Aktienmmärkte sehen Wahl gelassen
Enger Wahlausgang schlechtes Omen für Wirtschaft

Ein Wahlausgang ohne klaren Sieger könnte nach Einschätzung von Volkswirten die schon angeschlagene Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter verschlechtern.

Reuters FRANKFURT. Selbst wenn die beiden Volksparteien schnell die Unklarheiten beseitigen und eine Große Koalition bilden: Die Volkswirte fürchten ein solches Bündnis als "Pakt der Blockierer". Die Aktienmärkte sehen der Wahl dagegen gelassen entgegen. Aktienstrategen rechnen nicht mit nachhaltigen Kursausschlägen - eine Regierung ohne die PDS vorausgesetzt.

Nachdem die Wahlumfragen monatelang einen klaren Vorsprung für CDU/CSU und FDP auswiesen, wendet sich seit der Hochwasserkatastrophe das Blatt. Die SPD hat kräftig aufgeholt, die Rot-Grüne Regierungskoalition liegt in den meisten Umfragen nur noch knapp hinter Schwarz-Gelb.

Unsicherheit nach Wahl ist Gift für die Wirtschaft

Sollte die Wahl keinen eindeutigen Sieger bringen, könnte dies nach Einschätzung von Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen die Wirtschaft vorübergehend verunsichern. "Unsicherheit ist immer Gift für die Wirtschaft", sagt der Volkswirt. Allerdings vermutet Solveen, dass sich die Volksparteien schnell auf eine Große Koalition einigen würden - eine Variante, die bislang beide Seiten ablehnen.



Ein Regierung der beiden großen Parteien hält Solveen allerdings angesichts notwendiger Reformen der Sozialsysteme und des Arbeitsmarktes nicht für einen Glücksfall: "Ein solches Bündnis kann eine Koalition der Blockierer werden." Auch Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin sieht in einer Großen Koalition eher Stillstand angelegt. "Es besteht die Gefahr, dass die Parteien sich gegenseitig blockieren und sich auf Kosten des anderen profilieren wollen", sagt der Ökonom.

Wirtschaftsverbände äußern sich nur sehr zurückhaltend zu den wirtschaftlichen Folgen des Wahlausgangs - eine Zitterpartie sehen sie jedoch ebenfalls mit Skepsis. "Auch die Industrie wünscht sich wie jeder natürlich stabile Mehrheiten, damit so dringend notwendige Reformen für Deutschland durchgesetzt werden können", sagt beispielsweise eine Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Bislang schweigen sich die meisten Wirtschaftsvertreter darüber aus, welchen Wahlausgang sie bevorzugen. Mehrere Umfragen weisen allerdings eine Schwarz-Gelbe-Koalition als Favorit von Finanzmarktakteuren und Managern aus.

Börsen sehen Wahl gelassen

An den Aktienmärkten dürfte sich nach Ansicht von Aktienstrategen der Wahlausgang kaum bemerkbar machen. Lediglich ein Regierungsbeteiligung der PDS könne die Märkte nachhaltig belasten. Angesichts der geringen Unterschiede der Programme von CDU/CSU und SPD sehen auch die Aktienanalysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt in einer Studie selbst bei einem Regierungswechsel keine deutlichen Kurssprünge an den Börsen. "Wir rechnen daher nicht mit einem nachhaltigen Börsenaufschwung in unserem Hauptszenario (eines Regierungswechsels), sondern lediglich mit einer kurzfristigen Aufhellung der Stimmung." Am liebsten sehen aber auch die Aktienmärkte eine klare Regierungsmehrheit. "Eine Mehrheit von einem oder zwei Sitzen wäre mehr als ein Schönheitsfehler", sagt ein Aktienanalyst. "Eine Stimme geht schnell einmal verloren."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%