Aktionäre gehen mit Vorstandschef Lejeune hart ins Gericht
CE verspielt Vertrauen

Der Chip-Händler CE Consumer hat mit seiner erneuten Gewinnwarnung viel Kredit verspielt. Auch die Redekünste von Vorstandschef Erich Lejeune schufen kein Vertrauen auf der Hauptversammlung.

mwb MÜNCHEN. "Du schaffst, was Du willst!", "CE-Story - ein Mann macht einen Markt", "Lebe ehrlich - werde reich!" Im Tenor seiner Buchtitel hätte Erich Lejeune auch gern das letzte Kapitel seiner Geschichte als Vorstandschef der CE Consumer Electronics AG vor seinem Wechsel in den Aufsichtsrat zum Jahresende geschrieben. Doch daraus wird nichts. Bei einer der schillerndsten Figuren des Neuen Marktes ist der Lack ab.

Verzweifelt versuchte Lejeune auf der Hauptversammlung des Chip-Händlers, mit seiner ausgefeilten Redekunst aus einer bitteren Niederlage noch einen strahlenden Sieg zu fabulieren. "Unsere Story ist noch nicht beendet", rief er den enttäuschten Aktionären zu. Der Einbruch des Halbleitermarktes sei schuld an der Misere. Eigene Fehler räumt er nur sehr allgemein ein: "Wir waren überrascht." Nach dem Katastrophenjahr 2001 für die gesamte Halbleiterbranche hatte der optimistische Vorstandschef zu Jahresbeginn bereits wieder von einer Erholung der Märkte gesprochen und sogar einen Gewinn angekündigt. Doch der erneute Markteinbruch im April legte die Schwächen schonungslos offen.

Am Abend vor der Hauptversammlung gab CE einen Gewinneinbruch und Wertberichtigungen von 47 Mill. Euro vor allem auf die Beteiligungen bekannt - ein Offenbarungseid für Lejeunes Wachstumsstrategie. Im vergangen Jahr hatte CE den Umsatz um 50 % auf 426,8 Mill. Euro gesteigert - allerdings vornehmlich durch Übernahmen. In diesem Jahr ging dann es stetig abwärts: Im zweiten Quartal sanken die Erlöse verglichen mit dem schon rückläufigen ersten Quartal noch einmal um knapp 16 % auf 81,3 Mill. Euro. Analysten rechnen damit, dass die Erlöse im Gesamtjahr auf unter 400 Mill. Euro sinken. Im laufenden Jahr erwartet der Chip-Händler Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.

Lejeune warb dennoch verzweifelt um Vertrauen und Geduld bei den Aktionären. Mit den nun getroffenen Maßnahmen habe CE die Weichen für den nächsten Aufschwung gestellt. "Jetzt kann nichts mehr kommen, es kann nur noch besser werden", sagte der scheidende Vorstandschef. "Die Märkte werden wieder anspringen - das ist so sicher wie das Amen in der Kirche."

Vorwurf: Zu spät reagiert

Doch die Aktionäre scheinen den Glauben an Lejeune, der noch vor zwei Jahren als Messias des Neuen Marktes galt, verloren zu haben. "Der fatale Ergebniseinbruch ist nicht schön zu reden. Die Kosten werden nicht mehr gedeckt", monierte der Vertreter der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre. CE habe viel zu spät reagiert.

Der neue Vorstandschef Peter Bohn, den Lejeune vom Konkurrenten ACG abgeworben hat, kündigte die Einführung eines Risikomanagements und ein Kostensenkungsprogramm an. Das Unternehmen sei schneller gewachsen als die Strukturen. Ansonsten blieb er mit seiner Ankündigung, "so viel nicht anders machen zu wollen", eher blass.

Die Aktionärskritik wurde dagegen immer bissiger. "Der Aktienkurs gleicht einem Scherbenhaufen", sagte der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. An der Börse brach das Papier um mehr als 20 % auf nunmehr 1,60 Euro ein. Damit ist die CE-Story auch für die Anleger der ersten Stunde zum Desaster geworden. Bereinigt um den zwischenzeitlichen Aktiensplit hatte der Emissionskurs vor vier Jahren bei 3,58 Euro gelegen. Zudem vermutete ein Aktionär hinter dem starken Kurseinbruch von 20 % noch vor der Ad-hoc-Mitteilung vom Dienstag Insidervergehen.

Mehrere Kleinaktionäre zeigten sich über den Zeitpunkt von Lejeunes Ausscheiden besorgt. Der Firmengründer wird sich bis zum Jahresende nur noch um den Vertrieb kümmern. Anschließend erhält er als Aufsichtsratsmitglied noch einen Beratervertrag für drei Jahre. Ein Kleinaktionär hält dies für einen nicht akzeptablen Interessenskonflikt.

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