Aktienoptionen erneut unter Beschuss
Schon wieder Ärger für Telekom

Der Deutschen Telekom steht nach der Kritik wegen der drastischen Aufstockung von Vorstandsgehältern neuer Ärger ins Haus. Zwei Rechtsanwälte haben nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" Anzeige gegen Telekom-Manager wegen des Verdachts der Untreue gestellt.

Reuters BONN. Die Anwälte werfen demnach der Telekom-Spitze vor, ihre Aktionäre durch den Aktienoptionsplan für das Telekom-Management vom vergangenen Jahr "um mindestens 375 Millionen Euro" geschädigt zu haben. Die Telekom wies die Vorwürfe am Sonntagabend umgehend zurück und bezeichnete sie als "völlig unverständlich".

Die beiden Stuttgarter Rechtsanwälte Mark Binz und Martin Sorg haben nach Darstellung der "Süddeutschen Zeitung" gegen aktive und ehemalige Mitglieder des Telekom-Vorstands und-Aufsichtsrats Strafanzeige gestellt. Sie werfen demnach den Telekom-Verantwortlichen vor, bei der Hauptversammlung im vergangenen Jahr den Aktionären "grob wahrheitswidrige" Angaben zu dem Aktienoptionsplan für die leitenden Manager des Unternehmens gemacht zu haben. Der Optionsplan sei fehlerhaft und zu Ungunsten der Aktionäre ausgelegt worden.

Nach Darstellung der Zeitung werfen die Anwälte der Telekom-Spitze vor, bei dem Aktienoptionsplan ein wichtiges Kriterium zur Bemessung des Erfolgs der Vorstandsarbeit aus dem Plan fallen gelassen zu haben. Durch den Wegfall dieses so genannten "relativen Erfolgsziels" sei es nicht mehr möglich, die Vorstandsarbeit zu bewerten. Vorstand und Aufsichtsrat hätten den Aktionären jedoch bei der Hauptversammlung suggeriert, dies sei für sie von Vorteil. "Diese Darstellung war jedoch grob wahrheitswidrig", heißt es laut "SZ" in der Strafanzeige. Ferner seien die Aktienoptionen so verbucht worden, dass sie im Falle einer Ausübung für das Unternehmen steuerlich nicht absetzbar seien. Falls die Begünstigten ihre Rechte voll ausüben würden, entstehe dadurch eine Belastung von rund einer Milliarde Euro für die Telekom statt einer möglichen Belastung von nur 625 Millionen Euro. Dies ergebe einen Nachteil von 375 Millionen Euro zum Schaden der Telekom-Aktionäre.

Telekom-Sprecher Ulrich Lissek wies die Vorwürfe im Gespräch mit Reuters zurück und bezeichnet es als "äußerst verwunderlich", dass die SZ die Telekom dazu noch nicht befragt habe. Die Strafanzeige sei der Telekom noch nicht bekannt. "Fest steht aber, dass es im Zusammenhang mit dem Optionsprogramm keinen Cash-Out aus dem Unternehmen gibt", sagte Lissek. Die genannte Summe von 375 Millionen Euro sei nicht erklärbar, da bislang auf Grund des Aktienkurses noch kein einziger Manager von seinen Optionen habe Gebrauch machen können. Die Optionen sehen Lissek zufolge eine Ausübungshürde von 30 Euro vor. Zuletzt notierte das Telekom-Papier aber bei nur 10,80 Euro.

Der Vorstand habe für dieses Jahr komplett auf seine Optionsrechte verzichtet und die übrigen Manager würden gegebenenfalls nur 50 Prozent der in dem Optionsplan zugesicherten Aktien erhalten, erinnerte der Sprecher. Lissek räumte ein, dass in dem Plan das "relative Erfolgsziel" herausgelöst worden sei. "Das wurde gemacht, weil es in keinen internationalen Unternehmen so üblich ist", begründete er diese Maßnahme.

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