Aktienumtausch erfolgreich
MAN kämpft auf vielen Baustellen

Die Ertragsziele des Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzerns MAN kommen in diesem Jahr immer stärker unter Druck. Neben der Konjunktur drücken Sonderbelastungen. Nach den Kostensenkungen in der Lkw-Sparte ist Konzernchef Rudolf Rupprecht aber für das kommende Jahr zuversichtlicher.

HB MÜNCHEN. Schwache Konjunktur und ungeplante Abschreibungen werden es dem Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN in diesem Jahr schwer machen, die Prognose einer leichten Verbesserung beim Ergebnis zu erreichen. "Das Ziel ist ausgesprochen sportlich", räumte Vorstandschef Rudolf Rupprecht im Handelsblatt-Gespräch ein: "Der eingebaute Spielraum bei den Planzahlen ist aufgebraucht." 2003 werde "mit Sicherheit besser", vor allem in der Lkw-Sparte.

Nach dem Einbruch im ersten Quartal habe MAN im zweiten Quartal zwar bei Umsatz und Auftragseingang aufgeholt und die Minusraten verringert, doch Sonderfaktoren werden auch in diesem Jahr die Erträge belasten. Geplant sind 2002 ein Umsatz von 15,5 bis 16 Mrd. Euro und ein Ergebnis über den 213 Mill. Euro aus dem Vorjahr. Ergebnisse für das zweite Quartal werden am 13. August veröffentlicht.

Druck von allen Seiten

Der Druck wächst von verschiedenen Seiten: Durch die Insolvenz des Kunden Fairchild Dornier und Abschreibung der Beteiligung am Raumfahrtprogramm Arianespace müssen bei der Luft- und Raumfahrttochter MAN Technologie 30 bis 40 Mill. Euro wertberichtigt werden. Zudem belaste die Pleite des Kunden Babcock die MAN-Bilanz mit einer Summe im einstelligen Millionenbereich. Verkraftet werden müssten außerdem noch mehr als 30 Mill. Euro - letzte Folgelasten aus dem Desaster mit der britischen Tochter ERF. Bei dem Lkw-Hersteller waren durch Bilanzfälschungen riesige Verluste verschleiert worden. Schwierig gestaltet sich zudem die Integration des Busherstellers Neoplan. Hier seien weitere Kostensenkungen nötig.

Dennoch trauen Analysten MAN das Erreichen der Ziele zu, zumal sich die außerordentlichen Belastungen durch das ERF-Desaster im Vorjahr mit 187 Mill. Euro in der Bilanz niedergeschlagen hatten. So rechnet Jürgen Warfsmann von der Hypo-Vereinsbank durch die Sonderfaktoren zwar mit einem schwachen ersten Halbjahr, sieht jedoch die Chance, dass "der Konzern 2002 die ambitionierten Ergebnisvorgaben erreicht". Mark Troman von Merrill Lynch erwartet ebenfalls Erfolge der Sparmaßnahmen. Er stufte die Aktie auf "neutral" hoch.

10 Prozent der Aktien bereits umgewandelt

Ein besseres Standing am Kapitalmarkt erhofft sich MAN durch das laufende Umwandlungsprogramm der Vorzugs- in Stammaktien. Vorausgesetzt eine Umtauschquote von 80 % wird erreicht, könnten dem Konzern fast 100 Mill. Euro zufließen, weil die Vorzugsaktionäre beim Umtausch je Aktie 3,30 Euro zuzahlen müssen. Der Umtausch läuft vom 15. Juli bis 23. August. Bisher wurden bereits 10 % umgewandelt, bestätigte Finanzchef Ferdinand Graf von Ballestrem.

Ohne die Umtauschaktion würde MAN der Abstieg aus dem Deutschen Aktienindex Dax drohen, da nach den neuen Regeln bei der Indexzusammensetzung nur noch der Streubesitz der Stammaktien zählt. "Wenn MAN stärker im Dax verankert ist, profitieren davon alle Seiten", konstatierte Rupprecht - auch der Großaktionär Allianz, der über die Holding Regina 36 % der Stammaktien kontrolliert.

Um weiter eine wichtige Rolle an der Börse zu spielen, erteilt Rupprecht allen Ansinnen von Investmentbanken eine Absage, den Mischkonzern MAN zu zerschlagen. Gerade in schwierigen Zeiten bewähre sich die Risikodiversifikation. Folglich hält er auch nichts von der Ausgliederung der größten Sparte Nutzfahrzeuge.

Aktive Rolle bei der Konsolidierung der Lkw-Branche

Bei der Konsolidierung der europäischen Lkw-Branche will MAN eine aktive Rolle spielen. "Wir sind für jede sinnvolle Lösung offen, bei der MAN das Sagen hat, und nicht zerschlagen wird", ist Rupprechts Standard-Antwort. Für Bewegung im Markt sorgt allein schon, dass Volvo/Renault als Auflage der Fusion bis 2004 die Stimmanteile von 30,6 % am schwedischen Rivalen Scania abgeben muss. Bei Scania ist auch VW mit 34 % engagiert. Über das weitere Vorgehen von VW im Nutzfahrzeug-Bereich wird viel spekuliert, auch wenn der neue Konzernlenker Bernd Pischetsrieder die strategische Bedeutung der Sparte betont hat.

Sollte sich Volvo dazu entschließen, die Anteile den eigenen Aktionären anzudienen, könnte sich nach Meinung von Marktkennern eine Chance für MAN und VW bieten. Denkbar wäre dann, dass VW seine Scania-Anteile gegen eine MAN-Beteiligung tauscht und die beiden Konzerne weitere Scania-Pakete erwerben. Einer solchen Lösung stünde Rupprecht sicherlich nicht ablehnend gegenüber.

Trennen möchte sich Rupprecht dagegen schon länger von einigen Randbereichen. Doch weder für die Hütten- und Wälzwerktochter SMS noch für die Schwäbischen Hüttenwerke und MAN Technologie seien zurzeit vernünftige Preise zu erzielen. Wenn Rupprecht 2004 aus dem Vorstand ausscheidet, strebt er nach eigenen Angaben zufolge keinen Posten im Aufsichtsrat an. Er will aber einen Konzern hinterlassen, der auf den fünf Säulen Nutzfahrzeuge, Dieselmotoren, Druckmaschinen, Anlagenbau und Dienstleistungen besteht. "Das ist nach wie vor ein tragfähiges Konzept."

Quelle: Handelsblatt

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