Aktienmärkte weltweit im freien Fall
Börsenbulle im Staub

Der Börsenbulle liegt im Staub. Alles anfeuern und gesundbeten von Analysten, Banken und Börsenjournalisten half nicht: Das kraftvolle Tier - Symbol für steigende Kurse an den Aktienmärkten - scheint den Kampf mit seinem Kontrahenten dem Bären vorerst verloren zu haben. Weltweit befinden sich die Börsenkurse seit Monaten im freien Fall. Die Aktienindizes erreichen täglich neue Tiefstände.

dpa FRANKFURT/MAIN. Immer neue Hiobsbotschaften von Unternehmen und die anhaltende Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung haben einen Käuferstreik ausgelöst. Selbst bei aktuell niedrigen Kursniveaus will kaum jemand zugreifen. Zugleich verlieren nun auch professionelle Anleger die Nerven und verkaufen aus ihren Depots.

"Wir haben einen Bärenmarkt. Da beißt die Maus keinen Faden ab", urteilte am Freitag ein Händler auf dem Frankfurter Börsenparkett. Der Deutsche Aktienindex DAX rauschte unter die Marke von 4 800 Punkten und damit auf den niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren. Symbol des Tiefenrausches ist die jämmerliche Entwicklung der T- Aktie: Das Papier der Telekom fiel bis unter 15 Euro und dümpelt damit wieder nahe des Ausgabepreises zum Börsenstart der "Volksaktie" 1996.

Der krisengeschüttelte Neue Markt gibt nur noch ein Trauerspiel. Der Nemax 50 für die Top-Werte und auch der breiter gefasste Nemax All Share sind unter die Marke von 1 000 Punkte abgetaucht. Seit dem gigantischen Hoch von 9 000 Punkten beim Nemax 50 im März vergangenen Jahres sind Verluste von 90 % bei zahlreichen Aktien die Regel.

Neue Schmerzgrenzen in Japan

Auch an der New Yorker Wall Street sieht es nicht besser aus: Der wichtige Dow-Jones-Index der Weltleitbörse krebst nur noch bei knapp 9 800 Punkten herum. Die Technologiebörse Nasdaq schafft gerade noch 1 700 Punkte. In Japan erreicht die Börsendepression täglich neue Schmerzgrenzen: Der Leitindex Nikkei kämpft bereits mit der 10 000er- Marke nach rund 20 000 Zählern Anfang 2000.

Quer durch alle Branchen mussten die Gewinnerwartungen für 2001 und 2002 drastisch reduziert werden. Hoffnungen, die Zinssenkungen der US-Notenbank um bereits 3 %punkte seit Jahresbeginn könnten das Blatt wenden, sind geplatzt. Ein Licht im Konjunkturtunnel ist nicht auszumachen. Entscheidend ist die unerwartet hartnäckige Flaute in den USA. Das wirtschaftlich einst gefürchtete Japan steckt ohnehin in einer tiefen Krise.

"Bodenbildung nicht in Sicht"

Die Exportnation Deutschland wird davon besonders hart getroffen. Die Ausfuhrzuwächse - besonders in der Autoindustrie - sind zwar noch beachtlich. Wichtiger für die Börsianer ist aber die Entwicklung der Auftragseingänge, da die Bestellungen der Kundschaft im In- und Ausland ein Bild der Zukunft zeichnen. Und dieses ist düster: Im Juli erhielt die deutsche Industrie saison- und preisbereinigt 1,4 % weniger Aufträge als im Vormonat. Binnen Jahresfrist beträgt dar Rückgang gut 4 %. Einen Dämpfer brachten auch die Zahlen zur Produktion im Juli: Sie sank zum Vormonat um 1,5 %.

Nach Einschätzung von Fachleuten könnte daher trotz bereits horrender Verluste das Schlimmste an den Börsen noch kommen. "Die Trends der Aktienmärkte sind klar abwärts gerichtet. Eine maßgebliche Bodenbildung ist bisher nicht in Sicht", sind die Analysten der Frankfurter Sparkasse überzeugt. Für den Marktpsychologen Joachim Goldberg vom Institut Cognitrend gibt es ohnehin "noch zu viele Optimisten" - besonders unter professionellen Investoren. Eine Wende zum Positiven sei aber erst möglich, wenn auch der letzte Börsianer kapituliere. Dies habe die Vergangenheit gezeigt.

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