Aktienkurse würden profitieren
Anlagenbauer sind ungeliebte Konzerntöchter

Es ist die große Chance des Helmut Werner, doch noch deutsche Industriegeschichte zu schreiben. Fünf Jahre, nachdem er sich im Machtkampf mit Jürgen Schrempp um die Daimler-Spitze geschlagen geben musste, kann der Spitzen-Manager noch einmal groß rauskommen. Als Aufsichtsratschef der MG Technologies gehört Werner zu den Haupttreibern eines groß angelegten Umbaus der deutschen Industrie: der Gründung der Deutschen Anlagenbau AG. "Strategisch und operativ macht eine große Lösung Sinn", sagt er. Doch die Zeit rennt. Wenn Werner die Fusion der Anlagenbau-Beteiligungen der deutschen Industrie-Konglomerate erreichen will, dann bis spätestens 2003. Da nämlich läuft sein Aufsichtsratsmandat bei der MG aus.

DÜSSELDORF. Die Überlegungen sind alt, die Gerüchte neu und die Phantasien hochfliegend. Zwar wird derzeit noch vieles dementiert. Doch hinter den Kulissen arbeiten MG Technologies und ThyssenKrupp offensichtlich an einer Zusammenlegung ihrer Beteiligungen. Geht es nach Rolf Breuer, dem scheidenden Vorstandschef der Deutschen Bank, kämen dazu noch die jeweiligen Töchter von MAN und Linde. Die Deutsche Bank und die Allianz halten an all diesen Unternehmen ihre Beteiligungen. Selbst wenn zu Anfang nicht alle mitmachen, wäre das der Durchbruch für den lang erwarteten Umbau der deutschen Industrie. Gleichzeitig würde die Deutsche Anlagenbau AG die Probleme vieler Beteiligter auf einmal lösen. Nur: Noch sind nicht alle überzeugt.

In der Diskussion sind folgende Spieler:MG Technologies bringt ihre Anlagenbautöchter Lurgi, Lentjes und Zimmer ein. Von Thyssen-Krupp kämen Uhde und Polysius, Hersteller von Chemie- und Zementanlagen. MAN würde Ferrostaal einbringen, einen Generalunternehmer und Finanzier von Großanlagen. Dazu käme der Großanlagenbau von Linde aus dem Bereich Raffinerieanlagen. Babcock-Borsig wäre gerne mit von der Partie, nur will die keiner.

Nach Ansicht von Chris Bergmann, Managing Director bei Morgan Stanley in München, ist die Konsolidierung der Branche dringend nötig. Es gibt große Überkapazitäten im Markt. "Gleichzeitig haben die Kunden der Anlagenbauer im Bereich Öl, Chemieanlagen und Pharma eine Konsolidierungswelle hinter sich und damit enorme Einkaufsmacht aufgebaut." Das können die Anlagenbauer nur durch Zusammenschluss und Abbau ihres Kapazitätsüberhangs kontern.

Entsorgung. Angestoßen wurde der Prozess vom scheidenden Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, der die Allianz in dieser Frage hinter sich weiß. Beide wollen ihre Industriebeteiligungen loswerden. Vor allem die Deutsche Bank steht unter Druck, sich gegen eine Übernahme zu schützen. Das Problem: Keiner will die Anteile haben. Breuer hofft, die Phantasie eines großen Deutschen Anlagenbaukonzerns könnte den möglichen Kandidaten neuen Auftrieb geben.

Doch genau da liegt da Problem: Die aktuelle Diskussion ist rein verkäufergetrieben. Einer der Hauptgründe, warum sich vor allem Linde gegen eine derartige Lösung sperrt. Der Wiesbadener Mischkonzern will nicht die Probleme der anderen lösen. So erteilte Vorstandschef Full der Lösung eine harsche Absage. Das Ganze besitzt zu sehr den Geruch einer Entsorgungsveranstaltung. Kritische Stimmen kommen auch von MAN: "Eine Deutsche Anlagebau AG darf nicht aus einem Sammelsurium von kranken und gesunden Teilen bestehen", heißt es aus dem Aufsichtsrat. Ferrostaal macht gute Gewinne.

Dennoch: Den Wünschen der Großaktionäre Deutsche Bank und Allianz mag sich kaum einer gänzlich verschließen. So arbeitet Thyssen-Krupp-Oberaufseher Gerhard Cromme angeblich "sehr positiv und konstruktiv an einer Lösung mit". Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz soll sich bereits vergangene Woche mit Vorstandsmitgliedern der Deutschen Bank und der Allianz in Düsseldorf getroffen haben. Das wird offiziell noch dementiert. Auf MAN-Seite verkündete Vorstandschef Rudolf Rupprecht auf der Hauptversammlung, er sei offen für Gespräche über eine Fusion mehrerer Konzerne zu einer Deutschen Anlagenbau-AG.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%