Aktionäre durch Kursrutsch verärgert
Ron Sommer steht harte Hauptversammlung bevor

Die Hauptversammlung am Dienstag wird wohl ein Tribunal gegen Telekom-Chef Ron Sommer werden. Große Fondsgesellschaften wollen den Vorstand der Deutschen Telekom nicht entlasten. Kleinaktionäre kündigen Proteste an. Doch wie gut oder schlecht ist Sommer wirklich als Chef?

Handelsblatt.com versucht eine Bilanz der Sommer-Zeit anhand von Schulnoten in den Fächern Strategie, Produkte, Führung, Shareholde-value und Informationspolitik.

Strategie: 3+

Sommer hat seit Amtsantritt 1995 die alte Behörden-Telekom systematisch in einen Konzern umgebaut. In der richtigen Erkenntnis, dass das alte Telefon-Festnetzgeschäft unter den Bedingungen neuen Wettbewerbs nicht unendlich wachsen kann, setzte er auf den Ausbau des Mobilfunks, Internationalisierung, das Internet und das Systemgeschäft für Großkunden.

Heute ist das Unternehmen konsequent in die vier Säulen T-Com (Festnetz), T-Mobile, T-Online und T-Systems gegliedert, der Auslandsanteil bei Umsatz und Mitarbeitern wurde von 5% auf 33% gesteigert. Allerdings hat die Expansion viel Geld gekostet, daher der Schuldenberg von 67 Mrd. Euro. Wenn die Telekom es schafft, bis Ende 2004 alles zu integrieren und Schulden abzubauen, dann wird sie nach 10 Jahren Sommer glänzend dastehen. Die Telekom, und damit Sommer, kann aber genau auf dieser Strecke auch scheitern, deshalb: befriedigend mit einem Optimismus-Plus.

Produkte: 2

Sommer liebt das technische Spielzeug, das sein Unternehmen bietet, entsprechend kümmert sich der Chef selbst um Produkte, Innovationen und Preise. Viele Telekom-Produkte sind Sieger diverser Tests. Da zum Telefon aber auch der Service gehört, und der vor Ort nicht immer optimal ist, kein sehr gut.

Führungskompetenz: 3

Ron Sommer legt sehr viel wert darauf, im angelsächsischen Sinne der Leader zu sein. Interne Kritiker sind aus dem Vorstand verschwunden. Der einzige nicht unter Sommer bestellte Vorstand Gerd Tenzer ist in eine Nische abgedrängt. Sommers Vertraute schätzen die Zusammenarbeit; müssen dafür aber auch rund um die Uhr ans Handy gehen. Wie viele in ähnlicher Position könnte auch Sommer Gefahr laufen, sich zu sehr mit seinem Kreis abzuschotten. Dieses Muster ist bisher aber nicht durchgängig. Auch unkonventionelle junge Leute bekommen eine Chance.

Shareholder Value: 5

Eine bessere Note kann es angesichts einer Kursentwicklung von 104 Euro vor zwei Jahren auf 12 Euro nicht geben. Allerdings kann sich das Blatt wenden, sobald die gesamte Branche wieder freundlicher an den Finanzmärkten gesehen wird. Strategisch jedenfalls kann man die Telekom besser finden als es die Analysten tun (s. oben).

Informationspolitik: 4-

Sommer ist auf diesem Feld ein Schönwetter-Kapitän. Die Lage kann noch so schwierig sein, Sommer tritt auf, als ob die Telekom von Rekordgewinn zu Kurssprung eilte. Schlechte Nachrichten kommen in Nebensätzen daher, oder als Überraschungen, wie die Dividendensenkung und die Höhe des Gewinneinbruchs bei T-Com. Immerhin: Das Unternehmen bemüht sich, die sich auf der Baustelle Telekom stetig ändernden Fakten transparent darzustellen und macht dabei Fortschritte.

Gesamtnote: 3

Angesichts der Turbulenzen des Telekommarktes, der von einer Spekulationsbase 1999/2000 in eine tiefe Depression kippte, hat Sommer keinen schlechten Job gemacht. Deshalb wird die Kategorie Shareholder Value leichter gewichtet als die übrigen. Seine Strategie ist im Kern richtig, es könnte aber sein, dass er sich am teuren Voicestream-Einkauf verhoben hat.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Ron Sommer? Stimmen Sie ab unter www.handelsblatt.com/frage

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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