Aktienmärkte reagieren kaum auf Wahlentscheidung
US-Finanzmärkte: Die Unsicherheit bleibt

An den US-Finanzmärkten wird nach Einschätzung von Experten wahrscheinlich auch nach dem offiziellen Wahlsieg von George W. Bush die Unsicherheit weiter bestehen, die den Handel zuletzt belastet hatte. "Das ist noch nicht vorbei", sagte etwa Carl Weinberg, Volkswirt bei High Frequency Economics.

Reuters NEW YORK. "Der Handel an den Märkten wird wie üblich weiter gehen und die gerichtlichen Auseinandersetzungen (um den Wahlausgang) werden auch weiter gehen. Von daher erwarte ich keine Änderung, was die Strategien im weltweiten Handel angeht", so Weinberg.

"Die Unsicherheit besteht weiter", sagte auch Edson Bridges von Bridges Investment. "Aber dies ist keine wirkliche Neuigkeit. Deshalb wird es den Markt nicht in die eine oder andere Richtung beeinflussen." Der Euro reagierte nach Angaben von Händlern kaum auf den Entscheid aus Florida und verharrte knapp oberhalb von 0,84 $.

Der Nasdaq-Future notierte am Montagmorgen (MEZ) 61 Punkte über seinem Vortagesschluss, hatte allerdings auch schon vor dem Florida-Entscheid im Plus gelegen. An der Börse in Tokio gewann der Nikkei-Index 2,8 % auf 14 720 Zähler, was Händler auf die starken Gewinne an der US-Technologiebörse Nasdaq am Freitag und auf Anzeichen auf ein Ende des Rennens um den US-Präsidentenamtes zurück führten. Die Hongkonger Börse lag nach der Vormittagssitzung 0,6 % im Plus. Dabei wurde der Markt nach Angaben von Händlern durch Kursgewinne im Immobilien- und Bankensektor gestützt. Am Freitag hatten in den USA die Nasdaq 5,4 % und der Dow-Jones-Index 0,7 % zugelegt.

Die Wahlkommission in Florida hatte am Sonntagabend (Orstzeit) den Republikaner Bush zum dortigen Sieger der US-Präsidentenwahl mit einem Vorsprung von 537 Stimmen erklärt. Bush sagte kurz danach, er fühle sich durch den Sieg geehrt und bereite sich nun darauf vor, das Präsidentenamt zu übernehmen. Dagegen kündigte Joseph Lieberman, Gores Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, umgehend rechtliche Schritte gegen das Ergebnis von Florida an. Der Bundesstaat entscheidet wegen des knappen landesweiten Ergebnisses mit seinen 25 Stimmen im Wahlmännerkollegium über den zukünftigen Präsidenten der USA.

Bei der Mellon's Bank hieß es zu der Entscheidung aus Florida, grundsätzlich sei dies positiv für Bush. "Aber es ist auch so, dass die Bürger auf eine Entscheidung des Obersten Gerichts warten. Eine Entscheidung von dort zugunsten von Bush würde ihm eine stärkere Legitimität geben", sagte der Währungsexperte Marc Chandler.

Mit Blick auf die von vielen Finanzexperten an den Aktienmärkten erwartete Rallye zum Jahresende sagte Carl Weinberg von High Frequancy, einen solchen Aufschwung werde aus seiner Sicht nicht geben, solange nicht klar sei, wer in Florida gewonnen habe. "Und darüber gibt es derzeit noch einen Streit."

Bush forderte Gore nach dem Florida-Entscheid auf, das Ergebnis anzuerkennen und von weiteren rechtlichen Schritten Abstand zu nehmen. Trotz aller Differenzen über den Ausgang der Wahl gebe es zwischen ihnen beiden eine breite Übereinstimmung in wichtigen Grundsatzfragen. Er appellierte an seinen Konkurrenten, in Sachfragen zusammenzuarbeiten.

Gore wollte erst am Montagmittag (18.00 Uhr MEZ) Stellung nehmen. In einem am Sonntag auf der Website der Tageszeitung "New York Times" veröffentlichten Interview sagte er, er werde weiterkämpfen, weil noch nicht alle Stimmen in Florida ausgezählt seien. Die Demokraten hätten gar keine andere Wahl, als das Ergebnis anzufechten, sagte Lieberman in Washington. Es sei "unvollständig und ungenau".

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