Aktienstrategen sind ebenfall unglücklich mit der Entwicklung
Volkswirte: Debatte um Schröder schadet Standort Deutschland

Die Steuerdebatte und die Spekulationen um eine angebliche Amtsmüdigkeit von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) schaden nach Einschätzung von Volkswirten und Aktienstrategen dem Wirtschaftsstandort Deutschland.

Reuters FRANKFURT. "Ausländische Investoren müssen sich fragen, wer hier das Sagen hat", sagte Philipp Nimmermann, Wirtschaftspolitikexperte bei der ING BHF-Bank, am Mittwoch in Frankfurt. "In diesem Sinne verliert der Standort an Attraktivität, je mehr Schröders Autorität schwindet." Gerhard Grebe, Investment-Stratege beim Bankhaus Julius Bär sagte: "Der Kapitalmarkt hasst Unsicherheiten, da sind die politischen Mehrstimmigkeiten aus Berlin natürlich kein positives Zeichen." Längerfristige Reformen und deren Umsetzung durch die Regierung seien zudem nicht in Sicht.

Schröder hatte am Mittwoch Spekulationen über einen Rücktritt zurückgewiesen und seinen Führungsanspruch als SPD-Vorsitzender unterstrichen. "Der Kanzler wird nicht das Schiff verlassen", sagte Schröder in Berlin. Zugleich forderte er die SPD zur Geschlossenheit auf und sagte mit Blick auf die von ihm abgelehnte, von mehreren Spitzengenossen aber weiter geforderte Wiedereinführung der Vermögensteuer, es müsse klar sein, dass das Wort des Kanzlers und Parteichefs gelte.

"Der Autoritätsverlust Schröders, nicht nur in den eigenen Reihen, ist ganz offensichtlich", fügte Grebe hinzu. "Es ist die Beliebigkeit - das Herausposaunen von Plänen und wieder Zurückrudern -, die den Anlegern missfällt." Die Machtworte Schröders verbesserten die Stimmung auch nicht gerade.

Ein anderer Aktienstratege einer deutschen Großbank, der nicht mit Namen genannt werden wollte, sagte, das uneinheitliche Bild der Bundesregierung in der Öffentlichkeit sei nicht gut für die Märkte. "Wirklich belastend ist aber das Gefühl, dass die Regierung gelähmt ist und die Kraft für Reformen total fehlt." Ein Rücktritt Schröders würde die Märkte kurzfristig belasten, weil dadurch Unsicherheit entstehe. Ein neuer Kandidat aus der aktuellen Regierung würde hier keine Besserung signalisieren. Nur wenn Hoffnung auf einen Regierungswechsel bestehe, könnten die Börsen davon profitieren. "Das könnte zu Käufen führen, weil die Leute hoffen, nun werden die Probleme angepackt und gelöst." Insgesamt sei dies an der Börse aber nur Randthema. Die wirklich bestimmenden Faktoren seien die Entwicklung im Irak-Konflikt sowie die Konjunkturaussichten.

Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld sprach von Verunsicherung für ausländische Investoren. Der Regierung fehle derzeit die richtige Orientierung zwischen Beharrungs- und Reformkräften.

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