Aktienoptionen im Visier: Geplante Regeln bringen Bilanzgewinne in Gefahr

Aktienoptionen im Visier
Geplante Regeln bringen Bilanzgewinne in Gefahr

US-Unternehmen müssen vermutlich bald Aktienoptionen als Personalaufwand ausweisen. Denn die bisherigen Regelungen, die so etwas nicht zwingend vorschreiben, will das für die US-Bilanzierungsgrundsätze US-Gaap zuständige Federal Accounting Standards Board (FASB) überarbeiten.

tmo NEW YORK. Außerdem sollen die Bilanzregeln für betriebliche Pensionspläne verschärft werden. Beide Maßnahmen würden die Bilanzgewinne der US-Konzerne um viele Milliarden Dollar schrumpfen lassen. Besonders betroffen sind Technologiefirmen wie Microsoft, Cisco und Intel, die große Optionspläne besitzen.

Die neuen Regeln zum heiß umstrittenen Bereich Aktienoptionen will das FASB nach einem einstimmigen Beschluss vom vergangenen Mittwoch in zwölf Monaten vorlegen. Beim Thema Pensionspläne soll eine Arbeitsgruppe des FASB bereits in sechs Monaten einen Reformentwurf präsentieren.

"Wir müssen jetzt das Gaspedal durchtreten", sagte FASB-Vorsitzender Robert Herz. Sein Gremium reagiert mit der Initiative auf massiven öffentlichen Druck. Die Möglichkeit, Optionspläne an der Gewinn- und Verlustrechnung vorbei zu schleusen, hat laut Kritikern Bilanzskandale wie bei den US-Firmen Enron und Worldcom begünstigt. Aktionärsschützer, aber auch Milliardär Warren Buffett und US-Notenbankchef Alan Greenspan fordern seit langem, Aktienoptionen als Kosten auszuweisen. Doch nur eine Minderheit von Unternehmen - darunter Coca-Cola und Wal-Mart - tat dies bisher freiwillig.

Das FASB folgt mit seinen Reformplänen einer Initiative des International Accounting Standards Board (IASB), das für die internationalen Bilanzregeln (IAS) zuständig ist. Danach sollen Aktienoptionen in Zukunft kostenwirksam verbucht werden. Spätestens ab 2007 müssen alle Unternehmen in der Europäischen Union IAS-Bilanzen vorlegen.

Die meisten Konzerne in den USA wie in Europa weisen den Wert ihrer Optionspläne bislang nur als Fußnote aus. Bei kostenwirksamer Verbuchung wären die Bilanzgewinne der Firmen im US-Aktienindex S & P 500 im Jahr 2002 um 18 % geringer ausgefallen, schätzt die Ratingagentur Standard & Poor?s. In Europa tritt das Problem weniger massiv auf, da Optionspläne nicht so weit verbreitet sind.

Die geplante Verschärfung bei Pensionsplänen dürfte die Bilanzgewinne der US-Konzerne ebenfalls belasten. Denn das FASB will den Buchwert der Rücklagen für Betriebsrenten stärker an der tatsächlichen Wertentwicklung orientieren. Viele Pensionsfonds sitzen angesichts der Börsenkrise auf milliardenschweren Verlusten. Diese sind oft nicht voll in den Firmenbilanzen berücksichtigt.

Schon die Ankündigung der Reform dürfte die Bilanzpraxis in den USA verändern: "Wir vermuten, dass die meisten Unternehmen schon ab diesem Jahr Aktienoptionen als Kosten verbuchen", sagt Jason James, Chefstratege der britisch-asiatischen Großbank HSBC. Er sieht darin eine Gefahr für die Bilanzgewinne der US-Konzerne und für deren Aktienkurse.

Noch hat das FASB allerdings nichts entschieden. Und Unternehmensverbände wie die nationale Industrievereinigung (NAM) machen bereits Front gegen die Reform. "Die NAM wird sich jeder neuen Initiative des FASB mit Macht widersetzen", kündigte NAM-Steuerexperte Kimberly Pinter an. Viele Unternehmen argumentieren, eine kostenwirksame Bilanzierung mache Optionspläne als Vergütungsinstrument weniger attraktiv. Außerdem sei es technisch kaum möglich, Aktienoptionen korrekt und zuverlässig zu bewerten. Schon Mitte der 90er Jahre war das FASB mit einem ähnlichen Versuch gescheitert.

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