Aktionäre dürfen hoffen
Zukunft von EM.TV steht weiter in den Sternen

Die Aktionäre der angeschlagenen Medienfirma EM.TV & Merchandising AG dürfen wieder hoffen: Der Verkauf des Sesamstraße-Produzenten Jim Henson soll in den nächsten Wochen über die Bühne gehen, sagte ein Sprecher am Donnerstag.

jojo MÜNCHEN. Genau festlegen will sich die im Neuen Markt notierte Firma allerdings nicht: "Die kurzfristige Entwicklung des Beteiligungsportfolios ist schwer vorhersehbar", hieß es am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Halbjahr. Deshalb weigert sich EM.TV auch nach wie vor, eine Prognose für das gesamte Jahr abzugeben.

EM.TV-Chef Werner Klatten versucht seit seinem Amtsantritt im Sommer 2001 die US-Beteiligung Jim Henson zu verkaufen, bislang freilich ohne Erfolg. Schon auf der Hauptversammlung Anfang August hatte Klatten eine schnelle Entscheidung versprochen. Aus gutem Grund: Das Münchener Unternehmen hat das Geld aus dem Verkauf dringend nötig: Zwischen Januar und Juni gingen die liquiden Mittel - nach Firmenangaben planmäßig - von 128 Mill. Euro auf 90,2 Mill. Euro zurück.

Immerhin: EM.TV hat seine Hausaufgaben offenbar gemacht. Der Verlust im ersten Halbjahr ist von 122,3 Mill. Euro im vergangenen Jahr auf jetzt 70,2 Mill. Euro gefallen. Wegen umfangreicher Beteiligungsverkäufe ging auch der Umsatz zurück: Statt 466,2 Mill. Euro flossen nun nur noch 94,3 Mill. Euro in die Kassen. Auf vergleichbarer Basis wären es im Vorjahr 110,3 Mill. Euro gewesen.

Große Umsatzsprünge sind nach Ansicht von Analysten im zweiten Halbjahr nicht zu erwarten. Der Lizenzhändler und ehemalige Börsenstar leidet seit Monaten unter der schlechten Lage seiner großen Kunden, der TV-Sender. Weil den Fernsehstationen die Werbung weggebrochen ist, kaufen sie derzeit wenig ein. Noch schlimmer: Kaum jemand rechnet momentan mit einer Belebung vor Anfang nächsten Jahres. Das zeigt sich auch im Aktienkurs des im Auswahlindex Nemax 50 notierten Unternehmens. Das Papier verlor gestern in einem schwachen Umfeld rund 3,5 % auf etwa 1,1 Euro. Analysten raten wegen der unsicheren Aussichten seit Monaten von einem Kauf ab.

Zu der Ungewissheit trägt auch die nach wie vor ungeklärte Zukunft der insolventen Kirch Media bei. Das Tauziehen um Leo Kirchs Stammgeschäft blockiert eine Lösung für den Anteil von 16,7 %, den EM.TV an der Formel-1-Holding Slec hält. Das Problem ist, dass die EM.TV-Anteile bei Banken für Kirch-Kredite verpfändet sind. Die Institute - neben der Bayerischen Landesbank JP Morgan und Lehman Brothers - haben ihr Pfandrecht allerdings bislang noch nicht ausgeübt, hieß es am Donnerstag.

Wenn die Banken ihre Kredite in Anteile an der Slec tauschen würden, wäre EM.TV aus dem Spiel. Die insolvente Kirch-Gruppe hält 58,3 % der Slec, Formel-1-Chef Bernie Ecclestone den Rest. Gegen einen Zugriff der Banken auf den EM.TV-Anteil hat Klatten gerichtliche Schritte angekündigt.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%