Aktienstrategen raten zu konjunktursensiblen Werten aus Europa
Adidas und Puma waren 2001 Depot-Sprinter

Zwar haben die deutschen Aktienindizes Dax und M-Dax das Jahr mit Verlusten abgeschlossen. Ausgewählte Titel aus der zweiten Reihe bescherten Anlegern dennoch beachtliche Kursgewinne.

FRANKFURT/M. Wer sich im abgelaufenen Jahr Aktien der Sportartikelhersteller Adidas oder Puma ins Depot gelegt hat, kann sich über satte Gewinne freuen: Adidas legten um knapp 28 % zu, Puma erfreuten ihre Anleger gar mit Kursgewinnen von knapp 170 %. Auch Automobilwerte gehörten zu den Spitzenreitern. Die größten Verluste im Deutschen Aktienindex (Dax) verzeichneten auf Jahressicht die Lufthansa sowie Commerzbank und Hypo-Vereinsbank. Im M-Dax führten Gold-Zack und ProSiebenSat1 die Verliererliste an.

Insgesamt gesehen war 2001 kein gutes Aktienjahr, zum zweiten Mal in Folge schnitt der Leitindex mit Verlusten ab. Seit Jahresbeginn haben der Dax rund 18 % und der M-Dax gut 8 % ihres Wertes eingebüßt. Die im Jahresverlauf deutlich nach unten revidierten Konjunkturerwartungen haben vor allem Industriewerte und Technologieaktien getroffen, erklärte Gerhard Schwarz, Leiter der Abteilung Aktienstrategie bei der Hypo-Vereinsbank. Beispielsweise sei die Gewinnentwicklung bei Infineon, einem der fünf größten Verlierer im Dax, an die Konjunktur gekoppelt.

Gut gehalten hätten sich dagegen Aktien aus Branchen, die nicht so stark von der Konjunkturentwicklung abhängen, wie Pharma- oder Versorgerwerte. Dieses Bild habe erst nach den Terroranschlägen im September und dem Dax-Jahrestief am 21. September gedreht, bemerkte Christoph Niesel, zuständiger Fondsmanager für deutsche Aktien beim Deutschen Investment Trust dit: Der Dax verkleinerte sein Minus auf Jahressicht, konjunktursensible Bereiche wie Automobil-, Technologie- und Finanzwerte erholten sich, während sich Versorger- und Pharmaaktien schlechter als der Gesamtmarkt entwickelten.

Für 2002 erwarten Experten wieder eine positive Entwicklung an den Aktienbörsen. Ian Scott, europäischer Aktienstratege bei Lehman Brothers, sieht für deutsche und europäische Aktien Zuwächse von 20 % im kommenden Jahr. Zur Begründung verwies er auf die attraktive Bewertung von Aktien relativ zu Anleihen. "Die Erholung wird kommen, je früher, desto besser", sagte auch dit-Fondsmanager Niesel. Im historischen Vergleich sei es eher unwahrscheinlich, dass Anleger drei Jahre in Folge Geld verlören, wenn sie den Aktienindizes folgten, begründete er seinen Optimismus.

Den Spitzenreitern Adidas und Puma räumt Niesel auch für 2002 Potenzial ein. An Adidas gefällt dem Fondsmanager das Management und die Produktpalette. Auch die bevorstehende Winterolympiade sowie die Fußball-WM sollten den Titel stützen. Puma habe bei Lifestyle-Produkten ein glückliches Händchen gehabt. Zudem sei der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10 für das kommende Jahr nicht überbewertet. Das gute Abschneiden von SAP begründete Schwarz damit, dass sich Softwareaktien prinzipiell besser entwickelt hätten als Hardwaretitel.

Während Niesel in dem von ihm gemanagten Fonds DIT Aktien Deutschland AF Technologietitel wie SAP, Infineon, Epcos, Siemens und die Software AG leicht übergewichtet, empfiehlt die Hypo-Vereinsbank unter den Dax-Werten eher BMW, BASF, Deutsche Post, Preussag und Deutsche Bank. Versicherungs- und Versorgeraktien werden laut Niesel nur dann überdurchschnittlich profitieren, wenn sich die erwartete wirtschaftliche Erholung nicht einstellt. Ian Scott rät Anlegern ganz generell, europäische Aktien in ihrem Portfolio wieder überzugewichten. Defensive Werte wie Versorgeraktien seien bereits hoch bewertet. Auch von Nahrungsmittel- und Ölaktien rät der Stratege ab. Lohnen werde sich die Anlage in zyklische, konjunkturabhängige Werte. Als Beispiele nannte er Degussa, Bayer, aber auch BMW, Siemens, Preussag und SAP.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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