen Kontinente lediglich 8 % zum Gewinn beitragen, hilft nicht. Wenn der Markt wieder stärker auf Argumente hört, werde man dies berücksichtigen, glaubt Andrew Hunter von Merrill Lynch. Für ihn ist Hilton Group ein Kauf mit einem Kursziel von 300 Pence.

Trost in schwierigen Zeiten erhält der französische Touristikkonzern Accor. Dessen Aktie empfehlen die Analysten der Deutschen Bank jetzt zum Kauf. Zwar sei ein Rückgang von Reisen nach Europa sehr wahrscheinlich und die Prognosen für Accor müssten nach unten korrigiert werden. Dies sei im Kurs aber bereits mehr als berücksichtigt. Zudem sei Accor wenig von US-Reisen nach Europa abhängig. Seine Expansionspläne musste Accor-Chef Jean-Marc Espalioux aber zum Teil auf Eis legen. Die größte europäische Hotelkette (Novotel, Sofitel, Ibis und Mercure) werde langfristig aber weiter wachsen.

Das erwarten Analysten für die gesamte Branche. "Vielleicht fliegen die Leute weniger in die USA und arabische Länder. Sie werden aber sicher nicht ganz zu Hause bleiben", sagt SEB-Experte Köhler.

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