Aktienmarkt 2003
Neues Jahr – alte Risiken

38 % beträgt das Minus im Deutschen Aktienindex (Dax) seit Jahresbeginn, 28 % sind es beim MDax und sogar 62 % beim Nemax 50. Sind deutsche Aktien vor diesem Hintergrund überhaupt noch eine interessantes Investment oder ist im kommenden Jahr mit weiteren Rückschlägen zu rechnen, fragen sich inzwischen viele Anleger.

FRANKFURT/M. Die ersten Einschätzungen zu den Zukunftsaussichten deutscher Aktien, die dieser Tage veröffentlicht werden, sind denn auch von einer gewissen Vorsicht geprägt, vor allem, was den kurzfristigen Horizont anbelangt.

Mit "Neues Jahr - alte Risiken" überschreibt das Düsseldorfer Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt seine Prognose für 2003. Zwar sehen die Experten noch bis zum Jahresende eine Kurserholung bis in einen Bereich zwischen 3 400 und 3 600 Punkten beim Dax, ab dem neuen Jahr geht es aber rapide bergab. Makroökonomische Faktoren, die Zinsentwicklung und nicht zuletzt der hohe Abschreibungsbedarf bei den Unternehmen spielen dabei eine Rolle. "Der Markt ist noch immer viel zu optimistisch", so die Einschätzung von Trinkaus-Stratege Volker Borghoff. Die Unternehmen werden seiner Ansicht nach in der Bilanz 2002 massiv Goodwill-Abschreibungen ansetzen. Beispiele gab es in den letzten Tagen bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen bereits genüge, von Allianz bis zu Commerzbank, von der Telekom bis zu Infineon. Borghoff erwartet deshalb ein sehr schwaches 1. Quartal 2003, was den Dax erneut deutlich unter 3 000 Punkte drücken könnte. Anschließend prophezeiht er ähnlich wie 1999 eine Stagnationsphase von 6 bis 9 Monaten, ehe der deutsche Leitindex zum Jahresende 2003 bis auf 3 350 Punkte nach oben gehen soll. Ähnlich sind die Erfahrungen von Norman Rösch von Goldman Sachs. "Weltweit sind zehn von zwölf CEOs für 2003 außerordentlich bearish", sagte er bei einer Veranstaltung der Fondsgesellschaft Lupus Alpha.

Neben den schwachen Unternehmensdaten sind es aber auch die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen, die eine Kurserholung 2003 erschweren. Volker Borghoff hält die gegenwärtige Wirtschaftskrise in Deutschland für hausgemacht und politische Turbulenzen im kommenden Jahr, die sich ebenfalls negativ auf die Aktienmärkte auswirken könnten, durchaus für möglich. Die Erhöhung der Sozialbeiträge ab 2003 würde die Gewinne der Dax-Unternehmen zwar nur unwesentlich belasten, der psychische Effekt sei jedoch groß. Auch eine weitere Zinssenkung kann seiner Ansicht nach nicht wie in früheren Zeiten für entsprechende Stimulanz an den Börsen sorgen. "Der Aktienmarkt hat sich vom Zinszyklus bereits abgekoppelt", so Borghoff. Grund dafür ist, dass sich neben den längerfristigen Gewinnaussichten der Unternehmen auch die Renditeerwartungen an Aktien verschlechtert hat.

Tendenziell besonders drastisch sind von diesem Gesamtszenario Unternehmen mit hohem Inlandsumsatz betroffen, da dieser bereits seit Mitte der Neunziger stagniert. Übergewichten sagt Volker Borghoff deshalb zu den Bereichen Chemie & Pharma, Versicherungen, Versorger und Telekom, während er bei Automobilen, Banken, Maschinenbau und Software zum Untergewichten rät. Konkret zählen Deutsche Börse, Krones, Adidas-Salomon, Puma, Schwarz Pharma, Aareal Bank, Vossloh, Zapf Creation, Hannover Rück, Fraport, AMB, Drägerwerk, Degussa, Continental sowie Hornbach zu seinen Favoriten.

Trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen für 2002 scheint die Aktie ihren Reiz auf viele Anleger nicht verloren zu haben. "Zwei von drei Investoren erhöhen derzeit ihre Aktienquote" so Norman Rösch. Immer wichtiger werde allerdings das Stock Picking und weniger das generelle Abbilden eines Index. "Fondsmanager müssen wieder verstärkt nach chancenreichen Einzelwerten schauen, dann erwirtschaften sie auch in schlechten Börsenzeiten eine Rendite, die sich sehen lassen kann", so seine Prognose.

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