Aktienpläne werden noch verhalten bewertet
Telekomfirmen auf allen Kapitalmärkten aktiv

Anleihen, Wandelanleihen, mit Forderungen besicherte Anleihen - die Telekomkonzerne waren in diesem Jahr vor allem auf den Anleihemärkten aktiv, um sich Kapital zu besorgen. Im nächsten Jahr wollen sie sich auch wieder über die Aktienbörsen Geld beschaffen. Analysten beurteilen die Pläne aber vorsichtig.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die gleichzeitige Rally der Aktien- und Rentenmärkte seit Mitte September hat Unternehmen bessere Möglichkeiten der Refinanzierung eröffnet. Vor allem die hoch verschuldeten Telekomkonzerne nutzten die verbesserten Bedingungen, um sich Geld an den Kapitalmärkten zu besorgen. Auch im nächsten Jahr werden die Telekomkonzerne laut Experten auf allen Märkten aktiv sein.

Dabei werden sie vor allem wieder den Anleihemarkt beanspruchen. Nach Berechnungen von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) emittierten europäische Telekomunternehmen in diesem Jahr neue Anleihen über etwa 49,68 Mrd. Euro - fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Der Anteil der Telekomunternehmen am Markt für Unternehmensanleihen - ohne Banken - hat sich dabei mit 27,7 % in diesem nach 24 % im vergangenen Jahr jedoch kaum verändert. Viele Unternehmen emittierten deutlich mehr Bonds als im Vorjahr.

Es sei jedoch sehr unwahrscheinlich, dass sich das aktuelle Rekordvolumen bei Telekom-Emissionen wiederholen werde, sagt Bradley Bugg, Analyst für Telekombonds bei DKW. Im kommenden Jahr werde vor allem der Schuldenabbau im Blickpunkt stehen. Dabei werde voraussichtlich ein Großteil der fälligen Schulden zurückgezahlt und nicht - wie in den vergangenen zwölf bis 15 Monaten - durch neue Anleihen refinanziert. Die Deutsche Bank rechnet dagegen angesichts der 2002 auslaufenden Bankkredite und Bonds über 58,4 Mrd. Euro damit, dass europäische Telekomfirmen neue Bonds über 45 Mrd. bis 50 Mrd. Euro begeben werden. Vor allem die in jüngster Zeit gefallenen Zinsen sparten den Firmen am Anleihemarkt viel Geld. France Télécom zum Beispiel musste für den Bond über 5 Mrd. Euro Anfang des Monats eine deutlich geringere Rendite bieten als für die vergleichbaren Tranchen des Bonds über 17,6 Mrd. Euro im März - der bisher größten Industrieanleihe.

Analysten bleiben skeptisch

Im nächsten Jahr werden die Telekomkonzerne auch wieder versuchen, sich Geld über die Aktienbörsen zu verschaffen. Die waren als Geldquelle lange Zeit versiegt. Doch die seit Mitte September steigenden Kurse und die jüngste erfolgreiche Erstnotierung des britischen Mobilfunkkonzerns MMO2 lassen die Unternehmen hoffen, dass sie über Börsengänge wieder günstiges Geld für Investitionen und Schuldenabbau bekommen. Der niederländische Telekomkonzern KPN will Anfang Dezember neue Aktien über 5 Mrd. Euro ausgeben, um Schulden zu senken. T-Mobile, die Mobilfunksparte der Deutschen Telekom, plant im nächsten Jahr den Gang aufs Parkett. 10 Mrd. Euro will der Ex-Monopolist damit erlösen.

Die Aussichten dieser Pläne beurteilen Analysten jedoch verhalten. "Es gibt wieder Zuflüsse in Technologiewerte", sagt Robert Vinall, Telekom-Analyst bei der DZ Bank. "Aber wir müssen abwarten, ob das nicht doch nur eine kurzlebiges Phänomen ist." Auch Analysten von UBS Warburg warnen davor, die Stimmung überzubewerten. Die Lage sei besser als noch vor einem Vierteljahr, aber die Branche sei noch nicht über den Berg.

Wandelanleihen beliebt

Keine Probleme machte der Aktienmarkt den Telekomkonzernen in diesem Jahr bei der Emission von Wandelanleihen - niedrig verzinsten Bonds, deren Umtausch in Aktien sich lohnt, wenn die Aktien auf einen bestimmten Kurs steigen. Bislang wurden laut Credit Suisse First Boston (CSFB) am europäischen Markt Wandelanleihen über 40 Mrd. Euro emittiert - das sind etwa 23 % mehr als im gesamten Vorjahr. Telekomkonzerne hatten daran einen Anteil von 38,7 %. Frank Heitmann, zuständig für Wandelanleihen bei CSFB in London, rechnet damit, dass die Telekomkonzerne weiterhin zu den größten Anbietern von Wandelanleihen zählen werden. Das aktuell bessere Marktumfeld - steigende Aktienkurse und niedrigere Zinsen - nutzte im November unter anderem France Télécom (FT). Die Wandlungsprämie des Bonds über knapp 3,5 Mrd. Euro - der größten Wandelanleihe des Jahres - wurde bei rund 47 % festgesetzt. Der Kurs der FT-Aktie muss entsprechend klettern, damit die Umwandlung der Anleihe lukrativ ist. Bei der FT-Anleihe im Februar über 2,7 Mrd. Euro, bei der die Papiere in Aktien der Mobilfunktochter Orange getauscht werden können, lag die Prämie bei 27 %. Dafür waren auch die Zinskupons geringer.

Künftig werden die Telekomkonzerne auch eine Anleiheform beanspruchen, die in diesem Jahr erstmals Telecom Italia nutzte: Asset Backed Securities (ABS), bei denen das Unternehmen Forderungen auf Telefonrechnungen aus der eigenen Bilanz ausgliederte und als Sicherheit für die Bonds bot. Im Dezember wird eine zweite ABS von Telecom Italia über 1,3 Mrd. Euro erwartet. Bis März 2001 haben die Deutsche Telekom und FT ähnlich konstruierte ABS über bis zu 2,5 Mrd. bzw. über 1 Mrd. Euro angekündigt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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